Wann sollte ich mit Erektionsproblemen zum Urologen gehen?

Wann sollte ich mit Erektionsproblemen zum Urologen gehen?

Zum Urologen sollten Sie gehen, wenn Erektionsprobleme länger als 3 Monate bestehen, plötzlich auftreten oder mit Schmerzen, Penisverkrümmung, Blut im Urin oder nachlassender Belastbarkeit einhergehen. Häufige Mechanismen sind Gefäßverengungen (Endothelfunktion/Stickstoffmonoxid), psychische Faktoren (Stress/Angst) und Nebenwirkungen von Medikamenten; gelegentliche Aussetzer sind meist normal.

  • Erektionsprobleme sind häufig: Je nach Alter berichten etwa 10–20 % der Männer über relevante Beschwerden, im höheren Alter deutlich mehr.
  • Anhaltende Erektionsstörungen können ein früher Hinweis auf kardiovaskuläre Risiken (z. B. Atherosklerose) sein, teils Jahre vor Herzsymptomen.
  • Dringend abklären: plötzlicher Beginn, Schmerzen, Penisverkrümmung, tastbare Plaques, Verletzung, neurologische Ausfälle, Blut im Urin.
  • Häufig beeinflussbar: Lebensstil, Stress, Beziehungskonflikte, Medikamente, Stoffwechselwerte (HbA1c, Lipide) und Blutdruck.
  • Standardisierte Erfassung gelingt mit dem IIEF-5; das hilft bei Diagnose, Verlauf und Therapieentscheidung.

Gefäßfaktoren (häufigste organische Ursache)

Erektionen sind ein Gefäßereignis: Arterien müssen sich erweitern, Schwellkörper müssen Blut speichern und der venöse Abfluss muss gedrosselt werden. Zentral ist die Endothelfunktion, die über Stickstoffmonoxid (NO) die glatte Muskulatur in den Schwellkörpern entspannt. Wenn Gefäße durch Atherosklerose, Bluthochdruck, Rauchen oder chronische Entzündung ihre Elastizität verlieren, sinkt die NO-Verfügbarkeit – die Erektion wird schwächer, dauert kürzer oder bleibt aus.

Warum das urologisch relevant ist: Die Penisarterien sind klein. Gefäßprobleme zeigen sich dort oft früher als in Herzkranzgefäßen. Leitlinien (u. a. EAU; bei Herz-Kreislauf-Risiko auch ESC-orientierte Risikostratifizierung) betonen deshalb die Abklärung von Blutdruck, Lipiden, Diabetes und Lebensstilfaktoren bei erektiler Dysfunktion. Der Urologe koordiniert häufig die Basisdiagnostik und leitet je nach Befund an Hausarzt, Kardiologie oder Diabetologie weiter.

Typische Hinweise auf vaskuläre Mitbeteiligung sind: schleichender Beginn, zunehmende Probleme über Monate, verminderte morgendliche/ nächtliche Erektionen, gleichzeitige Gefäßerkrankungen (z. B. koronare Herzkrankheit, pAVK), Rauchen oder metabolisches Syndrom. Auch nach Prostataoperationen oder Beckenbestrahlung kann die Gefäß- und Nervenversorgung betroffen sein.

Psychische Faktoren

Psychische Faktoren sind häufig – allein oder zusätzlich zu organischen Ursachen. Das Zusammenspiel ist plausibel: Für eine Erektion dominiert normalerweise der Parasympathikus („Ruhe-/Entspannungsmodus“), während Stress, Leistungsdruck und Angst den Sympathikus aktivieren und die Erektion erschweren. Häufige Auslöser sind akuter Stress, depressive Symptome, Konflikte, Unsicherheit nach einer einzelnen „Fehlleistung“, aber auch langfristige Überforderung oder Schlafmangel.

Wichtig: Psychisch bedingte Erektionsprobleme sind real und behandelbar; sie schließen organische Faktoren nicht aus. Gerade bei Männern über 40 ist eine gemischte Ursache häufig. Deshalb ist eine medizinische Basisabklärung sinnvoll, bevor sich eine Angstspirale verfestigt. Wenn die urologische Diagnostik unauffällig ist oder klare Stress-/Angstzeichen im Vordergrund stehen, kann Sexualtherapie oder psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein.

Zum Thema „pornobedingte ED“: Das ist keine eigenständige ICD-Diagnose. Studien zeigen teils Zusammenhänge zwischen problematischem Pornokonsum, Stress, Beziehungszufriedenheit und sexueller Funktion, aber Korrelation ist nicht automatisch Kausalität. In der Praxis kann ein verändertes Erregungsmuster oder Leistungsdruck eine Rolle spielen; die urologische Abklärung bleibt dennoch sinnvoll, insbesondere bei zusätzlichen Risikofaktoren.

Medikamente

Viele häufig verordnete Medikamente können die Erektionsfähigkeit beeinflussen – teils dosisabhängig, teils in Kombination mit anderen Faktoren. Beispiele sind bestimmte Blutdruckmittel (insbesondere ältere Betablocker oder Diuretika), einige Antidepressiva (v. a. SSRI/SNRI), Antipsychotika, Opioide, Finasterid/Dutasterid sowie Substanzen, die Prolaktin erhöhen können. Auch Alkohol und andere psychoaktive Substanzen können kurzfristig enthemmend wirken, langfristig jedoch die Erektionsqualität verschlechtern.

Wichtig ist: Medikamente nie eigenständig absetzen. Der Urologe kann gemeinsam mit dem verordnenden Arzt prüfen, ob Alternativen möglich sind, ob eine Dosisanpassung sinnvoll ist oder ob eine gezielte Behandlung (z. B. PDE-5-Hemmer) geeignet und sicher ist. Dabei sind Wechselwirkungen (z. B. mit Nitraten) und das kardiovaskuläre Gesamtrisiko zentral.

Stoffwechselerkrankungen

Diabetes mellitus, Adipositas und das metabolische Syndrom sind eng mit erektiler Dysfunktion verknüpft. Mechanistisch wirken mehrere Pfade zusammen: endotheliale Dysfunktion (weniger NO), Gefäßschäden, Entzündungsprozesse sowie bei Diabetes zusätzlich diabetische Neuropathie. Ein erhöhtes HbA1c spricht für eine chronisch erhöhte Glukosebelastung und korreliert mit Gefäß- und Nervenschäden; auch Hyperlipidämie und Bluthochdruck verschlechtern die Gefäßfunktion.

Für die Abklärung sind deshalb neben der Sexualanamnese häufig sinnvoll: Blutdruckmessung, Nüchternglukose oder HbA1c, Lipidprofil, ggf. Nierenwerte und ein kardiovaskuläres Risikoscreening. Die EAU-Leitlinien empfehlen eine strukturierte Diagnostik und das Erkennen behandelbarer Risikofaktoren. Für viele Männer ist das der Moment, in dem eine bislang unentdeckte Stoffwechselstörung erstmals auffällt – ein wichtiger Präventionsaspekt.

Hormonelle Ursachen

Hormonelle Ursachen sind seltener als Gefäß- oder psychische Faktoren, aber klinisch relevant. Ein Testosteronmangel kann Libido und Erektionsfähigkeit beeinträchtigen, ebenso Hyperprolaktinämie oder Schilddrüsenfunktionsstörungen. Typische Hinweise sind vermindertes sexuelles Verlangen, weniger spontane Erektionen, Müdigkeit, Abnahme von Muskelkraft oder depressive Symptome – wobei diese Zeichen unspezifisch sind.

In der Regel erfolgt eine gezielte Labordiagnostik, wenn Anamnese und Befund darauf hinweisen: morgens gemessenes Gesamttestosteron (ggf. wiederholt), bei Bedarf SHBG/freies Testosteron, Prolaktin und TSH. Eine Hormonsubstitution ist nicht automatisch die Lösung: Sie ist nur bei nachgewiesenem Mangel und unter Beachtung von Risiken/Contraindikationen zu erwägen und sollte leitlinienorientiert überwacht werden.

Erektile Dysfunktion ist die über mindestens 3 Monate anhaltende Unfähigkeit, eine für befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.

Psychisch oder organisch – typische Muster im Vergleich

Psychisch typisch:

  • plötzlicher Beginn, oft situationsabhängig (z. B. mit Partner, aber nicht allein)
  • morgendliche/ nächtliche Erektionen meist erhalten
  • ausgeprägter Leistungsdruck, Angst, Stress oder Beziehungskonflikte im Vordergrund

Organisch typisch:

  • schleichender Beginn und zunehmende Häufigkeit über Monate
  • verminderte morgendliche/ nächtliche Erektionen
  • Begleitfaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, pAVK, nach Becken-OP/Bestrahlung

Ab wann ist ein Arztbesuch sinnvoll, und wann ist es dringend?

Sinnvoll ist eine urologische Abklärung, wenn die Probleme länger als etwa 3 Monate anhalten, wiederholt auftreten oder Sie deutlich belasten. Dringend ist es bei plötzlichem Beginn, starken Schmerzen, neuer Penisverkrümmung, tastbaren Verhärtungen, Erektionsproblemen nach Verletzung/Operation, neurologischen Ausfällen oder Blut im Urin. Auch neue Belastungsatemnot oder Brustenge erfordert sofortige ärztliche Abklärung.

Welche Untersuchungen macht der Urologe typischerweise?

Meist beginnt es mit einer strukturierten Anamnese, inklusive Risikofaktoren, Medikamenten, psychischem Stress und Sexualverlauf; häufig wird der IIEF-5 genutzt. Es folgen körperliche Untersuchung, Blutdruck und ggf. Genitalbefund. Labor kann HbA1c/Glukose, Lipide, Nierenwerte und morgens Testosteron umfassen. Je nach Fall kommen EKG/Risikoeinschätzung oder Doppler-Ultraschall des Penis hinzu.

Was kann ich bis zum Termin selbst beobachten und vorbereiten?

Notieren Sie seit wann die Probleme bestehen, ob sie situationsabhängig sind, und wie es mit morgendlichen Erektionen aussieht. Erfassen Sie Medikamente, Alkohol-/Nikotin-/Drogenkonsum, Schlaf, Stress und körperliche Aktivität. Blutdruckwerte und bekannte Diagnosen (Diabetes, Fettstoffwechsel, Herz-Kreislauf) sind hilfreich. Wenn möglich, füllen Sie den IIEF-5 aus; das erleichtert die Verlaufskontrolle und Therapieentscheidung.

Wie unterscheide ich grob psychische von organischen Ursachen im Alltag?

Ein sicherer Unterschied ist ohne Diagnostik nicht möglich, aber Muster helfen: Situationsabhängigkeit, erhaltene morgendliche Erektionen und starke Angst/Stress sprechen eher für psychische Anteile. Ein schleichender Verlauf, fehlende morgendliche Erektionen und vaskuläre Risikofaktoren sprechen eher für organische Ursachen. Häufig liegt eine Mischform vor; dann profitieren Betroffene von kombinierter Behandlung aus Risikofaktor-Kontrolle und psychosexueller Unterstützung.

Welche Behandlung ist üblich, und wie sind Prognose und Dauer?

Häufig wird zuerst an Risikofaktoren gearbeitet (Rauchen, Gewicht, Bewegung, Blutdruck, HbA1c, Lipide) und Medikamente werden überprüft. PDE-5-Hemmer sind laut Leitlinien eine etablierte Erstlinientherapie, wenn keine Gegenanzeigen bestehen (v. a. keine Nitrate). Die Prognose ist oft gut, besonders bei frühem Beginn der Abklärung; je nach Ursache kann es Wochen bis Monate dauern, bis sich stabile Verbesserungen zeigen.

Fazit

Erektionsprobleme haben oft mehrere Ursachen gleichzeitig – am häufigsten Gefäßfaktoren, psychische Belastungen und Medikamenteneffekte. Abklärungsbedürftig ist vor allem ein Verlauf über mehr als drei Monate, ein plötzlicher Beginn oder Begleitsymptome wie Schmerzen oder Verkrümmung. Der nächste sinnvolle Schritt ist eine urologische Basisdiagnostik mit Risikofaktor-Check; die Prognose ist bei gezielter Behandlung häufig günstig.

Fachliche Grundlage

Dieser Beitrag bietet evidenznahe Gesundheitsinformation zu einem sensiblen Thema und orientiert sich an etablierten urologischen und kardiovaskulären Empfehlungen (u. a. EAU; bei Risikoabschätzung auch ESC-orientiert) sowie an standardisierten Instrumenten wie dem IIEF-5. Inhalte berühren auch Verhalten, Psychologie und Gewichtsregulation. Ingo Simon, Diplom-Pädagoge (univ.) und Heilpraktiker für Psychotherapie, ist Entwickler der Hypnoseprogramme des Anbieters, jedoch nicht Autor einzelner Artikel; die Inhalte werden redaktionell geprüft.

Transparenz

Der Text wurde KI-unterstützt erstellt und anschließend manuell redaktionell geprüft. Er dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnostik oder Behandlung sowie keine psychotherapeutische oder sexualtherapeutische Unterstützung.

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Ingo Simon

Ingo Simon

Autor unserer Hypnose-Programme | Diplom-Pädagoge univ. und Heilpraktiker für Psychotherapie

Diplom-Pädagoge univ. und Heilpraktiker für Psychotherapie mit Zusatzqualifikationen, ausgebildet im Studium bei der Bundeswehr Universität München im Fachbereich Pädagogik mit Spezialisierung auf psychologische und soziale Interaktionsprozesse und Bewusstseinsstrategien sowie Ausbildung von internationalen UN-Soldaten aus militärpädagogischer Sicht für die Bundesrepublik Deutschland.

Weiterhin ist Ingo Simon Autor von über 200 Büchern für strategische Hypnoseprozesse, wovon 80% Bestseller sind.

Die Leidenschaft Menschen mit Hypnose zu helfen und zu fördern liegt Herrn Ingo Simon im Blut, daher können Kunden sich sicher sein, dass hier höchste Kompetenz und Qualität geliefert wird.

Reden auf internationalen Kongressen für Gesundheit und Entwicklung runden das Leistungsspektrum auf seinem Fachgebiet ab.

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