Bipolarer Partner trennt sich in der Manie: Was jetzt?
Eine Trennung aus der Manie heraus trifft Partner wie ein Schlag. Was dahintersteckt, ob sie endgültig ist und wie Sie sich jetzt schützen.
Die kurze Antwort
Trennt sich ein Partner mit bipolarer Störung während einer Manie, ist das häufig eine Entscheidung der Krankheitsphase, nicht der Person im gesunden Zustand. In der Manie sind Antrieb, Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft stark erhöht, Bedenken treten in den Hintergrund. Beziehungen werden dann oft abrupt beendet, neue begonnen, große Pläne geschmiedet. Nach der Phase bereuen viele Betroffene, was sie gesagt und getan haben.
Warum Trennungen in der Manie so häufig sind
Gesteigertes Selbstbild
In der Manie fühlen sich Betroffene unbesiegbar und voller Möglichkeiten. Die bisherige Beziehung wirkt plötzlich eng, langweilig oder wie ein Hindernis.
Impulsivität
Entscheidungen fallen innerhalb von Stunden, ohne die Folgen abzuwägen. Dazu gehören Kündigungen, hohe Ausgaben und eben auch Trennungen.
Enthemmung
Viele erleben ein gesteigertes sexuelles Verlangen und gehen neue Kontakte ein. Für Partner ist das besonders verletzend.
Gereiztheit
Wer bremst oder Sorgen äußert, wird schnell als Feind erlebt. Konflikte eskalieren, und die Trennung erscheint als Befreiung.
Ist die Trennung endgültig?
Das lässt sich in der akuten Phase nicht sagen. Manche Paare finden nach der Stabilisierung wieder zusammen, andere nicht, weil zu viel Vertrauen verloren ging. Entscheidend ist, was der Partner nach der Manie mit klarem Kopf denkt. Deshalb raten Fachleute, in dieser Zeit keine unumkehrbaren Schritte zu erzwingen, weder von Ihrer noch von seiner Seite.
Was Sie jetzt tun können
- Nicht diskutieren: In der Manie lassen sich Entscheidungen kaum durch Argumente ändern. Ruhig bleiben, Grenzen benennen.
- Sich selbst schützen: Gemeinsame Konten, Verträge und Wohnung im Blick behalten. In der Manie werden oft hohe Schulden gemacht.
- Behandlung ansprechen: Wenn möglich mit behandelnden Ärzten oder Angehörigen Kontakt halten. Bei Selbst- oder Fremdgefährdung ist der Notruf 112 richtig.
- Die Verletzung ernst nehmen: Auch wenn die Krankheit erklärt, was passiert ist, darf es weh tun. Sie müssen nichts sofort verzeihen.
- Unterstützung holen: Angehörigengruppen der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen und Beratungsstellen helfen, das Erlebte einzuordnen.
Wenn Sie wieder zusammenfinden
Gelingt ein Neuanfang, hilft ein gemeinsamer Krisenplan: Welche Frühwarnzeichen gibt es, wer darf wann den Arzt informieren, wie werden Finanzen in einer neuen Phase geschützt? Studien zur familienfokussierten Therapie von David Miklowitz zeigen, dass die Einbeziehung der Angehörigen Rückfälle verringern kann. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Bipolare Störung als Angehöriger.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Liebeskummer hilft, den Schmerz einer plötzlichen Trennung zu verarbeiten, zur Ruhe zu kommen und wieder Boden unter den Füßen zu spüren. Es ersetzt keine Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Warum trennt sich ein bipolarer Partner in der Manie?
In der Manie sind Antrieb, Selbstbewusstsein und Impulsivität stark erhöht, Bedenken treten in den Hintergrund. Die Beziehung wirkt plötzlich eng, und Entscheidungen fallen ohne Abwägen der Folgen.
Bereuen Bipolare die Trennung nach der Manie?
Viele bereuen nach der Phase, was sie gesagt und getan haben. Ob daraus ein Neuanfang wird, hängt davon ab, wie viel Vertrauen verloren ging und ob beide es wollen.
Wie verhalte ich mich, wenn mein Partner in der Manie Schluss macht?
Nicht diskutieren, ruhig Grenzen benennen, Finanzen und Verträge schützen und wenn möglich mit Behandelnden Kontakt halten. Bei Gefährdung den Notruf 112 wählen.
Kann eine Beziehung mit einem bipolaren Partner funktionieren?
Ja, viele Paare leben gut damit. Hilfreich sind eine konsequente Behandlung, ein gemeinsamer Krisenplan mit Frühwarnzeichen und die Einbeziehung des Partners in die Therapie.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- DGBS & DGPPN: S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, AWMF 038-019
- Miklowitz et al. (2003): A randomized study of family-focused psychoeducation and pharmacotherapy in the outpatient management of bipolar disorder, Archives of General Psychiatry 60(9)
- American Psychiatric Association: DSM-5, Bipolar and Related Disorders
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).