Können Narzissten sich ändern?
Veränderung ist möglich, aber selten von allein. Entscheidend ist, ob der Mensch sie selbst will, und nicht, wie viel Geduld andere aufbringen.
Möglich, aber selten von allein
Ja, Veränderung ist möglich. Sie hängt aber fast immer an einer Bedingung: Der Mensch selbst muss sie wollen und dauerhaft daran arbeiten. Für Partnerinnen, Partner und Angehörige ist das die wichtigste Unterscheidung. Hoffen, Erklären oder besonders viel Geduld verändern ein festes Muster in der Regel nicht.
Wichtig vorab: „Narzisst“ ist im Alltag ein Sammelbegriff. Er reicht von ausgeprägten Persönlichkeitszügen bis zur diagnostizierten narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Eine Einordnung im Einzelfall gehört in fachliche Hände.
Was die Forschung zeigt
Narzissmus nimmt im Laufe des Lebens oft ab
Eine Langzeitstudie begleitete Menschen vom 18. bis zum 41. Lebensjahr. Im Durchschnitt sanken narzisstische Züge in dieser Zeit deutlich, besonders das Anspruchsdenken. Gleichzeitig blieb die Rangfolge recht stabil: Wer mit 18 im Vergleich sehr narzisstisch war, war es mit 41 meist immer noch eher als andere. Veränderung findet also statt, aber oft langsam und innerhalb eines gewissen Rahmens.
Mitgefühl ist eher eine Frage der Motivation
In Experimenten zeigten Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Zügen zunächst weniger Mitgefühl mit einer Person, die von einer Trennung erzählte. Wurden sie ausdrücklich gebeten, sich in deren Lage zu versetzen, glich sich ihre Reaktion an. Die Forschenden deuten das so: Die Fähigkeit ist vorhanden, sie wird nur nicht von selbst genutzt. Die Studien waren klein, liefern aber einen Hinweis, wo Therapie ansetzen kann.
Woran sich echte Veränderung erkennen lässt
- Eigenmotivation: Der Anstoß kommt nicht nur aus einer Krise, etwa einer drohenden Trennung, sondern bleibt danach bestehen.
- Verantwortung: Verletzungen werden benannt, ohne sie kleinzureden oder auf andere zu schieben.
- Dauer: Neues Verhalten zeigt sich über Monate, nicht nur in den Wochen nach einem Streit.
- Hilfe von außen: Eine Psychotherapie wird begonnen und auch dann fortgesetzt, wenn sie unbequem wird.
Kurze Phasen voller Einsicht und Versprechen, auf die wieder das alte Muster folgt, sprechen eher für einen Kreislauf als für einen Wandel.
Was das für Angehörige bedeutet
Niemand kann einen anderen Menschen verändern. In der eigenen Hand liegen Grenzen, eine ehrliche Zeitperspektive und die Frage, wie viel Belastung tragbar ist. Wer merkt, dass Stimmung, Schlaf oder Selbstwertgefühl dauerhaft leiden, darf sich Unterstützung holen, unabhängig davon, ob der andere etwas ändert.
Bei Gewalt oder Drohungen hat die eigene Sicherheit Vorrang. In akuten Krisen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar: 0800 111 0 111 (DE), Dargebotene Hand 143 (CH). Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, nach belastenden Begegnungen zur Ruhe zu kommen, begleitend und nicht als Ersatz für Beratung oder Psychotherapie.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Liebeskummer setzt auf Entspannung und einen behutsamen Umgang mit Enttäuschung und Verlust, begleitend zu professioneller Unterstützung, nicht als Ersatz. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Kann Psychotherapie bei Narzissmus helfen?
Ja, wenn die betroffene Person bereit ist, sich darauf einzulassen und dabei zu bleiben. Häufig kommt der Anstoß über andere Belastungen, etwa Krisen im Beruf oder in der Partnerschaft. Veränderung braucht in der Regel viel Zeit.
Werden narzisstische Menschen im Alter milder?
Im Durchschnitt nehmen narzisstische Züge zwischen jungem Erwachsenenalter und Lebensmitte ab. Das gilt aber nicht für jeden, und bei manchen verstärken Kränkungen im Alter bestimmte Verhaltensweisen sogar.
Ändert sich ein Narzisst für den richtigen Menschen?
Darauf zu hoffen, führt oft in lange Enttäuschungen. Veränderung entsteht aus eigener Motivation und Arbeit an sich, nicht dadurch, dass jemand anderes besonders verständnisvoll ist.
Woran erkenne ich leere Versprechen?
Leere Versprechen tauchen vor allem nach Streit oder bei drohender Trennung auf und verschwinden, sobald sich die Lage beruhigt. Echte Veränderung zeigt sich daran, dass Verantwortung übernommen wird und das neue Verhalten über Monate anhält.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Wetzel, Grijalva, Robins & Roberts (2020): You’re still so vain: changes in narcissism from young adulthood to middle age, Journal of Personality and Social Psychology 119(2)
- Hepper, Hart & Sedikides (2014): Moving Narcissus: can narcissists be empathic?, Personality and Social Psychology Bulletin 40(9)
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition (DSM-5), Narcissistic Personality Disorder
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).