Wie lange dauert eine manische Phase?
Je früher behandelt wird, desto kürzer verläuft die Phase. Warum Angehörige die Zeichen oft zuerst sehen und wie sie helfen können.
Die kurze Antwort
Eine manische Phase dauert nach den diagnostischen Kriterien mindestens eine Woche. Unbehandelt hält sie oft mehrere Wochen bis wenige Monate an. Mit einer frühzeitigen Behandlung lässt sie sich meist deutlich verkürzen. Eine abgeschwächte Form, die Hypomanie, dauert mindestens vier Tage und beeinträchtigt den Alltag weniger stark.
Woran man eine manische Phase erkennt
- auffallend gehobene oder gereizte Stimmung
- stark gesteigerter Antrieb, viele Pläne gleichzeitig
- deutlich weniger Schlafbedürfnis, ohne müde zu sein
- Rededrang, Gedankenrasen, leichte Ablenkbarkeit
- überhöhtes Selbstwertgefühl
- riskantes Verhalten, etwa hohe Ausgaben, riskante Sexualität oder Verkehr
Für Betroffene fühlt sich der Beginn oft gut an, voller Energie und Ideen. Deshalb fehlt häufig die Einsicht, dass etwas nicht stimmt, und Angehörige bemerken die Veränderung zuerst.
Manie oder Hypomanie
Eine Hypomanie ist die abgeschwächte Form. Die Stimmung ist gehoben, der Antrieb gesteigert, aber der Alltag gerät nicht völlig aus den Fugen, und es treten keine Wahnvorstellungen auf. Eine Manie dagegen führt zu deutlichen Problemen in Beruf, Familie oder Finanzen und macht manchmal eine Klinikbehandlung nötig. Beide sollten ärztlich ernst genommen werden, weil auf sie häufig eine Depression folgt.
Wovon die Dauer abhängt
Frühe Behandlung
Je früher eine stimmungsstabilisierende Behandlung beginnt, desto kürzer und milder verläuft die Phase in der Regel.
Schlaf
Schlafmangel kann eine Manie befeuern und verlängern. Die Wiederherstellung eines regelmäßigen Schlafs ist ein zentraler Teil der Behandlung.
Auslöser
Drogen, Alkohol, anhaltender Stress und der Wegfall von Medikamenten können die Phase verlängern.
Was danach kommt
Auf eine Manie folgt häufig eine depressive Phase. Viele Betroffene erleben zudem Scham über Dinge, die sie in der Manie gesagt oder getan haben.
Was Angehörige tun können
- Frühwarnzeichen kennen: Weniger Schlaf, mehr Pläne und Gereiztheit sind oft die ersten Hinweise.
- Ruhig bleiben: Diskussionen über Größenideen führen selten weiter. Ruhige, klare Sätze helfen mehr.
- Schutz vor Folgen: Gemeinsam vorab vereinbaren, wie mit Geld, Auto oder Verträgen umgegangen wird, wenn eine Phase beginnt.
- Behandlung unterstützen: Zum Arzttermin begleiten und an Medikamente erinnern, ohne zu bevormunden.
- Auf sich selbst achten: Angehörigengruppen der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen und Beratungsstellen entlasten.
Wann sofort Hilfe nötig ist
Bei Selbst- oder Fremdgefährdung, völliger Schlaflosigkeit über mehrere Tage, Wahnvorstellungen oder Suizidgedanken ist sofortige ärztliche Hilfe nötig, im Notfall über 112. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar. Entspannungsverfahren wie Hypnose sind in akuten Phasen nicht geeignet, sie können in stabilen Zeiten ergänzend beim Umgang mit Stress helfen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei bipolarer Störung setzt auf Entspannung und einen ruhigeren Umgang mit Stress in stabilen Phasen, begleitend zur ärztlichen Behandlung, nicht in akuten Phasen. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine manische Phase?
Nach den Kriterien mindestens eine Woche, unbehandelt oft mehrere Wochen bis wenige Monate. Mit früher Behandlung lässt sie sich meist deutlich verkürzen. Eine Hypomanie dauert mindestens vier Tage.
Woran erkennt man den Beginn einer Manie?
Häufig an deutlich weniger Schlaf ohne Müdigkeit, vielen neuen Plänen, Rededrang und Gereiztheit. Angehörige bemerken die Veränderung oft früher als die Betroffenen selbst.
Was kommt nach einer manischen Phase?
Häufig folgt eine depressive Phase. Viele Betroffene erleben zudem Scham über Dinge, die sie in der Manie gesagt oder getan haben.
Was tun, wenn ein Angehöriger manisch wird?
Ruhig bleiben, nicht über Größenideen diskutieren, zur ärztlichen Behandlung ermutigen und vorab vereinbarte Schutzmaßnahmen umsetzen. Bei Gefahr sofort ärztliche Hilfe holen, im Notfall über 112.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5)
- DGBS, DGPPN: S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, AWMF 038-019
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).