Hypnotische Suggestionen — wie sie wirken
Suggestionen sind das Kernwerkzeug der Hypnotherapie. Wie sie funktionieren, welche Arten es gibt, wie man sie richtig formuliert — basierend auf Ingo Michael Simons Werk „Suggestionen richtig formulieren — 10 Minimax-Techniken für Hypnotiseure" (BoD, 2009).
Was eine Suggestion ist
Eine Suggestion ist eine sprachlich vermittelte Botschaft an das Unterbewusstsein. Im Trance-Zustand sind Suggestionen besonders wirksam, weil das Unterbewusstsein sie offener annimmt — ohne die normale kritische Filterung des wachen Verstandes.
Suggestionen sind keine Manipulation. Eine Suggestion, die der eigenen Werte-Struktur widerspricht, wird vom Unterbewusstsein zurückgewiesen. Wirksam sind nur Suggestionen, die für die Person akzeptabel und plausibel sind.
Die wichtigsten Suggestionsarten
1. Direkte Suggestion
Klare, expliziten Aussage: „Sie atmen ruhig und gleichmäßig." Wirkt gut bei klaren, eindeutigen Themen. Direkt, kurz, präzise.
2. Indirekte Suggestion
Implizit verpackt in Geschichte, Metapher oder Frage: „Wer weiß, ob Sie gleich noch eine wohltuende Wärme spüren werden — oder ob die Schwere der Arme jetzt zunimmt?" Wirkt gut bei Personen, die direkten Suggestionen widerstehen würden.
3. Posthypnotische Suggestion
Wirkt nach der Trance: „Wenn Sie morgens aufwachen, fühlen Sie sich erholt und klar." Posthypnotische Suggestionen sind das Tool für Verhaltens-Veränderungen im Alltag.
4. Selbst-Suggestion
Suggestionen, die sich die Person in Selbsthypnose selbst gibt. Voraussetzung: korrekte Formulierung und ausreichende Trance-Tiefe.
5. Imaginative Suggestion
Suggestion über bildhafte Vorstellung: „Stellen Sie sich vor, wie Sie nach dem Essen ein angenehmes Sättigungsgefühl haben — leicht, zufrieden, satt." Aktiviert mehrere Sinneskanäle.
6. Metapher und Geschichte
Komplexe therapeutische Botschaften, verpackt in Erzählung. Wirken besonders nachhaltig, weil sie nicht-bewusst auf vielen Ebenen verarbeitet werden.
10 Regeln für wirksame Suggestionen
Aus Ingo Michael Simons methodischem Werk „Suggestionen richtig formulieren — 10 Minimax-Techniken für Hypnotiseure" (Books on Demand, 2009):
Regel 1: Positiv formulieren
Das Unterbewusstsein versteht Verneinungen schlecht. „Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten" → man denkt an den Elefanten. Stattdessen: das Gewünschte direkt benennen.
- ❌ „Ich bin nicht ängstlich."
- ✅ „Ich bin ruhig und gelassen."
Regel 2: Gegenwartsform
„Werde" und „wird" verschieben in die Zukunft — und das Unterbewusstsein versteht: jetzt noch nicht. Stattdessen: gegenwärtig formulieren.
- ❌ „Ich werde abnehmen."
- ✅ „Mein Körper findet sein gesundes Gewicht."
Regel 3: Konkret und sinnesreich
Abstrakte Begriffe haben weniger Wirkung. Stattdessen: Bilder, Empfindungen, Geräusche, Gerüche.
- ❌ „Ich entspanne mich."
- ✅ „Meine Schultern sinken weich nach unten, mein Atem fließt ruhig, mein Kiefer wird locker."
Regel 4: Kurz und einfach
Lange Sätze überfordern das Unterbewusstsein. Sätze unter 15 Wörter, einfache Grammatik.
Regel 5: Realistisch und plausibel
Das Unterbewusstsein lehnt unmögliche Suggestionen ab. „Ich liebe meinen Körper bedingungslos ab heute" wirkt bei vielen nicht — zu groß der Sprung. Stattdessen: kleine, glaubwürdige Schritte.
Regel 6: Wiederholung
Eine Suggestion wirkt selten beim ersten Mal. Mindestens 3-mal wiederholen, idealerweise variiert (mit kleinen Abwandlungen).
Regel 7: Emotionale Verknüpfung
Suggestionen wirken stärker, wenn sie mit Emotion verbunden sind. „Ich bin ruhig" + Vorstellung des Sich-Ruhig-Fühlens.
Regel 8: Ich-Form
Selbstgegebene Suggestionen in der Ich-Form. „Ich bin..." statt „Du bist...".
Regel 9: Zweck und Ziel verbinden
Suggestionen wirken besser, wenn der dahinterliegende Zweck mit-aktiviert wird: „Ich rauche nicht mehr — meine Lunge atmet frei und tief, ich bewege mich leichter."
Regel 10: Verankerung
Eine Suggestion mit einem körperlichen Anker (Atemzug, Körper-Sensation) verbinden — verstärkt die Wirkung im Alltag.
Falsch vs. Richtig — typische Suggestions-Korrekturen
Die häufigsten Formulierungs-Fehler und wie sie nach Ingo Michael Simons Methodik richtig formuliert werden:
Methodik aus Ingo Michael Simons „Suggestionen richtig formulieren — 10 Minimax-Techniken für Hypnotiseure" (Books on Demand, 2009).
Praxis-Beispiele für häufige Anliegen
Stress und Anspannung
- „Mein Körper ist tief entspannt, mein Atem fließt ruhig."
- „Ich bin ruhig und gelassen — selbst in herausfordernden Situationen."
- „Mit jedem Atemzug lasse ich Anspannung los."
Selbstwert
- „Ich bin wertvoll — so wie ich bin, hier und jetzt."
- „Ich begegne mir selbst mit Freundlichkeit."
- „Ich vertraue meinen Fähigkeiten und Stärken."
Schlaf
- „Mein Körper ist müde und bereit zum Schlafen."
- „Ich schlafe sanft ein und tief durch."
- „Mein Kopf wird ruhig, meine Gedanken werden leise."
Gewicht / Essverhalten
- „Mein Körper findet sein gesundes Gewicht."
- „Ich höre auf zu essen, wenn ich satt bin."
- „Bewegung tut mir gut, ich bewege mich gerne."
Raucherentwöhnung
- „Ich bin Nichtraucher — frei, gesund, klar."
- „Meine Lunge atmet tief und sauber."
- „Ich brauche keine Zigarette, um mich gut zu fühlen."
Wie Sie Suggestionen anwenden
Konkretes Vorgehen bei der Selbstanwendung:
- Suggestionen vorbereiten: 3–5 Sätze nach den 10 Regeln formulieren.
- In Trance gehen: Über Trance-Induktion (Atem, Körperwahrnehmung, Gegen-Zählung).
- Suggestionen einsprechen: Innerlich, jeden Satz 3-mal.
- Mit Imagination verankern: Vorstellung des gewünschten Zustands aktivieren.
- Ausleitung: Sanft zurück in den Wachzustand.
- Wiederholung: Idealerweise täglich, mindestens 3-mal pro Woche, über mehrere Wochen.
Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie unter Selbsthypnose lernen.
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