Fremdgehen in der Manie: Wie gehen Partner damit um?
Enthemmung gehört zu den bekannten Merkmalen einer Manie. Das erklärt Untreue, macht sie aber nicht weniger verletzend. Was Partner jetzt brauchen.
Die Krankheit erklärt viel, aber nicht den Schmerz weg
Geht ein Partner mit bipolarer Störung in einer Manie fremd, ist das oft Ausdruck der Krankheitsphase: Enthemmung und ein stark gesteigertes Verlangen gehören zu ihren bekannten Merkmalen. Die Verletzung ist trotzdem echt. Partner müssen weder sofort verzeihen noch sofort eine Entscheidung treffen. Zuerst geht es um Schutz, Abstand und Klarheit.
Warum Untreue in der Manie häufiger vorkommt
Das Diagnosesystem DSM-5 nennt sexuelle Unbedachtheiten ausdrücklich als Beispiel für riskantes Verhalten in einer Manie. Eine Übersichtsarbeit von 2016 fand Hinweise auf mehr riskantes Sexualverhalten in manischen Phasen als bei Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen. Sie betont aber auch, dass die Forschung dazu dünn ist und Hypersexualität nicht einheitlich definiert wird.
In der Manie steigen Selbstbewusstsein, Kontaktfreude und Risikobereitschaft, während das Abwägen von Folgen fast ausfällt. Das erklärt, warum das Verhalten so wenig zum sonstigen Menschen passen kann.
Was Partner jetzt tun können
- Gesundheit schützen: Gab es ungeschützten Kontakt, ist ein ärztlicher Test auf sexuell übertragbare Infektionen sinnvoll.
- Keine Grundsatzdebatte in der Akutphase: Gespräche über Schuld und Zukunft führen in der Manie selten weiter.
- Abstand erlauben: Eine Pause, ein anderer Schlafplatz oder Unterstützung durch Freunde sind legitim.
- Behandlung einbeziehen: Die behandelnde Praxis sollte von der Phase erfahren, möglichst mit Zustimmung des Partners.
Verzeihen oder gehen?
Darauf gibt es keine richtige Antwort. Manchen hilft, das Geschehene als Teil der Erkrankung zu verstehen. Andere merken, dass das Vertrauen nicht zurückkommt. Beides ist in Ordnung. Hilfreich ist, die Entscheidung erst zu treffen, wenn die Phase abgeklungen ist und der Partner Verantwortung übernehmen kann: für das Geschehene und für die eigene Behandlung.
Wenn ein Neuanfang gelingen soll
Paare, die zusammenbleiben, profitieren von klaren Absprachen: Welche Frühwarnzeichen gibt es, und was geschieht, wenn sie auftreten? Die genannte Übersichtsarbeit beschreibt, dass sexuelles Interesse und Zufriedenheit in solchen Beziehungen mit den Stimmungsphasen schwanken. Eine Paarberatung kann helfen, darüber offen zu sprechen. Dass eine Manie auch zur Trennung führen kann, zeigt der Beitrag Bipolarer Partner trennt sich in der Manie.
Die eigene Kränkung versorgen
Eifersucht, Scham und Wut sind nachvollziehbare Reaktionen. Angehörigengruppen, eine eigene Beratung oder Psychotherapie bieten Raum dafür. Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, innere Unruhe und Grübeln zu verringern, als Unterstützung der eigenen Stabilität. Wer merkt, dass Gedanken an Selbstverletzung auftauchen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (Deutschland), Die Dargebotene Hand 143 (Schweiz).
Auch Angehörige brauchen Ruhe. Das Audio-Hypnose-Programm bei bipolarer Störung setzt auf Entspannung und einen ruhigeren Umgang mit Stress, Grübeln und innerer Unruhe. Es behandelt keine bipolare Störung und ersetzt keine ärztliche Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Ist Fremdgehen in der Manie Absicht?
Meist handelt es sich nicht um einen geplanten Vertrauensbruch, sondern um enthemmtes Verhalten in der Krankheitsphase. Das macht die Verletzung nicht kleiner, erklärt aber, warum es so wenig zum sonstigen Verhalten passen kann.
Muss ich Untreue in der Manie verzeihen?
Nein. Die Erkrankung kann das Verhalten erklären, eine Pflicht zum Verzeihen folgt daraus nicht. Sinnvoll ist, eine Entscheidung erst nach dem Abklingen der Phase zu treffen.
Sollte ich mich nach Untreue in der Manie testen lassen?
Wenn ungeschützter Kontakt möglich war, ja. Ein ärztlicher Test auf sexuell übertragbare Infektionen schafft Klarheit und schützt die eigene Gesundheit.
Kann eine Beziehung danach wieder funktionieren?
Manche Paare finden zurück, besonders wenn die Erkrankung konsequent behandelt wird und es Absprachen für künftige Phasen gibt. Andere trennen sich, weil das Vertrauen fehlt, und auch das ist eine legitime Entscheidung.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Kopeykina et al. (2016): Hypersexuality and couple relationships in bipolar disorder: A review, Journal of Affective Disorders 195
- American Psychiatric Association: DSM-5, Bipolar and Related Disorders
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).