Partner gibt in der Manie viel Geld aus: Was tun?
Hohe Ausgaben gehören zu den typischen Folgen einer Manie. Wie sich Angehörige jetzt schützen, was rechtlich gilt und welche Absprachen für künftige Phasen helfen.
Schützen, was sich schützen lässt
Gibt ein Partner in der Manie große Summen aus, hilft Streit über einzelne Käufe wenig. Wichtiger ist, die eigenen Finanzen abzusichern, Verträge und Belege zu sammeln, die behandelnde Praxis einzubeziehen und für künftige Phasen in stabilen Zeiten feste Absprachen zu treffen.
Warum Geld in der Manie so locker sitzt
Hemmungslose Kaufräusche und unüberlegte geschäftliche Investitionen nennt das Diagnosesystem DSM-5 ausdrücklich als Beispiele für riskantes Verhalten in einer Manie. Der Antrieb steigt, Pläne wirken genial, Bedenken verblassen. Was im Nachhinein absurd erscheint, fühlt sich in der Phase folgerichtig an. Mit Charakter hat das wenig zu tun. Oft gehen die Ausgaben mit weiteren Zeichen einher, etwa wenig Schlaf, schnellem Sprechen und vielen neuen Plänen.
Die Folgen wirken nach: Eine britische Studie mit 54 Menschen mit bipolarer Störung fand, dass ein geringeres finanzielles Wohlbefinden später mit mehr Angst und Stress einherging.
Was jetzt hilft
- Ruhig bleiben: Vorwürfe verstärken in der Manie oft die Gereiztheit. Besser kurz die eigene Sorge benennen.
- Eigene Finanzen sichern: eigene Karten und Zugangsdaten schützen, bei gemeinsamen Konten mit der Bank klären, welche Möglichkeiten es gibt.
- Belege sammeln: Verträge, Bestellungen und Daten notieren. Das hilft später bei Rückabwicklungen und Gesprächen mit Fachleuten.
- Behandlung ansprechen: Plötzlich hohe Ausgaben sind oft ein Frühwarnzeichen. Die behandelnde Praxis sollte davon erfahren.
Was rechtlich gilt (Deutschland)
In einer Ehe haftet grundsätzlich jeder für die eigenen Schulden. Ausnahmen gibt es etwa bei gemeinsam unterschriebenen Verträgen, Bürgschaften oder Geschäften zur angemessenen Deckung des Lebensbedarfs der Familie. Verträge, die in einem Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit geschlossen wurden, können unwirksam sein. Das muss allerdings belegt werden, oft mit ärztlicher Hilfe. Bei konkreten Fragen helfen Schuldnerberatungen, Verbraucherzentralen oder eine anwaltliche Beratung.
Vorsorge für die nächste Phase
In stabilen Zeiten lassen sich Absprachen treffen, die in einer Hochphase greifen: niedrigere Verfügungsrahmen, getrennte Konten für den Alltag, eine Vertrauensperson, die bei Frühwarnzeichen Karten verwahrt. Solche Regeln wirken am besten, wenn die betroffene Person sie selbst mitgestaltet. In schweren Fällen kann ein Betreuungsgericht eine rechtliche Betreuung für Vermögensfragen einrichten, bei Bedarf mit einem Einwilligungsvorbehalt.
Die eigene Belastung
Geldsorgen rauben vielen Angehörigen den Schlaf. Austausch mit anderen Angehörigen, Beratung und Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, wieder ruhiger zu werden. Schulden lösen sie nicht, und die Erkrankung behandeln sie nicht. Wie eine Manie auch die Beziehung selbst erschüttern kann, beschreibt der Beitrag Bipolarer Partner trennt sich in der Manie.
Auch Angehörige brauchen Entlastung. Das Audio-Hypnose-Programm bei bipolarer Störung setzt auf Entspannung und einen ruhigeren Umgang mit Stress, Sorgen und innerer Unruhe. Es behandelt keine bipolare Störung und ersetzt keine ärztliche Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Haftet man für Schulden des Partners aus der Manie?
In Deutschland haftet in einer Ehe grundsätzlich jeder für die eigenen Schulden. Anders ist es bei gemeinsam unterschriebenen Verträgen, Bürgschaften oder Geschäften zur angemessenen Deckung des Familienbedarfs.
Kann man Käufe aus der Manie rückgängig machen?
Manchmal. Verträge aus einem Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit können unwirksam sein, das muss aber nachgewiesen werden. Bei vielen Onlinekäufen gilt zudem ein Widerrufsrecht von 14 Tagen.
Darf ich meinem Partner die Karten wegnehmen?
Gegen den Willen eines erwachsenen Menschen in der Regel nicht. Sinnvoll sind Absprachen in stabilen Zeiten, etwa dass eine Vertrauensperson die Karten bei Frühwarnzeichen verwahrt.
Ist ein Kaufrausch immer ein Zeichen für Manie?
Nein. Auch Stress, Depression oder eine Kaufsucht können dahinterstecken. Bei bipolarer Störung sind plötzlich hohe Ausgaben zusammen mit wenig Schlaf und vielen Plänen aber ein typisches Warnzeichen.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- American Psychiatric Association: DSM-5, Bipolar and Related Disorders
- Richardson, Jansen & Fitch (2018): Financial difficulties in bipolar disorder part 1: longitudinal relationships with mental health, Journal of Mental Health 27(6)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).