Wie gehe ich mit einem Borderliner um?
Mitgefühl und klare Grenzen sind kein Widerspruch, sie gehören zusammen. Und wer einen Menschen mit Borderline begleitet, braucht selbst Unterstützung.
Die kurze Antwort
Gut mit einem Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung umzugehen heißt vor allem: Gefühle ernst nehmen, ohne jedes Verhalten hinzunehmen, verlässlich bleiben und dabei auf sich selbst achten. Die S3-Leitlinie empfiehlt Angehörigen eine empathische, nicht wertende Haltung, Zuhören und die Unterstützung von Selbstständigkeit. Gleichzeitig sollen Angehörige eingreifen, wenn die Sicherheit gefährdet ist.
Der Alltagsbegriff „Borderliner“ reduziert einen Menschen leicht auf seine Diagnose. Gemeint ist hier ein Mensch mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, der mehr ist als seine Symptome.
Validieren: Gefühle anerkennen, nicht zustimmen
Aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) stammt das Prinzip der Validierung. Gemeint ist, das Gefühl des anderen als nachvollziehbar anzuerkennen, ohne dem Inhalt oder dem Verhalten zuzustimmen. Statt „Das ist doch übertrieben“ etwa: „Ich merke, dass dich das gerade sehr verletzt.“ Das nimmt oft Druck aus der Situation. Sachfragen lassen sich später klären, wenn beide ruhiger sind.
Grenzen setzen, ohne zu bestrafen
Grenzen schützen die Beziehung. Hilfreich ist, sie in einer ruhigen Phase klar und konkret zu benennen, etwa: „Wenn du mich anschreist, beende ich das Gespräch und wir reden in einer Stunde weiter.“ Entscheidend ist, die angekündigte Folge dann ruhig und ohne Vorwürfe umzusetzen. Wechselnde Regeln oder Drohungen im Streit erhöhen eher die Anspannung auf beiden Seiten.
Begleiten statt behandeln
Angehörige können viel tragen, aber keine Therapie ersetzen. Wirksam sind störungsspezifische Psychotherapien, am besten untersucht sind die DBT und die Mentalisierungsbasierte Therapie. Hilfreich ist, zur Behandlung zu ermutigen und eigene Entscheidungen der betroffenen Person zu respektieren, wie es auch die Leitlinie empfiehlt.
Wenn es um Selbstverletzung oder Suizid geht
Äußerungen über Suizid immer ernst nehmen und offen nachfragen. Die Leitlinie empfiehlt, Angehörige mit Zustimmung der betroffenen Person in einen Krisenplan einzubinden, der gemeinsam mit den Behandelnden entsteht. Darin steht, wer in welcher Situation was tut. Bei akuter Gefahr gilt: Notruf 112. Die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) und Die Dargebotene Hand (143) sind rund um die Uhr erreichbar, auch für Angehörige.
Auf sich selbst achten
Angehörige von Menschen mit Borderline sind laut Leitlinie oft erheblich belastet, im Vergleich sogar stärker als Angehörige von Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen. Sie sollten deshalb eigene professionelle Hilfe erhalten. Empfohlen werden spezielle Familienprogramme, Selbsthilfeangebote und der Borderline-Trialog.
Ein Beispiel ist das Programm Family Connections, das auf der DBT beruht und in zwölf Wochen Wissen, Bewältigungsstrategien und Austausch vermittelt. In einer ersten Studie ohne Kontrollgruppe nahmen Belastung und Trauer der Teilnehmenden deutlich ab.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können Angehörigen helfen, die eigene Anspannung zu senken. Sie ersetzen weder Beratung noch Therapie.
Bei Borderline ist störungsspezifische Psychotherapie die Behandlung der Wahl. Das Audio-Hypnose-Programm kann ergänzend bei innerer Anspannung unterstützen, für Betroffene in ruhigen Phasen ebenso wie für belastete Angehörige, nicht in akuten Krisen und nicht als Ersatz für Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Wie reagiere ich, wenn mein Partner mit Borderline wütend wird?
Ruhig bleiben, das Gefühl benennen und keine Grundsatzdiskussion beginnen. Wird es verletzend, hilft eine vorher vereinbarte Pause. Das Gespräch lässt sich später fortsetzen, wenn beide ruhiger sind.
Darf ich einem Menschen mit Borderline Grenzen setzen?
Ja, Grenzen sind sogar wichtig, für beide Seiten. Sie wirken am besten, wenn sie in ruhigen Momenten klar angekündigt und dann ohne Vorwürfe eingehalten werden.
Sollte ich Suiziddrohungen ernst nehmen?
Ja, immer. Offen nachfragen, nicht allein lassen und bei akuter Gefahr den Notruf 112 wählen. Ein gemeinsam mit den Behandelnden erstellter Krisenplan gibt allen Beteiligten Orientierung.
Wo finden Angehörige Unterstützung?
In Angehörigengruppen, bei Selbsthilfeangeboten, im Borderline-Trialog und in psychotherapeutischer Beratung. Die S3-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, dass Angehörige eigene professionelle Hilfsangebote erhalten.
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Quellen (Auswahl)
- DGPPN: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, AWMF 038-015
- Hoffman et al. (2005): Family connections: a program for relatives of persons with borderline personality disorder, Family Process 44(2)
- Linehan (1993): Cognitive-Behavioral Treatment of Borderline Personality Disorder, Guilford Press
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).