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Borderline · Angehörige
Hilfe für Sie selbst: Hypnose bei Angst und innerer Unruhe →

Warum stoßen Borderliner nahe Menschen plötzlich weg?

Eben war alles gut, dann kippt es in Ablehnung. Von außen wirkt das willkürlich, es folgt aber einem beschreibbaren Muster, und das macht es leichter auszuhalten.

Stand: Redaktioneller Beitrag · quellenbasiert Redaktionell geprüft
VerlassenheitsangstKernmerkmal
Spaltungalles oder nichts
DBTwirksam belegt
0800 111 0 111Telefonseelsorge

Was hinter dem plötzlichen Umschwung steckt

In manchen engen Beziehungen mit einem Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung kann Nähe plötzlich in Rückzug, Vorwürfe oder Ablehnung umschlagen. Das kann mit intensiver Verlustangst und Schwierigkeiten der Emotionsregulation zusammenhängen. Nicht jeder Betroffene erlebt oder zeigt dasselbe Muster.

Von außen wirkt das willkürlich. Es ist es nicht. Der Umschwung folgt einem Muster, das sich beschreiben lässt, und das hilft, ihn weniger persönlich zu nehmen.

Vorweg: „Hassen" ist selten das, was tatsächlich passiert. Was so aussieht, ist meist ein Schutzmechanismus gegen eine als unerträglich erlebte Angst.

Alle Anzeichen, Ursachen und Behandlungswege der Störung im Überblick: Borderline verstehen: Symptome, Ursachen, Therapie.

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Die drei Mechanismen

Verlassenheitsangst

Die intensive Angst vor dem Verlassenwerden gehört zu den Kernmerkmalen der Störung. Sie wird durch Auslöser aktiviert, die von außen harmlos wirken: eine spätere Antwort als sonst, ein knapper Tonfall, eine abgesagte Verabredung, ein Wochenende ohne Kontakt.

Wenn diese Angst hochschießt, greift ein Vorwegnehmen: Bevor der andere geht, wird er weggestoßen. Die Zurückweisung selbst zu steuern fühlt sich erträglicher an, als sie zu erwarten.

Spaltung, alles oder nichts

Ein zentrales Merkmal ist die Schwierigkeit, widersprüchliche Anteile einer Person gleichzeitig zu halten. Ein Mensch kann nicht gleichzeitig verlässlich und enttäuschend sein, er ist entweder das eine oder das andere.

Deshalb kann eine einzelne Enttäuschung ein ganzes Bild umkippen. Nicht „du hast mich heute enttäuscht", sondern „du warst nie da". Ob ein bestimmtes Verhalten aus Überforderung entsteht oder andere Gründe hat, lässt sich im Einzelfall nicht aus einer Diagnose ableiten.

Die Emotionsregulation

Menschen mit dieser Störung reagieren schneller und stärker auf emotionale Reize und brauchen deutlich länger, um zum Ausgangsniveau zurückzukehren. Das ist gut untersucht und keine Frage des Willens.

In diesem Zustand hoher Erregung ist die Fähigkeit, Situationen differenziert einzuordnen, vorübergehend eingeschränkt. Deshalb wirken Erklärungsversuche mitten im Konflikt oft wirkungslos.

Silhouette einer Person in Meditation

Warum gerade nahe Menschen betroffen sind

Besonders nahe Beziehungen können starke Verlustängste auslösen. Das Muster kann aber unterschiedlich aussehen und betrifft nicht zwangsläufig jede Beziehung. Der Grund: Nur wo Nähe besteht, besteht auch die Möglichkeit, verlassen zu werden. Je wichtiger jemand ist, desto stärker wird die Angst und desto heftiger der Schutzmechanismus.

Das ist ein schwer auszuhaltender Zusammenhang: Die Härte trifft denjenigen, der am wichtigsten ist.

Was Angehörigen hilft

Nicht in der Eskalation diskutieren

Im Zustand hoher Erregung führt Argumentieren meist zu weiterer Eskalation. Hilfreicher ist, die Situation zu verlangsamen und Sachthemen auf später zu verschieben.

Verlässlich bleiben, ohne grenzenlos zu sein

Beides gehört zusammen. Vorhersehbarkeit reduziert die Angst. Gleichzeitig sind eigene Grenzen notwendig, nicht als Strafe, sondern weil Angehörige sonst selbst erschöpfen. Die Kombination aus Zuverlässigkeit und klaren Grenzen ist das, was in der Angehörigenarbeit vermittelt wird.

Es nicht als Urteil über sich lesen

Vorwürfe können mit einem belasteten inneren Zustand zusammenhängen. Daraus folgt nicht, dass jede Kritik bedeutungslos ist oder Grenzverletzungen hingenommen werden müssen. Das zu wissen, macht sie nicht harmlos, aber es hilft, sie nicht als Wahrheit über die eigene Person zu übernehmen.

Eigene Unterstützung suchen

Angehörige sind erheblich belastet. Angehörigengruppen, Beratung oder eigene therapeutische Begleitung können entlasten. Welche Unterstützung passt, hängt von der persönlichen Situation ab.

Ist die Beziehung bereits zerbrochen und erleben Sie plötzlich nur noch Abwertung, erklärt der Ratgeber Warum hassen Borderliner ihren Ex?, was hinter dem Umschwung steckt. Und weil starke Stimmungswechsel oft mit einer bipolaren Störung verwechselt werden, lesen Sie auch Bipolar oder Borderline: Der Unterschied.

Was bei der Störung selbst wirkt

Für die Borderline-Persönlichkeitsstörung gibt es wirksame Psychotherapieverfahren, unter anderem die Dialektisch-Behaviorale Therapie, die Mentalisierungsbasierte Therapie und die Schematherapie. Die Prognose ist deutlich besser, als oft angenommen wird: Ein großer Teil der Betroffenen erfüllt nach einigen Jahren die Kriterien nicht mehr.

Bei Suizidgedanken: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr und kostenfrei. Im Notfall 112.

Wo Entspannungsverfahren ansetzen

Sie ersetzen keine Psychotherapie, die ist bei dieser Störung die Behandlung der Wahl. Ergänzend können sie bei Anspannung und innerer Unruhe helfen, sowohl bei Betroffenen als auch bei Angehörigen.

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Ihre eigene Belastung ernst nehmen

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Häufige Fragen

Hassen Menschen mit Borderline einen wirklich plötzlich?

Meist nicht. Was so aussieht, ist ein Schutzmechanismus: Bei aktivierter Verlassenheitsangst wird der andere weggestoßen, bevor er selbst gehen kann.

Warum kippt die Wahrnehmung so vollständig?

Durch die sogenannte Spaltung. Widersprüchliche Anteile einer Person lassen sich schwer gleichzeitig halten, deshalb kann eine Enttäuschung das ganze Bild umkippen.

Warum trifft es immer die nächsten Menschen?

Weil nur bei Nähe die Möglichkeit besteht, verlassen zu werden. Je wichtiger jemand ist, desto stärker die Angst und desto heftiger die Reaktion.

Was hilft Angehörigen konkret?

In der Eskalation nicht diskutieren, verlässlich bleiben und zugleich eigene Grenzen wahren, die Vorwürfe nicht als Urteil übernehmen und sich eigene Unterstützung suchen.

Was sind typische Anzeichen für Borderline?

Das Diagnosesystem DSM-5 nennt neun Kriterien, von denen mindestens fünf erfüllt sein müssen: starke Verlassenheitsangst, instabile und intensive Beziehungen, ein schwankendes Selbstbild, schädliche Impulsivität, wiederholte Selbstverletzung oder Suizidgedanken, heftige Stimmungsschwankungen, chronische innere Leere, unangemessen starke Wut sowie unter Stress vorübergehendes Misstrauen oder Gefühle der Unwirklichkeit. Die Diagnose stellen nur Fachleute.

Woher kommt Borderline?

Nach dem verbreiteten biosozialen Modell entsteht die Störung aus dem Zusammenspiel einer angeborenen, erhöhten emotionalen Empfindlichkeit und einem Umfeld, in dem Gefühle als falsch oder übertrieben abgewertet wurden. Belastende oder traumatische Erfahrungen in der Kindheit sind häufig, aber nicht bei allen Betroffenen vorhanden. Eine einzelne Ursache gibt es nicht.

Ist Borderline heilbar?

Borderline ist gut behandelbar, und die Aussichten sind besser als oft angenommen. In einer Langzeitstudie über 16 Jahre erreichte der Großteil der Betroffenen eine anhaltende Besserung der Symptome. Spezialisierte Psychotherapien wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie helfen dabei nachweislich.

Wie zeigt sich Borderline bei Männern?

Borderline wird bei Frauen deutlich häufiger diagnostiziert, laut Leitlinie in etwa drei Viertel der Fälle, möglicherweise ist die Störung bei Männern aber ähnlich verbreitet. Bei Männern stehen häufiger nach außen gerichtete Wut, impulsives Verhalten und Suchtmittelkonsum im Vordergrund, weshalb die Störung leichter übersehen wird.

Kann man mit Borderline ein normales Leben führen?

Ja. Viele Betroffene arbeiten, leben in Partnerschaften und haben Familie. Mit Behandlung lernen sie, starke Gefühle besser zu regulieren, und die Beschwerden nehmen bei den meisten im Lauf der Jahre deutlich ab.

Was ist Borderline?

Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der Gefühle sehr intensiv und schwer steuerbar sind. Typisch sind Verlassenheitsangst, ein schwankendes Selbstbild, instabile Beziehungen und impulsives Verhalten. Mit Psychotherapie bessern sich die Beschwerden bei den meisten Betroffenen deutlich.

Sind Menschen mit Borderline manipulativ?

Was von außen wie Manipulation wirkt, ist meist kein kühl geplantes Verhalten, sondern ein Versuch, mit starker Angst und innerer Not umzugehen. Betroffene wollen Nähe sichern oder Schmerz abwenden, nicht gezielt schaden. Diese Sicht nimmt Druck aus Konflikten.

Was passiert, wenn man einen Borderliner ignoriert?

Ignorieren oder Funkstille lösen die Verlassenheitsangst oft erst recht aus und können die Anspannung verstärken. Hilfreicher ist, ruhig und verlässlich zu bleiben, Grenzen freundlich zu benennen und in der Eskalation nicht zu diskutieren. Bei Hinweisen auf Selbstgefährdung sollte man Hilfe einbeziehen.

Ist Borderline gefährlich?

Für andere sind Menschen mit Borderline in aller Regel nicht gefährlich. Die größte Gefahr richtet sich gegen sie selbst, etwa durch Selbstverletzung oder Suizidgedanken. Deshalb sind eine frühe Behandlung und bei akuter Krise sofortige Hilfe wichtig, zum Beispiel über die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Ist Borderline vererbbar?

Eine genetische Veranlagung kann zum Risiko beitragen, zusammen mit weiteren biologischen und Umweltfaktoren. Daraus folgt nicht, dass Kinder einer betroffenen Person zwangsläufig erkranken. Eine Diagnose stellen Fachleute.

Unibee-Redaktion

Redaktioneller Beitrag auf Basis veröffentlichter Fachliteratur (siehe Quellen). Die genannten Audio-Hypnose-Programme sind methodisch konzipiert von Ingo Michael Simon, Diplom-Pädagoge (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie, Hypnosetherapeut, über 30 Jahre Praxiserfahrung.

Quellen (Auswahl)

  • DGPPN: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, AWMF 038-015
  • Gunderson et al.: Borderline personality disorder, Nature Reviews Disease Primers
  • Zanarini et al. (2012): Attainment and stability of sustained symptomatic remission and recovery among patients with borderline personality disorder: a 16-year prospective follow-up study, American Journal of Psychiatry 169(5)

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).