Was hilft bei Migräne sofort?
Bei einer Migräneattacke zählt der Zeitpunkt. Das richtige Mittel, früh genommen, und ein ruhiger, dunkler Raum sind die wichtigsten Soforthilfen.
Die kurze Antwort
Am schnellsten hilft ein passendes Akutmedikament, möglichst früh in der Kopfschmerzphase genommen. Leichte bis mittelstarke Attacken sollten laut Leitlinie zunächst mit Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder der Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein behandelt werden. Reicht das nicht, sind bei mittelschweren bis schweren Attacken Triptane die erste Wahl. Rückzug, Ruhe und Kühlen unterstützen.
Früh nehmen, richtig wählen
Alle Akutmittel, auch Triptane, wirken besser, wenn sie früh in der Attacke eingenommen werden. Wer abwartet, ob es „wirklich eine Migräne wird“, verschenkt Wirkung. Hilft ein Triptan nicht, sollte ein anderes versucht werden. Die feste Kombination aus Sumatriptan und Naproxen wirkt besser als jedes der beiden Mittel allein.
Eine große Netzwerk-Metaanalyse mit 137 Studien und fast 90.000 Teilnehmenden verglich die Akutmittel. Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan schnitten für Schmerzfreiheit nach zwei Stunden am besten ab. Gegen Übelkeit helfen zusätzlich Mittel gegen Erbrechen. Opioide sollen bei Migräne nicht eingesetzt werden.
Die 10-Tage-Regel
Zu häufige Einnahme kann selbst Kopfschmerzen auslösen. Bei Triptanen und Kombinationspräparaten liegt die Schwelle bei 10 Einnahmetagen im Monat, bei einfachen Schmerzmitteln bei 15. Als Faustregel gilt: Akutmittel an weniger als 10 Tagen im Monat und nicht mehr als drei Tage hintereinander. Wer öfter etwas braucht, sollte ärztlich über eine Vorbeugung sprechen.
Was ohne Tablette hilft
- Rückzug in einen ruhigen, abgedunkelten Raum und wenn möglich schlafen
- Stirn und Schläfen kühlen, etwa mit einem Kühlpack
- Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen
- ausreichend trinken, frische Luft
Die Leitlinie nennt diese Maßnahmen etwa für Kinder und für die Schwangerschaft. Bei Erwachsenen lassen sie sich mit Medikamenten kombinieren. Wirksam sind außerdem Geräte zur Nervenstimulation, etwa über eine Elektrode an der Stirn oder am Oberarm. Als psychologisches Verfahren für den akuten Anfall empfiehlt die Leitlinie ein spezielles Biofeedback-Training, das im schmerzfreien Intervall erlernt wird.
Entspannung: vor allem vorbeugend
Zur Vorbeugung empfiehlt die Leitlinie Entspannungsverfahren und zählt Hypnose ausdrücklich dazu. Regelmäßig geübt, senkten solche Verfahren die Migränehäufigkeit im Mittel um 35 bis 45 Prozent, untersucht wurde dabei meist die progressive Muskelentspannung. Sie können statt oder zusammen mit vorbeugenden Medikamenten eingesetzt werden. Manche Betroffene berichten zudem, dass sie eine langsam beginnende Attacke damit abfangen können. In einer kleinen Studie mit 40 Teilnehmenden verkürzten Hypnose-Audiodateien im Vergleich zu einer Wartegruppe unter anderem die Dauer der Attacken.
Wann sofort ärztliche Hilfe nötig ist
Ein schlagartig einsetzender, extrem heftiger Kopfschmerz, Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, die nicht vollständig abklingen, Fieber mit Nackensteife oder Kopfschmerzen nach einem Sturz sind ein Notfall: Notruf 112. Auch eine erstmals auftretende oder deutlich veränderte Attacke gehört ärztlich abgeklärt.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Migräne setzt auf regelmäßige Tiefenentspannung, ergänzend zur ärztlichen Behandlung und zu den vorbeugenden Verfahren der Leitlinie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Migräne → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
Was ist das wirksamste Mittel bei einer Migräneattacke?
Bei mittelschweren bis schweren Attacken sind Triptane die erste Wahl, in einer großen Vergleichsanalyse schnitten Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan am besten ab. Wegen ihrer gefäßverengenden Wirkung sind sie nicht für alle geeignet, etwa bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wann sollte man das Migränemittel nehmen?
Möglichst früh in der Kopfschmerzphase. Die Leitlinie hält fest, dass Akutmittel einschließlich der Triptane dann besser wirken als später im Verlauf.
Wie oft darf man Migränemittel nehmen?
Als Faustregel an weniger als 10 Tagen im Monat und nicht mehr als drei Tage in Folge. Sonst droht ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch, und eine Vorbeugung sollte besprochen werden.
Hilft Kälte oder Wärme bei Migräne?
Beides kann helfen: Die Leitlinie nennt, etwa bei Kindern, das Kühlen von Stirn und Schläfen ebenso wie ein Wärmekissen im Nacken. Was angenehmer ist, ist individuell verschieden.
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Quellen (Auswahl)
- DGN/DMKG: S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, AWMF 030-057 (2025)
- Karlsson et al. (2024): Comparative effects of drug interventions for the acute management of migraine episodes in adults: systematic review and network meta-analysis, BMJ 386
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).