Migräne im Winter: Warum die Attacken häufiger werden können
Eine feste Winterregel gibt es nicht, manche haben sogar im Sommer mehr Migräne. Im Winter häufen sich aber bekannte Auslöser wie verschobener Schlaf, Stress zum Jahresende, ausgelassene Mahlzeiten und Wetterwechsel.
Die kurze Antwort
Manche Menschen haben im Winter mehr Migräneattacken, andere eher im Sommer. Eine feste Winterregel gibt es nicht: In Studien aus Nordnorwegen berichteten Betroffene mit Aura sogar häufiger über mehr Attacken in der hellen Jahreszeit. Im Winter kommen aber oft mehrere bekannte Auslöser zusammen, etwa unregelmäßiger Schlaf, Stress zum Jahresende, ausgelassene Mahlzeiten und Wetterwechsel.
Was Studien zur Jahreszeit zeigen
Alstadhaug und Kollegen (2005) befragten 169 Frauen mit Migräne im arktischen Norwegen. 63 Prozent bemerkten eine jahreszeitliche Schwankung. Von den Frauen mit Aura hatten 47 Prozent mehr Attacken in der hellen Jahreszeit, ohne Aura nur 17 Prozent. Auf Spitzbergen fanden Lilleng und Bekkelund (2009) ein ausgeglichenes Bild: 12 Prozent der Betroffenen hatten im Sommerlicht mehr Migräne, 10 Prozent in der dunklen Zeit. Wer im Winter mehr Attacken hat, ist also keine Ausnahme, aber auch nicht die Regel.
Typische Auslöser im Winter
Kelman (2007) befragte 1.207 Menschen mit Migräne nach ihren Auslösern. Am häufigsten genannt wurden Stress (80 Prozent), ausgelassene Mahlzeiten (57 Prozent), Wetter (53 Prozent), gestörter Schlaf (50 Prozent), Licht (38 Prozent), Alkohol (38 Prozent) und langes Ausschlafen (32 Prozent). Viele davon häufen sich im Dezember: volle Terminkalender, späte Abende, Feiertage mit verschobenem Schlaf und mehr Alkohol. Dunkle Morgen machen es schwerer, zur gewohnten Zeit aufzustehen. Für Kälte oder trockene Heizungsluft als eigenständige Auslöser gibt es kaum gute Studien. Um Luftdruck und Temperaturstürze geht es in Migräne bei Wetterwechsel.
Was im Winter konkret hilft
- Kopfschmerzkalender führen: Über einige Wochen Attacken, Schlaf, Mahlzeiten und Wetter notieren. So zeigt sich, ob der Winter selbst oder bestimmte Gewohnheiten dahinterstehen.
- Schlafzeiten halten: Auch an Feiertagen und Wochenenden ungefähr zur gleichen Zeit aufstehen, statt lange auszuschlafen. Ein Wecker auch am Wochenende wirkt unbequem, hält den Rhythmus aber stabil.
- Regelmäßig essen und trinken: Bei Weihnachtsfeiern und Einkaufstouren keine Mahlzeit ausfallen lassen.
- Licht bewusst steuern: Wer lichtempfindlich ist, kann bei tief stehender Sonne oder Schnee eine Sonnenbrille tragen.
- Akutmittel früh, aber begrenzt nehmen: Schmerz- und Migränemittel an höchstens zehn Tagen im Monat, sonst droht ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch.
Wann ärztlicher Rat nötig ist
Plötzlich einsetzende, nie gekannte Kopfschmerzen, Kopfschmerzen mit Fieber und Nackensteife, Lähmungen oder Sprachstörungen sind ein Notfall (112). Haben im Winter mehrere Menschen im Haushalt gleichzeitig Kopfschmerzen, die draußen nachlassen, kann eine defekte Heizung oder Gastherme Kohlenmonoxid freisetzen: Fenster öffnen, Wohnung verlassen, 112 rufen. Bei drei oder mehr Attacken im Monat lohnt ein Gespräch über eine Vorbeugung.
Wer im Winter Anspannung und Stress als Auslöser bei sich erkennt, kann mit dem Audio-Programm bei Migräne üben, regelmäßig zur Ruhe zu kommen: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon geschrieben und professionell eingesprochen, ohne KI. Am meisten Spielraum bietet das Jahresabo mit allen 115 Programmen, etwa zusammen mit Stress und Schlafstörungen. Begleitend gedacht, für Migräne im Winter wissenschaftlich nicht belegt und kein Ersatz für ärztliche Behandlung.
Häufige Fragen
Warum habe ich im Winter mehr Migräne als im Sommer?
Häufig liegt es weniger an der Jahreszeit selbst als an dem, was sie mit sich bringt: verschobener Schlaf, Stress vor den Feiertagen, späte Abende und Wetterwechsel. In Studien schwankte die Migräne bei einem Teil der Betroffenen mit der Jahreszeit, aber in beide Richtungen. Ein Kopfschmerzkalender über den Winter zeigt das eigene Muster am zuverlässigsten.
Kann Kälte allein eine Migräne auslösen?
Dafür gibt es keine guten Belege. Manche Menschen berichten, dass eisiger Wind am Kopf oder ein Temperatursturz eine Attacke einleitet. Wer das bei sich beobachtet, kann es mit Mütze und Schal ausprobieren und im Kalender festhalten.
Löst Heizungsluft Migräne aus?
Trockene Heizungsluft ist als Migräneauslöser kaum untersucht. Überheizte, schlecht gelüftete Räume und zu wenig Trinken werden aber oft als unangenehm empfunden. Regelmäßiges Lüften und eine gefüllte Wasserflasche in Reichweite schaden nicht.
Warum bekomme ich an den Weihnachtsfeiertagen Migräne?
An Feiertagen kommen viele bekannte Auslöser zusammen: langes Ausschlafen, unregelmäßige Mahlzeiten, mehr Alkohol und die Anspannung der Wochen davor. Hilfreich ist, auch an freien Tagen zur gewohnten Zeit aufzustehen und früh zu frühstücken. Ein ruhiger Puffer vor den Festtagen entlastet zusätzlich.
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Quellen (Auswahl)
- Alstadhaug, Salvesen & Bekkelund (2005): Seasonal variation in migraine, Cephalalgia 25(10) Quelle lesen →
- Lilleng & Bekkelund (2009): Seasonal variation of migraine in an Arctic population, Headache 49(5) Quelle lesen →
- Kelman (2007): The triggers or precipitants of the acute migraine attack, Cephalalgia 27(5) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).