Migräne morgens beim Aufwachen: Warum gerade dann?
Viele Attacken beginnen in den frühen Morgenstunden. Innere Uhr, Schlaf und Kaffeegewohnheiten spielen dabei zusammen.
Die kurze Antwort
Viele Migräneattacken beginnen in den frühen Morgenstunden, sodass man mit dem Schmerz bereits aufwacht. Fachleute vermuten, dass die innere Uhr daran beteiligt ist. Dazu kommen Auslöser aus der Nacht: zu wenig oder ungewohnt langer Schlaf, ein verspäteter Kaffee am Wochenende oder häufig eingenommene Schmerzmittel. Kopfschmerz an fast jedem Morgen sollte außerdem an eine Schlafapnoe denken lassen.
Warum Attacken so oft morgens beginnen
In einer niederländischen Befragung von 2.389 Menschen mit Migräne gaben rund 40 Prozent an, dass ihre Attacken meist am frühen Morgen beginnen. Eine systematische Übersicht von 2021 kam zu einem ähnlichen Bild: Die meisten Studien fanden den häufigsten Beginn zwischen 6 und 12 Uhr. Die Fachleute sehen darin einen Hinweis, dass die innere Uhr bei der Entstehung mitspielt.
In der niederländischen Studie kamen Menschen mit Migräne zudem schlechter mit Verschiebungen ihres Tagesrhythmus zurecht als Menschen ohne Kopfschmerzen. Ein unregelmäßiger Schlaf ist deshalb ein naheliegender Verstärker.
Typische Auslöser aus der Nacht
Ausschlafen und Schlafmangel
Sowohl eine kurze Nacht als auch deutlich längeres Schlafen als gewohnt werden von Betroffenen oft als Auslöser beschrieben. Wer am Wochenende später aufsteht, verschiebt zugleich Mahlzeiten und den ersten Kaffee.
Koffeinentzug
Wer täglich mehr als etwa 200 Milligramm Koffein zu sich nimmt, das sind ungefähr zwei Tassen Filterkaffee, kann einen Entzugskopfschmerz bekommen, wenn die gewohnte Menge ausbleibt oder sich verzögert. Laut internationaler Kopfschmerzklassifikation beginnt er innerhalb von 24 Stunden nach der letzten Einnahme. Eine Übersichtsarbeit nennt veränderte Kaffeegewohnheiten als mögliche Erklärung dafür, dass Attacken in mehreren Studien gehäuft samstags auftraten.
Häufige Schmerzmittel
Wer über Monate an vielen Tagen Schmerz- oder Migränemittel nimmt, kann einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entwickeln, der oft schon beim Aufwachen da ist. Die Klassifikation setzt die Grenze je nach Mittel bei 10 oder 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate.
Schlafapnoe
Atemaussetzer in der Nacht können einen Kopfschmerz beim Aufwachen auslösen. Er ist oft beidseitig und drückend, ohne die typische Übelkeit der Migräne, und klingt meist innerhalb von vier Stunden ab. Lautes Schnarchen, beobachtete Atempausen und Tagesmüdigkeit sprechen dafür. Andere Gründe für morgendliche Kopfschmerzen beschreibt ein eigener Beitrag.
Was am Morgen helfen kann
- Feste Schlafens- und Aufstehzeiten, auch am Wochenende, mit möglichst wenig Abweichung.
- Koffein gleichmäßig über die Woche verteilen, am freien Tag nicht deutlich später als sonst.
- Das ärztlich verordnete Akutmittel griffbereit am Bett, damit es früh genommen werden kann.
- Ein Kopfschmerztagebuch mit Schlafzeiten, Kaffee und Medikamenten führen.
Wann ärztlich abklären
Neue Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr, Schmerzen, die über Wochen stetig zunehmen, oder Kopfschmerz mit Fieber, Nackensteife, Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen gehören zeitnah ärztlich untersucht. Ein plötzlicher, heftigster Kopfschmerz ist ein Notfall (112). Bei häufigen Attacken lohnt das Gespräch über eine vorbeugende Behandlung. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, sie ersetzen keine Therapie.
Das Audio-Programm bei Migräne kann helfen, abends und morgens zur Ruhe zu kommen und Anspannung als möglichen Verstärker zu lösen: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar. Es ist auch im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten. Begleitend gedacht, kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Warum wache ich mit Migräne auf, obwohl ich gut geschlafen habe?
Eine Attacke kann schon in den frühen Morgenstunden beginnen, noch während man schläft. Studien sprechen dafür, dass die innere Uhr dabei eine Rolle spielt. Ein guter Schlaf schützt deshalb nicht in jedem Fall vor einer Attacke am Morgen.
Hilft Kaffee gegen Migräne am Morgen?
Koffein ist in manchen Kombinationspräparaten gegen Kopfschmerzen enthalten. Wer aber täglich viel Kaffee trinkt, riskiert Entzugskopfschmerzen, sobald die gewohnte Tasse später kommt. Eine gleichmäßige, eher moderate Menge ist deshalb meist günstiger als Kaffee als Gegenmittel.
Soll ich am Wochenende lieber nicht ausschlafen?
Viele Menschen mit Migräne vertragen einen gleichmäßigen Rhythmus besser. Wer am Wochenende länger liegen möchte, kann zur gewohnten Zeit aufstehen, etwas trinken und den Kaffee nehmen und sich danach noch einmal ausruhen.
Was tun, wenn die Attacke beim Aufwachen schon in vollem Gang ist?
Morgens ist die Attacke oft schon fortgeschritten, und Übelkeit erschwert das Schlucken von Tabletten. Manche Migränemittel gibt es auch als Nasenspray, Schmelztablette oder Zäpfchen. Welche Form passt, gehört in die ärztliche Beratung.
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Quellen (Auswahl)
- van Oosterhout et al. (2018): Chronotypes and circadian timing in migraine, Cephalalgia 38(4) Quelle lesen →
- Poulsen et al. (2021): The chronobiology of migraine: a systematic review, Journal of Headache and Pain 22 Quelle lesen →
- Headache Classification Committee of the IHS (2018): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3), Cephalalgia 38(1) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).