Warum zittere ich, wenn ich nervös bin?
Jeder Mensch zittert ein wenig, immer. Nervosität setzt Stresshormone frei, die dieses feine Zittern sichtbar machen. Das ist unangenehm, aber harmlos.
Die kurze Antwort
Jeder Mensch zittert, ständig und kaum sichtbar. Dieses feine Muskelzittern heißt physiologischer Tremor. In Aufregung schüttet der Körper Stresshormone wie Adrenalin aus, die das Zittern verstärken, bis Hände, Stimme oder Knie sichtbar beben. Fachleute sprechen dann von einem verstärkten physiologischen Tremor. Er ist harmlos und lässt nach, wenn die Aufregung abklingt.
Was im Körper passiert
Der Alarmmodus
Nervosität aktiviert das Stresssystem. Adrenalin bereitet den Körper auf Kampf oder Flucht vor: Herz und Atmung werden schneller, die Muskeln spannen sich an. Zugleich wirkt es direkt auf die Muskelfasern und verstärkt deren feines Schwingen. Das zeigt sich besonders in den Händen und bei ausgestreckten Armen.
Der Kreislauf der Beobachtung
Wer merkt, dass die Hände zittern, und befürchtet, andere könnten es sehen, wird noch nervöser. Das setzt weiteres Adrenalin frei, und das Zittern nimmt zu. Viele Menschen mit Lampenfieber oder sozialer Angst kennen diesen Kreislauf. Dabei bemerken andere das Zittern oft weniger, als man selbst befürchtet.
Was es zusätzlich verstärkt
Kaffee, Schlafmangel, Hunger, Kälte und Erschöpfung verstärken das Zittern ebenfalls. Vor einem wichtigen Termin summieren sich diese Faktoren oft: wenig geschlafen, nichts gegessen, dafür zwei Tassen Kaffee.
Was hilft
- langsam ausatmen: eine verlängerte Ausatmung dämpft das Stresssystem
- Arme abstützen: Hände auf den Tisch legen oder etwas fest halten, statt sie frei in der Luft zu halten
- Koffein reduzieren und vor wichtigen Terminen etwas essen
- vorher bewegen: ein kurzer, zügiger Spaziergang baut einen Teil der Anspannung ab
- das Zittern zulassen: wer es nicht verbergen will, nimmt dem Kreislauf die Energie
Entspannungsverfahren wie Hypnose lassen sich vorher einüben und können helfen, die Grundanspannung vor belastenden Situationen zu senken. Medikamente gehören in ärztliche Hand: Die Leitlinie empfiehlt Betablocker beim verstärkten physiologischen Tremor nicht allgemein, sondern nur im Einzelfall.
Wann Zittern abgeklärt werden sollte
Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie betont, dass die Ursache eines verstärkten Zitterns geklärt werden sollte. Ärztlich untersuchen lassen sollte man Zittern, das
- auch in Ruhe und ohne Aufregung besteht
- nur eine Körperseite betrifft oder langsam zunimmt
- mit verlangsamten Bewegungen, kleinerer Schrift oder Gangunsicherheit einhergeht
- zusammen mit Herzrasen, Schwitzen und Gewichtsverlust auftritt, was auf eine Schilddrüsenüberfunktion hindeuten kann
- mit neuen Medikamenten oder nach dem Weglassen von Alkohol beginnt
Hinter anhaltendem Zittern können etwa ein essenzieller Tremor oder eine Parkinson-Erkrankung stehen. Der essenzielle Tremor zeigt sich als Zittern beider Arme bei Bewegung und besteht nach der internationalen Einteilung seit mindestens drei Jahren.
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Ist Zittern bei Nervosität gefährlich?
Nein. Das Zittern in Aufregung ist eine normale Reaktion auf Stresshormone und klingt ab, wenn die Anspannung nachlässt. Abklärungsbedürftig ist Zittern, das auch in Ruhe auftritt, zunimmt oder nur eine Seite betrifft.
Warum zittere ich nach einem Schreck noch lange?
Stresshormone werden schnell ausgeschüttet, aber langsamer abgebaut. Deshalb kann das Zittern noch eine Weile anhalten, obwohl die Situation vorbei ist. Bewegung und ruhiges Ausatmen helfen, das Stresssystem herunterzufahren.
Warum zittert meine Stimme, wenn ich nervös bin?
Auch die Kehlkopf- und Atemmuskulatur reagiert auf Anspannung, dazu kommt oft eine flache, schnelle Atmung. Ein ruhiger Atemzug vor dem ersten Satz und ein langsameres Sprechtempo helfen vielen.
Helfen Betablocker gegen Zittern bei Aufregung?
Sie können das Zittern dämpfen, sind aber verschreibungspflichtig und nicht für alle geeignet, etwa bei Asthma. Die neurologische Leitlinie empfiehlt sie beim verstärkten physiologischen Tremor nicht allgemein, sondern nur im Einzelfall nach ärztlicher Prüfung.
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Quellen (Auswahl)
- DGN (2022): S2k-Leitlinie Tremor, AWMF 030-011
- Bhatia et al. (2018): Consensus Statement on the classification of tremors, from the task force on tremor of the International Parkinson and Movement Disorder Society, Movement Disorders 33(1)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).