Was hilft bei Angst beim Autofahren?
Schweißnasse Hände auf der Autobahn, Herzklopfen vor der Brücke, und irgendwann fährt man nur noch mit. Angst beim Autofahren ist gut behandelbar, mit einem Weg, der zunächst unbequem klingt.
Die kurze Antwort
Am besten hilft, was sich zunächst falsch anfühlt: wieder fahren, schrittweise, geplant und jedes Mal so lange, bis die Angst von selbst nachlässt. Diese Expositionstherapie ist der Kern der kognitiven Verhaltenstherapie. Die deutsche S3-Leitlinie zu Angststörungen empfiehlt sie bei spezifischen Phobien mit dem höchsten Empfehlungsgrad. Vermeiden bringt dagegen kurzfristig Erleichterung und macht die Angst auf Dauer größer.
Welche Angst steckt dahinter?
Angst nach einem Unfall
In einer britischen Studie mit Unfallverletzten aus einer Notaufnahme berichtete etwa ein Drittel auch ein Jahr später von psychischen Folgen, darunter Angst beim Fahren oder Mitfahren, Posttraumatische Belastungsstörung und Depression. Drängen sich Bilder des Unfalls auf oder kommen Albträume hinzu, ist eine traumatherapeutische Behandlung der richtige Weg.
Angst ohne Unfall
Viele Betroffene hatten nie einen Unfall. Eine neuseeländische Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass Fahrangst ohne Unfall genauso stark sein kann. Oft geht es dann weniger um die Straße als um die eigene Reaktion: die Angst, auf der Autobahn, im Tunnel oder im Stau eine Panikattacke zu bekommen und nicht anhalten zu können. Das ähnelt dem Muster einer Agoraphobie.
Angst vor Fehlern
Manche fürchten vor allem, zu versagen oder von anderen bewertet zu werden. In einer Studie mit praktischer Fahrprobe machten ängstliche Fahrerinnen mehr Fehler als Vergleichspersonen, aber dieselben Arten von Fehlern. Angst und fehlende Routine können sich also gegenseitig verstärken.
Was konkret hilft
- Stufenplan: Strecken nach Schwierigkeit ordnen und mit der leichtesten beginnen, etwa Nebenstraße, dann Landstraße, dann Autobahn zu ruhigen Zeiten
- dranbleiben: nicht beim ersten Angstanstieg umkehren, sondern abwarten, bis die Angst sinkt
- regelmäßig üben: mehrmals pro Woche statt einmal im Monat
- Angst zulassen: Herzklopfen und feuchte Hände sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Wer sie kommen und gehen lässt, erlebt, dass sie von selbst abklingen.
- Sicherheitsverhalten abbauen: nur mit Beifahrer, nur rechte Spur, nie ohne Tablette: solche Stützen nach und nach weglassen
- Fahrstunden: Einige Fahrschulen bieten Stunden für Menschen mit Fahrangst an, die Routine zurückgeben.
Beruhigungsmittel und Alkohol sind keine Lösung, weil sie die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Treten beim Fahren Schwindel, Sehstörungen oder Benommenheit auf, sollte zuerst eine körperliche Ursache ärztlich ausgeschlossen werden.
Therapie und Hypnose
Bei starker Angst gelingt die Konfrontation am besten mit therapeutischer Begleitung. In den Studien, auf die sich die Leitlinie stützt, umfasste die Behandlung spezifischer Phobien oft nur ein bis fünf Sitzungen. Hypnose kann helfen, die Grundanspannung zu senken und sich auf das Üben einzustimmen. Studien speziell zu Hypnose bei Fahrangst gibt es jedoch kaum. Sie ist deshalb eine Ergänzung, kein Ersatz für die Expositionsbehandlung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Angst und innerer Unruhe unterstützt dabei, die Grundanspannung zu senken und sich ruhiger auf das Üben einzulassen. Als Ergänzung, nicht als Ersatz für eine Verhaltenstherapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Angst & innerer Unruhe → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).