Partner hat Panikattacken: Was kann ich tun?
In einer Panikattacke zählt ein ruhiger Mensch an der Seite. Was dann konkret hilft, welche Sätze schaden und warum beim ersten Mal 112 richtig ist.
Die kurze Antwort
Während einer Panikattacke hilft dem Partner vor allem ein ruhiger Mensch an seiner Seite: dableiben, langsam sprechen, die Attacke beim Namen nennen und abwarten, bis sie abklingt. Panikattacken fühlen sich lebensbedrohlich an, sind für sich genommen aber nicht gefährlich, wenn körperliche Ursachen ärztlich ausgeschlossen sind. Beim ersten Mal ist genau diese Abklärung wichtig.
Beim ersten Mal: erst den Körper abklären
Herzrasen, Brustschmerz, Atemnot und Schwindel können auch Zeichen eines Herzinfarkts oder einer anderen Erkrankung sein. Die deutsche S3-Leitlinie zu Angststörungen sieht vor, vor der Diagnose einer Angststörung körperliche Erkrankungen, etwa des Herzens oder der Lunge, auszuschließen. Bei erstmaligen Beschwerden, starken Brustschmerzen oder Unsicherheit gilt deshalb: 112 wählen. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
Was während der Attacke hilft
- Selbst ruhig bleiben: Die eigene Gelassenheit überträgt sich. Hektik oder besorgte Fragen im Sekundentakt heizen die Angst eher an.
- Kurze, klare Sätze: „Ich bin da. Das ist eine Panikattacke. Sie geht vorbei.“ Mehr braucht es oft nicht.
- Gemeinsam langsamer atmen: Ruhig und gleichmäßig mitatmen, ohne Kommando und ohne Leistungsdruck.
- Nicht hektisch flüchten: Den Ort sofort zu verlassen, beruhigt kurzfristig, kann aber lehren, dass nur Flucht hilft. Wenn möglich, gemeinsam bleiben, bis die Welle abebbt.
- Fragen statt bestimmen: Manche möchten berührt werden, andere nicht. Am besten in einer ruhigen Stunde besprechen, was in der Attacke guttut.
Was eher schadet
„Reiß dich zusammen“ oder „Da ist doch nichts“ verharmlosen ein Erleben, das sich wie Todesangst anfühlen kann. Ebenso wenig hilft es, selbst in Panik zu geraten und Körperzeichen zu dramatisieren. Das kognitive Modell nach Clark beschreibt Panik als Teufelskreis: Harmlose Körpersignale werden als Gefahr gedeutet, die Angst steigt, die Signale werden stärker. Eine ruhige Einordnung von außen bestätigt diese Deutung wenigstens nicht.
Nach der Attacke: Behandlung ermutigen
Wiederholen sich die Attacken oder entsteht Angst vor der nächsten, kann eine Panikstörung dahinterstehen. Sie ist behandelbar. Die Leitlinie nennt die kognitive Verhaltenstherapie als psychotherapeutisches Verfahren mit der besten Evidenz, daneben Medikamente oder die Kombination aus beidem. Angehörige können beim Weg in die Hausarztpraxis oder zur Psychotherapie unterstützen. Die Leitlinie empfiehlt außerdem, Betroffene und Familien auf Selbsthilfe- und Angehörigengruppen hinzuweisen.
Auch Begleiter brauchen Ruhe
Wer nachts neben einem Menschen in Panik sitzt, erschrickt selbst. Die Sorge vor der nächsten Attacke kann auch Angehörige dauerhaft anspannen. Eigene Pausen und Gespräche, etwa in einer Angehörigengruppe, sind deshalb kein Luxus.
Wer eine Panikattacke miterlebt, braucht danach oft selbst Zeit, um herunterzukommen. Die Audio-Programme können helfen, abends abzuschalten und neue Kraft zu sammeln: Im Jahresabo sind alle 115 Programme enthalten, darunter Stress, Schlafstörungen und Selbstwertgefühl. Kein Ersatz für Beratung oder Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Muss ich bei einer Panikattacke meines Partners den Notarzt rufen?
Beim ersten Mal, bei Brustschmerz, Atemnot oder Unsicherheit ja, denn eine Herzerkrankung lässt sich von außen nicht ausschließen. Sind körperliche Ursachen ärztlich abgeklärt und die Attacken bekannt, ist meist kein Notruf nötig. Neue oder veränderte Beschwerden gehören aber immer abgeklärt.
Was sage ich meiner Freundin während einer Panikattacke?
Wenige, ruhige Sätze wirken am besten, etwa „Ich bin bei dir, das ist Panik, sie geht vorbei.“ Fragen nach dem Warum oder Ratschläge überfordern im Moment der Attacke. Gespräche über Auslöser passen besser in eine ruhige Stunde.
Soll ich meinen Partner aus der Situation herausholen?
Nur wenn echte Gefahr besteht, etwa beim Autofahren, wo ein sicherer Halt Vorrang hat. Sonst ist es oft besser, gemeinsam zu bleiben, bis die Angst nachlässt. Wer jedes Mal flieht, lernt leicht, dass nur Vermeidung hilft.
Was kann ich zwischen den Attacken tun?
Gemeinsam besprechen, was in der Attacke hilft und was nicht. Zur Behandlung ermutigen, denn die kognitive Verhaltenstherapie hat laut Leitlinie die beste Evidenz. Und die eigene Belastung nicht vergessen, denn ständige Sorge zehrt auch an Angehörigen.
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Quellen (Auswahl)
- DGPPN, DKPM u. a. (2021): S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2, AWMF 051-028 Quelle lesen →
- Bandelow et al. (2022): The German Guidelines for the treatment of anxiety disorders: first revision, European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience 272(4) Quelle lesen →
- Clark (1986): A cognitive approach to panic, Behaviour Research and Therapy 24(4) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).