Warum kommen Panikattacken immer wieder?
Nach der ersten Attacke beginnt oft ein Kreislauf aus Wachsamkeit und Vermeidung. Er erklärt, warum die Panik wiederkommt, und zeigt zugleich, wo sie sich stoppen lässt.
Ein Kreislauf, der sich selbst füttert
Panikattacken kommen meist deshalb immer wieder, weil sich nach der ersten Attacke ein Teufelskreis bildet: Man fürchtet die nächste Attacke, achtet ständig auf Körpersignale und meidet Situationen, in denen es passieren könnte. Genau diese Wachsamkeit und Vermeidung halten die Angst am Leben. Der Kreislauf ist gut erforscht und lässt sich mit kognitiver Verhaltenstherapie wirksam unterbrechen.
Wie sich eine Attacke aufschaukelt
Das bekannteste Erklärungsmodell stammt vom britischen Psychologen David Clark. Ein harmloses Körpersignal, etwa ein schnellerer Herzschlag, wird als Gefahr gedeutet: „Jetzt kippe ich um.“ Die Angst beschleunigt den Herzschlag weiter, was die Befürchtung scheinbar bestätigt. Innerhalb weniger Minuten steigert sich so eine Attacke. Warum der erste Funke oft wie aus dem Nichts kommt, erklärt eine eigene Seite. Hier geht es darum, warum die Attacken bleiben.
Drei Verstärker, die Attacken zurückholen
Die Angst vor der Angst
Nach einer heftigen Attacke bleibt eine Grundwachsamkeit. Wer innerlich ständig prüft, ob es wieder losgeht, bemerkt jedes Ziehen und jedes Herzklopfen. Diese Erwartungsangst hält das Nervensystem in Alarmbereitschaft und senkt die Schwelle für die nächste Attacke. Die Angst erzeugt dann selbst genau das Herzklopfen und den Schwindel, die gefürchtet werden.
Vermeidung
Das Kaufhaus, die Autobahn, der volle Zug: Orte, an denen eine Attacke stattfand, werden gemieden. Kurzfristig bringt das Erleichterung. Langfristig lernt das Gehirn nie, dass die Situation ungefährlich ist, und die Liste der gemiedenen Orte wird länger. Daraus kann eine Agoraphobie entstehen.
Sicherheitsverhalten
Wasserflasche, Notfalltablette, Begleitperson, sofort hinsetzen: Der Psychologe Paul Salkovskis beschrieb, dass solche Sicherheitsverhalten verhindern, dass die befürchtete Katastrophe als unbegründet erlebt wird. Zurück bleibt der Gedanke: „Nur weil ich mich festgehalten habe, bin ich nicht umgefallen.“
Was den Kreislauf unterbricht
Die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen empfiehlt bei Panikstörung kognitive Verhaltenstherapie, alternativ oder ergänzend bestimmte Medikamente. In der Therapie werden die gefürchteten Körperempfindungen gezielt hervorgerufen, etwa durch Treppensteigen oder schnelles Atmen. So erlebt das Gehirn: unangenehm, aber ungefährlich. Schritt für Schritt kehrt man an gemiedene Orte zurück und lässt Sicherheitsverhalten weg. Es geht dabei nicht darum, die Angst wegzudrücken, sondern zu erleben, dass sie auch ohne Flucht von selbst wieder abklingt.
Vor der Behandlung sollten körperliche Ursachen wie Herzrhythmusstörungen oder eine Schilddrüsenüberfunktion einmal ärztlich ausgeschlossen werden. Bei neu auftretenden Brustschmerzen, Lähmungen oder Ohnmacht gilt immer: Notruf 112.
Wo Entspannung hineingehört
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, die Grundanspannung im Alltag zu senken. Für die Behandlung der Panikstörung selbst ist ihre Studienlage dünn. Sie eignen sich als Begleitung, nicht als Ersatz für eine Therapie.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Panikattacken ist als begleitende Entspannungsroutine gedacht. Eine bestimmte Wirkung ist nicht zugesichert, und es ersetzt keine Psychotherapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Hören Panikattacken von allein wieder auf?
Bei manchen Menschen werden sie mit der Zeit seltener, bei vielen bleiben sie aber bestehen oder breiten sich durch Vermeidung auf weitere Situationen aus. Je früher der Teufelskreis behandelt wird, desto weniger Raum kann er einnehmen.
Ist es gefährlich, eine Panikattacke auszuhalten?
Eine Panikattacke ist sehr unangenehm, für körperlich gesunde Menschen aber nicht gefährlich, und sie klingt von selbst wieder ab. Wer körperliche Ursachen ärztlich ausschließen ließ, kann lernen, sie durchzustehen, statt zu flüchten.
Warum hilft die Notfalltablette auf Dauer nicht?
Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wirken schnell, können aber abhängig machen und werden für die Dauerbehandlung nicht empfohlen. Zudem wirken sie oft als Sicherheitsverhalten, sodass die Angst vor der nächsten Attacke bestehen bleibt.
Was unterscheidet eine Panikattacke von einer Panikstörung?
Eine einzelne Panikattacke erleben viele Menschen irgendwann im Leben. Von einer Panikstörung spricht man, wenn Attacken wiederholt auftreten und die Sorge vor weiteren Attacken das Leben anhaltend beeinflusst.
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Quellen (Auswahl)
- Clark (1986): A cognitive approach to panic, Behaviour Research and Therapy 24(4) Quelle lesen →
- Salkovskis (1991): The importance of behaviour in the maintenance of anxiety and panic: a cognitive account, Behavioural Psychotherapy 19
- Bandelow et al.: S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, AWMF 051-028 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).