Kind hat Panikattacken: Was Eltern jetzt tun können
Plötzlich ringt das Kind nach Luft, zittert und glaubt, es passiere etwas Schlimmes. Wie Eltern in diesem Moment helfen, welche Abklärung nötig ist und was die Forschung über die Rolle der Eltern zeigt.
Die kurze Antwort
Hat ein Kind Panikattacken, braucht es in der akuten Situation vor allem eine ruhige erwachsene Person, die bleibt, langsam spricht und vermittelt: Das geht vorbei. Danach gehören zwei Schritte dazu: eine kinderärztliche Untersuchung, um körperliche Ursachen auszuschließen, und eine Abklärung in einer kinder- und jugendpsychiatrischen oder kinder- und jugendpsychotherapeutischen Praxis. Für Angststörungen im Kindesalter gibt es gut untersuchte Behandlungen.
Während der Attacke
Herzrasen, Atemnot, Zittern oder das Gefühl zu sterben erschrecken Kinder und Eltern gleichermaßen. Hilfreich sind wenige, kurze Sätze, gemeinsames langsames Ausatmen und Geduld, bis die Welle abflaut. Fragen nach dem Warum, Schimpfen oder hektisches Beruhigen steigern die Anspannung meist. Danach tut eine kurze Pause gut, ohne das Erlebte groß zu bewerten.
Bei blauen Lippen, Bewusstseinsstörung, Brustschmerz bei Anstrengung oder wenn unklar ist, ob es überhaupt eine Panikattacke ist, gilt der Notruf 112.
Wer abklärt und behandelt
Erste Anlaufstelle ist meist die Kinderarztpraxis. Sie prüft, ob etwa Herz, Lunge oder Stoffwechsel eine Rolle spielen. Bestätigt sich der Verdacht auf eine Angststörung, folgt eine psychotherapeutische Sprechstunde für Kinder und Jugendliche oder eine kinder- und jugendpsychiatrische Praxis.
Eine Cochrane-Übersicht von James und Kollegen (2020) mit 87 Studien und fast 6.000 Kindern und Jugendlichen fand: Nach kognitiver Verhaltenstherapie bestand die Hauptdiagnose bei 49 Prozent nicht mehr, auf der Warteliste bei 18 Prozent. Die Autoren bewerten die Qualität dieser Belege als mittel.
Was Eltern selbst verändern können
Viele Eltern beginnen aus Liebe, Auslöser zu umgehen: kein Bus mehr, kein Übernachten bei Freunden, ständige Erreichbarkeit. Fachleute nennen das familiäre Anpassung an die Angst. Kurzfristig entlastet sie, auf Dauer kann sie die Angst festigen.
In einer randomisierten Studie von Lebowitz und Kollegen (2020) mit 124 Kindern zwischen 7 und 14 Jahren wurde ein reines Elternprogramm namens SPACE mit Verhaltenstherapie für das Kind verglichen. Das Programm, das gezielt diese Anpassung verringert, schnitt nicht schlechter ab, auch der Stress der Eltern nahm ab. Eltern sind also ein wichtiger Teil der Lösung.
Abgrenzung und Unterstützung
Geraten eher die Eltern selbst in Panik, sobald das Kind krank ist, hilft der Ratgeber Panik, wenn das Kind krank ist. Allgemeine Sofortmaßnahmen beschreibt Was hilft bei Panikattacken sofort?. Eltern erreichen das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer kostenlos und anonym unter 0800 111 0550, Kinder und Jugendliche das Kinder- und Jugendtelefon unter 116 111. In der Schweiz ist für junge Menschen die 147 rund um die Uhr erreichbar.
Das Audio-Programm bei Panikattacken richtet sich an erwachsene Betroffene und nicht an Kinder. Für die eigene Belastung als Mutter oder Vater passen eher Programme wie Stress, Schlafstörungen und Selbstwertgefühl: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Alle sind im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten. Begleitend gedacht, kein Ersatz für Beratung oder Behandlung und nie ein Grund, die Abklärung des Kindes aufzuschieben.
Häufige Fragen
Mein Kind wacht nachts schreiend auf: Ist das eine Panikattacke?
Nicht unbedingt, denn bei jüngeren Kindern kann nächtliches Aufschrecken mit Schreien auch ein Nachtschreck sein, an den sich das Kind am Morgen meist nicht erinnert. Eine Panikattacke erlebt das Kind dagegen bewusst und kann sie oft beschreiben. Die Unterscheidung gehört in die Kinderarztpraxis.
Soll ich mein Kind nach einer Panikattacke von der Schule abholen?
Einmaliges Abholen ist verständlich, wenn das Kind sehr erschöpft ist. Wird daraus ein festes Muster, lernt das Kind leicht, dass es die Schule nur ohne Angst schafft. Besser ist ein gemeinsamer Plan mit Lehrkraft und Behandlung, wie das Kind die Attacke vor Ort übersteht.
Kann eine Panikattacke meinem Kind körperlich schaden?
Bei einem sonst gesunden Kind ist eine Panikattacke sehr unangenehm, aber nicht gefährlich, auch wenn sie sich bedrohlich anfühlt. Voraussetzung ist, dass körperliche Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden. Danach kann es dem Kind helfen, genau das in einfachen Worten zu hören.
Hilft Hypnose meinem Kind bei Panikattacken?
Das Audio-Programm bei Panikattacken ist für Erwachsene gedacht, nicht für Kinder. Für Kinder und Jugendliche mit Angststörungen ist vor allem die kognitive Verhaltenstherapie mit Einbezug der Eltern gut untersucht. Eltern können Entspannungsprogramme für die eigene Belastung nutzen.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- James et al. (2020): Cognitive behavioural therapy for anxiety disorders in children and adolescents, Cochrane Database of Systematic Reviews (11), CD013162 Quelle lesen →
- Lebowitz et al. (2020): Parent-based treatment as efficacious as cognitive-behavioral therapy for childhood anxiety: a randomized noninferiority study of Supportive Parenting for Anxious Childhood Emotions, Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 59(3) Quelle lesen →
- Nummer gegen Kummer e. V.: Elterntelefon und Kinder- und Jugendtelefon, Erreichbarkeit und Angebot Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).