Panikattacke oder Herzinfarkt: Wo liegt der Unterschied?
Beide können mit Brustschmerz, Herzrasen und Todesangst beginnen. Sicher unterscheiden lassen sie sich nur ärztlich, deshalb gilt im Zweifel immer: Notruf 112.
Die ehrliche Antwort zuerst
Im Moment selbst lassen sich eine Panikattacke und ein Herzinfarkt oft nicht sicher unterscheiden. Beide können mit Brustschmerz, Herzrasen, Atemnot, Schweiß und Todesangst beginnen. Deshalb gilt ohne Ausnahme: Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Notruf 112 wählen. Ein Fehlalarm ist kein Versagen, ein übersehener Herzinfarkt kann tödlich sein.
Warum die Verwechslung so leicht passiert
Die S3-Leitlinie zu Angststörungen zählt zu den Symptomen einer Panikattacke unter anderem Herzrasen, Atemnot, Druck oder Enge in der Brust, Schwindel und Angst zu sterben. Genau diese Beschwerden gehören auch zum Herzinfarkt. Die Leitlinie nennt ihn deshalb ausdrücklich unter den körperlichen Ursachen, die vor der Diagnose einer Angststörung auszuschließen sind, unter anderem mit einem EKG.
In einer Studie mit 441 Menschen, die wegen Brustschmerzen in die Notaufnahme kamen, erfüllte etwa jeder Vierte die Kriterien einer Panikstörung. Knapp die Hälfte von ihnen hatte zugleich eine bekannte Herzerkrankung. Panik und Herzprobleme schließen sich also nicht aus.
Warnzeichen für einen Herzinfarkt
Die Deutsche Herzstiftung nennt als typische Warnzeichen:
- plötzlich einsetzende, starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten in Ruhe anhalten
- Schmerzen im Brustkorb oder hinter dem Brustbein, die in Arme, Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder Schulterblätter ausstrahlen können
- massives Engegefühl, heftiger Druck oder Brennen im Brustkorb
Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute, betont die Herzstiftung. Abwarten, ob es von selbst besser wird, kostet Herzmuskel.
Bei Frauen oft anders
Frauen spüren laut Herzstiftung eher ein Engegefühl, der Schmerz strahlt häufiger in Rücken und Oberbauch aus. Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche, Schwindel oder unerklärliche Müdigkeit können zusätzlich oder sogar allein auftreten. Gerade solche Beschwerden werden leicht als Stress, Magenproblem oder Panik abgetan.
Keine Selbstdiagnose im Ernstfall
Oft wird geraten, auf Dauer, Auslöser oder Alter zu achten. Solche Faustregeln taugen nicht für die Entscheidung im Moment. Eine Panikattacke steigert sich zwar meist innerhalb von etwa zehn Minuten und klingt dann ab, doch auch Herzbeschwerden können schwanken. Wer Panikattacken bereits kennt, kann trotzdem einen Herzinfarkt bekommen, und auch der Gedanke „Das ist bestimmt nur die Angst“ ist kein verlässlicher Maßstab. Klarheit schaffen nur ärztliche Untersuchungen wie EKG und Blutwerte.
Wenn das Herz gesund ist
Ist ein Herzproblem gründlich ausgeschlossen und kehren die Attacken wieder, lohnt sich der Blick auf die Angst. Panikstörungen sind gut behandelbar. Die Leitlinie empfiehlt vor allem kognitive Verhaltenstherapie, bei Bedarf auch Medikamente. Die Therapie hilft, harmlose Körpersignale gelassener einzuordnen. Neue oder veränderte Beschwerden gehören trotzdem immer ärztlich abgeklärt, und bei den Warnzeichen oben gilt weiter: 112.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend die Grundanspannung senken. Sie ersetzen weder die Abklärung noch eine Therapie.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Panikattacken setzt auf Tiefenentspannung und die Regulation körperlicher Anspannung, nach ärztlicher Abklärung und begleitend, nicht als Ersatz für Psychotherapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Kann eine Panikattacke Brustschmerzen verursachen?
Ja. Druck, Enge oder Schmerzen in der Brust gehören zu den typischen Symptomen einer Panikattacke. Weil ein Herzinfarkt genauso beginnen kann, gehören neue Brustschmerzen immer ärztlich abgeklärt, bei starken oder anhaltenden Schmerzen über den Notruf 112.
Muss ich mich schämen, wenn der Notruf umsonst war?
Nein. Ohne EKG und Blutuntersuchung lassen sich Panikattacke und Herzinfarkt kaum unterscheiden, und beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Wer bei Warnzeichen den Notruf wählt, handelt richtig, auch wenn sich später eine Panikattacke herausstellt.
Warum werden Herzinfarkte bei Frauen oft übersehen?
Weil sie häufiger ohne den klassischen, heftigen Brustschmerz verlaufen. Atemnot, Übelkeit, Schmerzen in Rücken oder Oberbauch und ungewöhnliche Müdigkeit werden leicht für Stress, Magenbeschwerden oder Angst gehalten. Auch diese Zeichen verdienen einen Notruf, wenn sie plötzlich und stark auftreten.
Kann man Panikattacken und eine Herzerkrankung gleichzeitig haben?
Ja. In einer Studie mit Brustschmerz-Patienten in der Notaufnahme hatte knapp die Hälfte derjenigen mit Panikstörung auch eine bekannte Herzerkrankung. Eine frühere Panikdiagnose ersetzt deshalb nie die Abklärung neuer oder veränderter Beschwerden.
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Quellen (Auswahl)
- Deutsche Herzstiftung: Herzinfarkt: Warnzeichen erkennen und richtig handeln, herzstiftung.de
- DGPPN u.a.: S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, AWMF 051-028
- Fleet et al. (1996): Panic disorder in emergency department chest pain patients: prevalence, comorbidity, suicidal ideation, and physician recognition, The American Journal of Medicine 101(4)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).