Gewichtszunahme durch Quetiapin und Lithium: Was Sie tun können
Gewichtszunahme ist eine der häufigsten Nebenwirkungen von Quetiapin, Lithium und Olanzapin. Absetzen ist keine Lösung. Es gibt ärztliche Gegenmaßnahmen und Alltagshebel, die sich lohnen.
Die kurze Antwort
Gewichtszunahme gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen von Quetiapin, Lithium, Olanzapin und vielen anderen Psychopharmaka. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 100 Studien mit 18 Antipsychotika (Pillinger u. a. 2020) zeigte: Olanzapin und Clozapin führen am stärksten zu Gewichtszunahme, rund drei Kilo schon in Studien von im Mittel sechs Wochen. Quetiapin führte ebenfalls zu einer messbaren, aber geringeren Zunahme; bei Aripiprazol, Ziprasidon, Lurasidon, Cariprazin und dem älteren Haloperidol fand sich kein Unterschied zum Scheinmedikament. Über Monate fällt die Zunahme größer aus. Unter Lithium nehmen die meisten Behandelten zu, in älteren Untersuchungen etwa drei Viertel, im Schnitt um rund sechs Kilo; etwa jeder Fünfte nahm zehn Kilo oder mehr zu (Gitlin 2016). Das Wichtigste vorweg: Setzen Sie das Medikament nicht selbst ab oder herunter. Ein Rückfall in eine Manie, Psychose oder schwere Depression ist in der Regel das größere Risiko. Was Sie tun können: das Problem beim Behandlungsteam ansprechen, denn es gibt Alternativen und Gegenmaßnahmen, und die Punkte im Alltag ändern, an denen diese Medikamente das Gewicht am stärksten treiben.
Warum diese Medikamente dick machen
- Appetit und Sättigung: Quetiapin und Olanzapin blockieren unter anderem Histamin- und Serotonin-Rezeptoren, die das Sättigungsgefühl steuern. Viele Betroffene beschreiben Heißhunger, besonders abends und nachts, wenn das Medikament eingenommen wird. Siehe Nachts essen abgewöhnen und Heißhunger am Abend: Was tun?
- Müdigkeit und weniger Bewegung: Die dämpfende Wirkung senkt den Antrieb und damit den Kalorienverbrauch im Alltag.
- Durst unter Lithium: Lithium macht durstig. Wer den Durst mit Saft, Limonade oder Milchkaffee löscht, trinkt schnell mehrere hundert Kalorien am Tag. Lithium kann außerdem die Schilddrüse bremsen, was den Stoffwechsel verlangsamt, und selten auch Wasser einlagern.
- Stoffwechsel: Einige Antipsychotika, vor allem Clozapin und Olanzapin, erhöhen Blutzucker und Blutfette auch unabhängig vom Gewicht (Pillinger u. a. 2020). Deshalb gehören Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrolliert.
Was Sie mit dem Behandlungsteam besprechen können
- Wechsel des Wirkstoffs: Wenn die Erkrankung stabil ist, kann ein Umstieg auf ein Medikament mit geringerem Gewichtsrisiko, etwa Aripiprazol, möglich sein. Das entscheidet die behandelnde Ärztin, weil jeder Wechsel ein Rückfallrisiko trägt.
- Metformin: Das Diabetesmedikament bremst die Gewichtszunahme unter Antipsychotika. In einer Metaanalyse von zwölf Studien lag der Unterschied zum Scheinmedikament bei gut drei Kilo (de Silva u. a. 2016). Die deutsche S3-Leitlinie Schizophrenie (DGPPN, Stand 2025) empfiehlt Metformin mit starker Empfehlung, wenn das Gewicht um mehr als drei Prozent gestiegen ist, Ernährungs-, Bewegungs- und Schulungsangebote nicht ausreichen und das Antipsychotikum weiter nötig ist. Die Verordnung ist off-label.
- Schilddrüse prüfen: Unter Lithium gehört der TSH-Wert regelmäßig kontrolliert. Eine Unterfunktion lässt sich behandeln und erklärt manchmal einen Teil der Zunahme.
- Dosis und Einnahmezeit: Bei Quetiapin ist die Gewichtszunahme teilweise dosisabhängig (Dubath u. a. 2021). Ob eine niedrigere Dosis reicht, entscheidet die Ärztin; auch niedrige Dosen, etwa zum Schlafen, sind nicht gewichtsneutral.
Was im Alltag am meisten bringt
- Kalorienfreie Getränke: Wasser, ungesüßter Tee, Kaffee ohne Zucker. Das ist unter Lithium der größte einzelne Hebel.
- Abendliches Essen planen: Wer weiß, dass nach der Einnahme Heißhunger kommt, legt sich eine feste, eiweißreiche Abendmahlzeit und eine kleine erlaubte Portion für danach zurecht, statt zu kämpfen und dann die Packung zu leeren. Siehe Süßigkeiten abends abgewöhnen.
- Bewegung, auch müde: Ein täglicher Spaziergang von 20 bis 30 Minuten verbessert Blutzucker, Stimmung und Schlaf. Große Sportziele scheitern an der Müdigkeit, kleine feste Gewohnheiten nicht.
- Gewicht und Bauchumfang notieren: Einmal pro Woche, damit Sie und das Behandlungsteam früh reagieren können. Die S3-Leitlinie Schizophrenie empfiehlt, zu Behandlungsbeginn, im ersten Monat und danach regelmäßig Gewicht, Taillenumfang, Blutzucker und Blutfette zu messen und sich selbst monatlich zu wiegen.
- Stress und Schlaf: Beides treibt den Appetit zusätzlich. Siehe Warum nehme ich bei Stress zu?
Lebensstilprogramme wirken auch bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, wenn sie begleitet werden. Fragen Sie in der Praxis oder Klinik nach einem Programm für Ernährung und Bewegung; viele Krankenkassen bezahlen Ernährungsberatung. Wer lernen möchte, Essimpulse zu beobachten statt sofort zu reagieren, kann das ergänzend üben, etwa mit einer Audio-Hypnose, allerdings nur in einer stabilen Phase, nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam und nicht bei psychotischen Erkrankungen oder in einer akuten Manie. Was dazu bekannt ist und für wen es nicht passt, lesen Sie unter Hilft Hypnose beim Abnehmen? Für die Erkrankung selbst siehe Woher kommt eine bipolare Störung?
Das Audio-Hypnose-Programm Abnehmen richtet sich an Erwachsene, die ihr Essverhalten mit regelmäßiger Entspannung begleiten möchten, mit einer eigenen Sitzung zum Heißhunger. Bei einer psychischen Erkrankung nur in einer stabilen Phase und nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam; bei Psychosen nicht geeignet. Es ersetzt keine Behandlung und kein Medikament. Online im Browser.
Häufige Fragen
Macht Quetiapin dick?
Ja, Gewichtszunahme ist eine häufige Nebenwirkung. Im Vergleich der Antipsychotika führen Olanzapin und Clozapin am stärksten zu Gewichtszunahme, Quetiapin messbar, aber weniger; bei Aripiprazol und Ziprasidon fand sich kein Unterschied zum Scheinmedikament. Die Zunahme ist teilweise dosisabhängig.
Kann man trotz Quetiapin oder Lithium abnehmen?
Ja, aber meist langsamer. Die größten Hebel sind kalorienfreie Getränke, eine geplante Abendmahlzeit gegen den Heißhunger nach der Einnahme, tägliche Bewegung und das Gespräch mit dem Behandlungsteam über Metformin oder einen Wirkstoffwechsel. Das Medikament bitte nie eigenmächtig absetzen.
Was hilft gegen Gewichtszunahme durch Antipsychotika?
Ärztlich: Metformin, das in Studien gut drei Kilo Unterschied machte und in der S3-Leitlinie Schizophrenie (Stand 2025) bei mehr als drei Prozent Gewichtszunahme empfohlen wird, oder ein Wechsel auf einen Wirkstoff mit geringerem Gewichtsrisiko. Im Alltag: Getränke ohne Kalorien, feste Mahlzeiten, Bewegung und regelmäßige Gewichtskontrolle.
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Quellen (Auswahl)
- Pillinger u. a. (2020): Comparative effects of 18 antipsychotics on metabolic function in patients with schizophrenia, predictors of metabolic dysregulation, and association with psychopathology: a systematic review and network meta-analysis, Lancet Psychiatry 7(1), 64-77
- de Silva u. a. (2016): Metformin in prevention and treatment of antipsychotic induced weight gain: a systematic review and meta-analysis, BMC Psychiatry 16, 341
- Gitlin (2016): Lithium side effects and toxicity: prevalence and management strategies, International Journal of Bipolar Disorders 4, 27
- DGPPN (2025): S3-Leitlinie Schizophrenie, AWMF-Register 038-009, Version 4.0 (Living Guideline 2026), Empfehlungen 53-54 und Tabelle 22 zu Gewichtszunahme und Monitoring
- Dubath u. a. (2021): Effect of Quetiapine, from Low to High Dose, on Weight and Metabolic Traits: Results from a Prospective Cohort Study, Pharmacopsychiatry 54(6), 279-286
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wenden Sie sich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).