Abnehmen bei Diabetes mit Insulin: Warum es schwerer ist und wie es sicher gelingt
Seit dem Insulin zeigt die Waage mehr, und jede Diät fühlt sich riskant an. Warum Insulin das Abnehmen erschwert, welche Rolle Unterzuckerungen spielen und was vor einer Ernährungsumstellung oder einem Trainingsplan mit dem Behandlungsteam zu klären ist.
Die kurze Antwort
Abnehmen ist auch mit Insulin möglich, braucht aber Absprache. Insulin begünstigt eine Gewichtszunahme, und wer weniger isst oder sich mehr bewegt, ohne die Therapie anzupassen, riskiert Unterzuckerungen. Deshalb gehört jede Ernährungsumstellung, Diät oder neue Sportroutine vorher in die diabetologische Praxis oder Diabetesberatung. Wie die Insulindosis angepasst wird, klärt das Behandlungsteam, nicht ein Ratgeber.
Warum Insulin das Abnehmen erschwert
Russell-Jones und Khan (2007) beschreiben in einer Übersicht mehrere Gründe. Bei hohem Blutzucker geht Zucker und damit Energie über den Urin verloren. Sinkt der Zucker unter Insulin, bleibt diese Energie im Körper, ohne dass automatisch weniger gegessen wird. Hinzu kommt, dass manche aus Angst vor Unterzuckerungen oder nach einer Unterzuckerung mehr essen, oft unbewusst. Die Sorge um das Gewicht kann sogar dazu führen, dass Insulin unregelmäßig gespritzt wird, und das ist gefährlich.
Unterzuckerung: das wichtigste Risiko
Weniger Kohlenhydrate, ausgelassene Mahlzeiten oder Fasten bei gleicher Insulindosis können den Blutzucker zu stark senken. Als Warnschwelle gelten Werte unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l), Werte unter 54 mg/dl (3,0 mmol/l) gelten als deutliche Unterzuckerung (International Hypoglycaemia Study Group, 2017). Typische Zeichen sind Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Heißhunger, Unruhe oder Konzentrationsprobleme. Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit sind ein Notfall: 112, in der Schweiz 144.
Bewegung mit Insulin
Bewegung hilft beim Abnehmen und macht den Körper empfindlicher für Insulin. Laut Stellungnahme der American Diabetes Association (Colberg und Kollegen, 2016) sind Unterzuckerungen durch Sport bei Typ-1-Diabetes häufig und kommen in geringerem Maß auch bei Typ-2-Diabetes mit Insulin vor. Sie können verzögert auftreten, typischerweise 6 bis 15 Stunden nach der Belastung, teils bis zu 48 Stunden später, also auch nachts. Vor einem neuen Trainingsplan ist deshalb zu klären, wie oft gemessen wird und wie Insulin und Kohlenhydrate abgestimmt werden.
Gemeinsam mit dem Behandlungsteam planen
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (2023) sieht nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Ernährung und Bewegung als Basis jeder Behandlung. Für das Gespräch in der Praxis hilft es, das Abnehmziel, die geplante Ernährung und ein Blutzuckerprotokoll der letzten Wochen mitzubringen. Auch die Frage, ob die gesamte Medikation zum Ziel passt, ist berechtigt, denn manche Diabetesmittel wirken sich günstiger auf das Gewicht aus als andere. Die Auswahl trifft die Diabetologin oder der Diabetologe. Strukturierte Schulungen zeigen, wie Mahlzeiten, Messen und Insulin zusammenpassen.
Im Alltag
Statt radikaler Diäten bewähren sich kleine, mit der Praxis abgesprochene Schritte. Traubenzucker gehört immer in die Tasche, beim Sport ebenso wie unterwegs. Weil Stress den Blutzucker zusätzlich beeinflussen kann, lohnt ein Blick auf Diabetes und Stressmanagement. Wer ständig hungrig ist, findet mögliche Gründe unter Warum habe ich ständig Hunger?. Häufen sich Unterzuckerungen, gehört das immer zeitnah in die Praxis.
Wer mit Insulin abnehmen möchte und neue Essgewohnheiten mental festigen will, kann das Audio-Programm Abnehmen bei Diabetes begleitend nutzen. Insulin, Messen und Therapieplan bleiben dabei Sache des Behandlungsteams. Es besteht aus aufeinander aufbauenden Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Es ist auch im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten, etwa zusammen mit Diabetes und Stress. Begleitend gedacht, kein Ersatz für Diabetesberatung, Schulung oder ärztliche Behandlung.
Häufige Fragen
Warum nehme ich mit Insulin zu, obwohl ich nicht mehr esse?
Vor der Behandlung ging bei hohem Blutzucker Energie über den Urin verloren, unter Insulin bleibt sie im Körper. Dazu kommt bei manchen ein unbewusstes Mehressen aus Sorge vor Unterzuckerungen. Das ist kein persönliches Versagen, sondern ein bekannter Effekt, den das Behandlungsteam in die Planung einbeziehen kann.
Kann ich mit Insulin Intervallfasten machen?
Nur nach Absprache mit der diabetologischen Praxis. Lange Essenspausen bei unveränderter Insulindosis erhöhen das Risiko für Unterzuckerungen deutlich. Ob und wie Fasten zur eigenen Therapie passt, lässt sich nur mit dem Behandlungsteam festlegen.
Verändert sich mein Insulinbedarf, wenn ich abnehme?
Das ist häufig so, weil weniger Gewicht und mehr Bewegung den Körper oft empfindlicher für Insulin machen. Deshalb ist es wichtig, beim Abnehmen öfter zu messen und die Werte mit in die Praxis zu nehmen. Insulin bitte nie auf eigene Faust weglassen.
Was tun bei Unterzuckerung beim Sport mit Insulin?
Die Belastung sofort beenden, schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker nehmen und nach kurzer Zeit erneut messen. Weil Unterzuckerungen auch Stunden später oder nachts kommen können, lohnt am Abend nach dem Sport eine zusätzliche Messung. Wie Training und Therapie künftig abgestimmt werden, gehört in die Praxis.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Russell-Jones & Khan (2007): Insulin-associated weight gain in diabetes: causes, effects and coping strategies, Diabetes, Obesity and Metabolism 9(6) Quelle lesen →
- Colberg et al. (2016): Physical activity/exercise and diabetes: a position statement of the American Diabetes Association, Diabetes Care 39(11) Quelle lesen →
- International Hypoglycaemia Study Group (2017): Glucose concentrations of less than 3.0 mmol/L (54 mg/dL) should be reported in clinical trials, Diabetes Care 40(1) Quelle lesen →
- BÄK, KBV, AWMF (2023): Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Version 3.0, AWMF nvl-001 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).