Heimlich essen: Warum, und wie komme ich da raus?
Heimliches Essen hat meist mit Scham zu tun. Strengere Regeln machen es oft schlimmer. Der Weg heraus beginnt damit, die Scham kleiner zu machen.
Die kurze Antwort
Heimlich zu essen hat meist mit Scham zu tun: Man möchte nicht gesehen werden, wie viel oder was man isst. Dahinter stecken oft strenge Regeln, Kommentare anderer zum Essen oder Gewicht und Gefühle, die mit Essen beruhigt werden. Heimliches Essen kann außerdem ein Zeichen einer Binge-Eating-Störung sein, besonders wenn es mit Essanfällen und Kontrollverlust einhergeht. Der Weg heraus beginnt meist damit, die Scham zu verringern, nicht mit noch strengeren Regeln.
Warum Menschen heimlich essen
- Scham: Wer sich für das eigene Essen schämt, versteckt es. Das Verstecken verstärkt die Scham wiederum.
- Strenge Regeln: Wer offiziell Diät hält, isst das Verbotene oft dort, wo es niemand sieht.
- Kommentare anderer: Bemerkungen über Portionen oder Figur, oft schon in der Kindheit, führen dazu, Essen vor anderen zu meiden.
- Gefühle: Alleinsein, Stress oder Leere werden mit Essen beruhigt, häufig abends. Mehr dazu unter Essen aus Einsamkeit und Frustessen stoppen.
Wann heimliches Essen ein Warnzeichen ist
Allein zu essen, weil man sich für die Menge schämt, ist eines der Merkmale der Binge-Eating-Störung. Dazu gehören Essanfälle mit Kontrollverlust, sehr schnelles Essen, Essen ohne Hunger bis zu unangenehmer Völle und danach Ekel, Schuld oder Niedergeschlagenheit. Kommt das über Monate mindestens einmal pro Woche vor, sollte das fachlich abgeklärt werden. Die Binge-Eating-Störung ist gut behandelbar, am besten belegt ist kognitive Verhaltenstherapie. Mehr dazu unter Hilft Hypnose bei Essstörungen?
Was Sie tun können
- Ohne Strafe hinschauen: Notieren, wann, wo und in welcher Stimmung das heimliche Essen passiert. Muster werden sichtbar, ohne dass Sie sich verurteilen müssen.
- Regeln lockern: Wer Lieblingsessen offen und in normalen Mengen essen darf, muss es seltener verstecken.
- Regelmäßig essen: Lange Pausen und hungrige Abende machen Essanfälle wahrscheinlicher. Siehe Warum kann ich nicht aufhören zu essen?
- Mit jemandem sprechen: Scham wird kleiner, wenn sie ausgesprochen wird, etwa gegenüber einer vertrauten Person, in der Hausarztpraxis oder anonym beim Infotelefon Essstörungen unter 0221 89 20 31.
- Anspannung senken: Regelmäßige Entspannung, etwa mit einer Audio-Hypnose, kann helfen, abends ruhiger zu werden. Für Heißhunger ohne Essstörung enthält das Unibee-Programm Hypnose zum Abnehmen eine eigene Sitzung, online im Browser.
Das Audio-Hypnose-Programm Abnehmen richtet sich an Erwachsene, die Heißhunger und Essmuster mit regelmäßiger Entspannung begleiten möchten. Es ersetzt keine Behandlung einer Essstörung. Online im Browser.
Häufige Fragen
Warum esse ich heimlich?
Meist aus Scham über Menge oder Art des Essens, oft verstärkt durch strenge Diätregeln, Kommentare anderer oder Gefühle, die mit Essen beruhigt werden.
Ist heimliches Essen eine Essstörung?
Nicht immer. Heimliches Essen aus Scham ist aber ein Merkmal der Binge-Eating-Störung. Kommen Essanfälle mit Kontrollverlust über Monate mindestens einmal pro Woche vor, sollte das abgeklärt werden.
Wie höre ich auf, heimlich zu essen?
Ohne Strafe hinschauen, wann es passiert, Regeln lockern, regelmäßig essen und mit jemandem darüber sprechen. Strengere Verbote verstärken das Verstecken meist.
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Quellen (Auswahl)
- DGPM/DGPPN u. a.: S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen, AWMF-Register 051-026 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).