Was hilft sofort bei Flugangst?
Die Tür ist zu, die Triebwerke laufen, der Puls steigt. Für diesen Moment gibt es Techniken, die sofort wirken, und manche naheliegende Lösung, die langfristig schadet.
Wenn die Angst schon im Flugzeug sitzt
Die Tür ist zu, die Triebwerke laufen, und der Puls steigt. Für diesen Moment braucht es keine Theorie, sondern Dinge, die jetzt funktionieren. Die gute Nachricht: Es gibt sie, und manche der naheliegenden Lösungen machen es eher schlimmer.
Vor dem Start
Die Geräusche kennen
Viele Angstspitzen entzünden sich an normalen Vorgängen: das Rumpeln des Fahrwerks, das Surren der Landeklappen, das leisere Triebwerk kurz nach dem Start, wenn die Schubleistung planmäßig reduziert wird. Wer weiß, dass diese Geräusche zum Ablauf gehören, deutet sie nicht als Gefahr.
Der Crew Bescheid sagen
Flugbegleiter kennen Flugangst. Ein kurzer Hinweis beim Einsteigen genügt, und viele schauen im Flug gezielt nach einem.
Den Platz bewusst wählen
Über den Tragflächen sind Bewegungen am wenigsten zu spüren. Ein Gangplatz gibt das Gefühl, jederzeit aufstehen zu können.
Während des Flugs
Länger aus- als einatmen
Vier Sekunden ein, sechs bis acht Sekunden aus. Das verlängerte Ausatmen aktiviert den beruhigenden Teil des Nervensystems und senkt den Puls innerhalb weniger Minuten.
Die Angstwelle kommen lassen
Angst steigt an, erreicht einen Höhepunkt und fällt von selbst wieder ab. Wer gegen sie ankämpft, hält sie oft länger fest. Hilfreicher ist, sie zu beobachten: „Da ist sie wieder, sie wird gleich nachlassen.“
Die Aufmerksamkeit binden
Fünf Dinge sehen, vier hören, drei fühlen: Solche Übungen holen die Aufmerksamkeit aus dem Kopfkino in den Moment. Auch Rechenaufgaben, ein Hörbuch oder ein Gespräch helfen.
Turbulenzen richtig einordnen
Turbulenzen sind unangenehm, für moderne Verkehrsflugzeuge aber kein Absturzrisiko, die Maschinen sind für weit stärkere Belastungen gebaut. Verletzungen bei Turbulenzen betreffen fast immer Menschen, die nicht angeschnallt sind. Angeschnallt zu bleiben ist deshalb das Wichtigste, was man selbst tun kann.
Was eher nicht hilft
Alkohol dämpft kurz, verstärkt aber in der trockenen Kabinenluft Unruhe und Herzklopfen. Bei Beruhigungsmitteln lohnt ein genauer Blick: In einer Studie von Frank Wilhelm und Walton Roth nahmen Menschen mit Flugangst vor einem Flug ein Benzodiazepin oder ein Placebo. Beim zweiten Flug ohne Medikament hatten diejenigen, die zuvor das Beruhigungsmittel bekommen hatten, mehr Panik als die Placebo-Gruppe. Die Tablette verhinderte, dass die Angst durch die Erfahrung abnahm.
Was dauerhaft hilft
Flugangstseminare von Fluggesellschaften und Verhaltenstherapie mit schrittweiser Konfrontation zeigen in Studien gute Erfolge. Entspannungsverfahren wie Hypnose lassen sich in den Wochen vor dem Flug einüben und dann an Bord abrufen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Flugangst lässt sich in den Wochen vor dem Flug trainieren und an Bord abrufen, begleitend, nicht als Ersatz für Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Flugangst → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).