Ohrgeräusch nach dem Flug: Was tun?
Meist steckt der Druckwechsel bei der Landung dahinter, und die Beschwerden klingen von selbst ab. Wichtig ist zu wissen, welche Zeichen nicht abgewartet werden sollten.
Die kurze Antwort
Ein Rauschen, Pfeifen oder dumpfes Gefühl im Ohr nach einem Flug entsteht meist durch den Druckwechsel bei der Landung. Kann die Ohrtrompete den Druck im Mittelohr nicht schnell genug ausgleichen, gerät das Trommelfell unter Spannung. In vielen Fällen bessert sich das innerhalb von Stunden bis Tagen von selbst. Bleiben Hörminderung, starke Schmerzen oder Schwindel, ist eine HNO-ärztliche Untersuchung nötig.
Was beim Fliegen im Ohr passiert
In der Kabine sinkt der Luftdruck während des Steigflugs und steigt beim Landeanflug wieder an. Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Raum hinter dem Trommelfell, der nur über die Ohrtrompete mit dem Rachen verbunden ist. Beim Schlucken oder Gähnen öffnet sie sich kurz und gleicht den Druck aus.
Beim Landeanflug muss Luft aktiv in das Mittelohr gelangen. Ist die Ohrtrompete durch Schnupfen oder Allergie geschwollen, gelingt das schlechter. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Laryngology and Otology beschreibt diese Druckschädigung, das sogenannte Barotrauma, mit Druckgefühl, Ohrenschmerzen und Hörminderung als typischen Beschwerden.
Typische Beschwerden danach
- Druck oder Völlegefühl, als sei das Ohr verstopft
- gedämpftes Hören, die eigene Stimme klingt anders
- Rauschen, Knacken oder Pfeifen
- Ohrenschmerzen, besonders während der Landung
Wer bereits einen Tinnitus hat, bemerkt ihn nach einem Flug zudem oft stärker, auch durch Müdigkeit, Reisestress und stundenlanges Motorengeräusch.
Was jetzt hilft
Druckausgleich
Schlucken, Gähnen oder Kaugummi kauen öffnen die Ohrtrompete. Vorsichtig möglich: Nase zuhalten, Mund schließen und sanft Luft in die Nase drücken, bis es im Ohr knackt. Nicht mit Gewalt pressen.
Abschwellen
Die Studienlage ist dünn. Laut der genannten Übersichtsarbeit verringerten Tabletten mit Pseudoephedrin in einer Studie die Ohrenschmerzen bei Erwachsenen, ein abschwellendes Nasenspray half dagegen nicht deutlich. Solche Mittel nur nach Beratung in Apotheke oder Praxis nehmen, etwa bei Bluthochdruck.
Abwarten, aber nicht zu lange
Leichte Beschwerden klingen meist von selbst ab. Nicht im Ohr bohren, keine Wattestäbchen, keine Ohrentropfen auf Verdacht.
Warnzeichen
Zeitnah HNO-ärztlich abklären lassen: deutlich schlechteres Hören auf einer Seite, Drehschwindel oder Übelkeit, starke oder anhaltende Schmerzen, Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr, oder Beschwerden, die nach einigen Tagen nicht besser werden. Selten kann der Druckwechsel das Trommelfell oder das Innenohr verletzen. Ein plötzlicher Hörverlust gehört schnell untersucht, nicht erst nach Wochen.
Für den nächsten Flug
Beim Landeanflug wach bleiben und häufig schlucken. Mit starker Erkältung oder akuter Mittelohrentzündung vorher ärztlich klären, ob Fliegen ratsam ist. Bleibt nach einem Flug ein Tinnitus bestehen, setzt die S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“ auf Aufklärung und Verhaltenstherapie. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, gelassener mit dem Geräusch umzugehen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Tinnitus setzt auf Entspannung und einen gelasseneren Umgang mit dem Ohrgeräusch, begleitend zur HNO-ärztlichen Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Ohrgeräusch nach dem Fliegen?
Leichte Beschwerden durch den Druckwechsel klingen oft innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ab. Hält das Geräusch länger an oder kommt eine Hörminderung hinzu, sollte eine HNO-Praxis nachsehen.
Warum ist das Ohr nach der Landung zu?
Beim Landeanflug steigt der Kabinendruck, und die Ohrtrompete muss Luft in das Mittelohr lassen. Gelingt das nicht vollständig, bleibt ein Unterdruck hinter dem Trommelfell, der sich wie ein verstopftes Ohr anfühlt.
Darf man mit Schnupfen fliegen?
Mit verstopfter Nase fällt der Druckausgleich schwerer, und das Risiko für Ohrbeschwerden steigt. Bei starker Erkältung oder Mittelohrentzündung ist es sinnvoll, vor dem Flug ärztlich zu klären, ob Fliegen ratsam ist.
Kann ein Flug einen dauerhaften Tinnitus auslösen?
Das ist selten. Meist sind die Beschwerden vorübergehend. Verletzungen von Trommelfell oder Innenohr durch starke Druckwechsel kommen vor und gehören in HNO-ärztliche Behandlung.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Mirza & Richardson (2005): Otic barotrauma from air travel, The Journal of Laryngology and Otology 119(5)
- Chandrasekhar et al. (2019): Clinical practice guideline: sudden hearing loss (update), Otolaryngology Head and Neck Surgery 161(1 Suppl)
- DGHNO-KHC: S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus, AWMF 017-064
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).