Warum habe ich Höhenangst?
Weiche Knie am Geländer, Schwindel beim Blick nach unten: Höhenangst hat eine körperliche und eine psychische Seite. Beide lassen sich erklären, und verändern.
Sie sind in guter Gesellschaft
Weiche Knie auf dem Aussichtsturm, Schwindel am Geländer, der Blick nach unten, der den Magen zusammenzieht: Eine Untersuchung des Deutschen Schwindelzentrums in München fand, dass etwa jeder dritte Erwachsene eine sogenannte visuelle Höhenunverträglichkeit kennt. Eine ausgeprägte Höhenangst, die den Alltag einschränkt, betrifft deutlich weniger Menschen.
Fachleute unterscheiden deshalb: Höhenschwindel ist eine verbreitete, körperlich mitbedingte Reaktion. Höhenangst im engeren Sinn, die Akrophobie, ist eine Angststörung, bei der schon der Gedanke an Höhe Angst auslöst und Situationen gemieden werden.
Warum der Körper in der Höhe reagiert
Die Augen finden keinen Halt
Das Gleichgewicht stützt sich auf drei Quellen: das Innenohr, die Körperwahrnehmung und die Augen. In der Höhe sind die nächsten Bezugspunkte weit entfernt. Die Augen melden kaum noch Bewegung, während der Körper leicht schwankt. Dieser Widerspruch erzeugt Unsicherheit und Schwindel.
Ein angeborener Schutz
Schon Säuglinge zögern, über eine scheinbare Kante zu krabbeln, das zeigte das berühmte Experiment mit der „visuellen Klippe“. Der Psychologe Martin Seligman beschrieb, dass Menschen besonders leicht Ängste vor Dingen entwickeln, die für unsere Vorfahren gefährlich waren. Höhe gehört dazu.
Warum daraus Angst wird
Aus dem natürlichen Schutz wird eine Angststörung, wenn die Reaktion übersteigert ist und das Denken sie verstärkt. Typisch sind Gedanken wie „Ich könnte das Gleichgewicht verlieren“ oder „Ich könnte die Kontrolle verlieren“. Wer daraufhin Höhen meidet, erlebt nie, dass die Angst von selbst nachlässt, und sie wächst.
Der Sog nach unten
Viele erschrecken über einen plötzlichen Impuls, zu springen. Forschende um Jennifer Hames fanden dieses Phänomen auch bei rund der Hälfte der Menschen, die nie Suizidgedanken hatten. Ihre Erklärung: Das Gehirn registriert die Gefahr, der Körper weicht zurück, und der Verstand deutet diese Schutzreaktion im Nachhinein fälschlich als Wunsch zu springen. Der Impuls ist also eher ein Zeichen des Überlebenswillens.
Was hilft
Die wirksamste Behandlung ist die schrittweise Konfrontation: sich Höhen in kleinen Stufen aussetzen, bis die Angst jeweils abklingt. Das kann heute auch in der virtuellen Realität geschehen, eine randomisierte Studie in The Lancet Psychiatry zeigte mit einem automatisierten VR-Programm deutliche Verbesserungen.
Im Moment selbst hilft es, einen festen Punkt in der Nähe zu fixieren, Halt zu suchen und langsam auszuatmen. Entspannungsverfahren wie Hypnose können die Konfrontation vorbereiten und begleiten.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Höhenangst hilft, Entspannung einzuüben und in der Höhe abzurufen, begleitend, nicht als Ersatz für Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Höhenangst → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).