Was tun, wenn ein Borderliner ausrastet?
Im Sturm gewinnt niemand eine Diskussion. Was hilft, ist verlangsamen, anerkennen und sich selbst schützen, und danach in Ruhe sprechen.
Die kurze Antwort
Wenn ein Mensch mit Borderline-Persönlichkeitsstörung ausrastet, hilft vor allem eines: die Situation verlangsamen, statt sie zu gewinnen. Ruhig bleiben, nicht diskutieren, das Gefühl anerkennen, ohne den Vorwürfen zuzustimmen, und auf die eigene Sicherheit achten. Inhaltliche Klärungen gehören in einen ruhigen Moment, nicht mitten in den Sturm.
Was in diesem Moment passiert
Die S3-Leitlinie beschreibt die Borderline-Störung im Kern als Störung der Emotionsregulation. Gefühle setzen schneller ein, werden intensiver und klingen langsamer ab. Auslöser sind oft Situationen, die als Zurückweisung, Kritik oder drohendes Verlassenwerden erlebt werden. Auf dem Höhepunkt der Anspannung ist die Fähigkeit, differenziert zu denken und zuzuhören, stark eingeschränkt. Argumente erreichen die Person dann kaum.
Was in der akuten Situation hilft
Selbst ruhig bleiben
Langsam sprechen, tief ausatmen, die eigene Lautstärke senken. Anspannung steckt an, Ruhe ebenfalls.
Das Gefühl anerkennen
Sätze wie „Ich sehe, dass dich das gerade sehr wütend macht“ nehmen Druck heraus. In der Dialektisch-Behavioralen Therapie heißt dieses Prinzip Validierung: Das Gefühl wird als nachvollziehbar anerkannt, ohne dass man jedem Vorwurf zustimmt.
Nicht verteidigen und nicht zurückschlagen
Rechtfertigungen und Gegenangriffe heizen die Situation weiter an. Wer recht hat, lässt sich später klären.
Eine Pause anbieten
„Ich möchte darüber reden, aber nicht so. Lass uns in einer Stunde weitersprechen.“ Wichtig ist, die Pause anzukündigen und dann tatsächlich wiederzukommen, sonst wird sie als Verlassen erlebt.
Die eigene Sicherheit geht vor
Bei Drohungen, Gewalt oder Zerstörung den Raum verlassen und Hilfe holen. In Deutschland erreicht man die Polizei unter 110, den Rettungsdienst unter 112.
Wenn Selbstverletzung oder Suizid droht
Äußert die Person, sich etwas antun zu wollen, ist das immer ernst zu nehmen. Dann den Notruf 112 wählen. Rund um die Uhr erreichbar ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Nach dem Sturm
In einer ruhigen Phase lässt sich besprechen, was passiert ist und was beim nächsten Mal helfen könnte. Manche Paare und Familien vereinbaren ein Stoppwort oder einen Krisenplan: Wer geht wohin, wer ruft wen an, was beruhigt. Solche Absprachen geben beiden Seiten Halt.
Was langfristig wirkt
Für die Borderline-Störung gibt es wirksame Therapien, allen voran die Dialektisch-Behaviorale Therapie. Sie trainiert gezielt Fertigkeiten, um starke Anspannung zu regulieren, bevor sie eskaliert. Angehörige profitieren von eigenen Gruppen, in denen sie lernen, mit Krisen umzugehen und sich abzugrenzen.
Bei Borderline ist Psychotherapie die Behandlung der Wahl. Das Audio-Hypnose-Programm kann ergänzend bei Anspannung und innerer Unruhe unterstützen, auch für Angehörige. Es ersetzt keine Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Was sage ich, wenn ein Borderliner ausrastet?
Kurze, ruhige Sätze, die das Gefühl anerkennen, etwa „Ich sehe, dass dich das sehr wütend macht“, ohne jedem Vorwurf zuzustimmen. Diskussionen über Recht und Unrecht gehören in einen späteren, ruhigen Moment.
Soll ich bei einem Wutausbruch den Raum verlassen?
Eine angekündigte Pause ist oft sinnvoll, wenn sie mit dem Versprechen verbunden ist, wiederzukommen. Bei Drohungen oder Gewalt geht die eigene Sicherheit immer vor, dann sofort gehen und Hilfe holen.
Warum rasten Menschen mit Borderline so schnell aus?
Die Störung geht mit einer erschwerten Emotionsregulation einher. Gefühle kommen schneller, sind stärker und klingen langsamer ab. Auslöser sind häufig erlebte Zurückweisung oder Angst, verlassen zu werden.
Was hilft, damit es seltener eskaliert?
Eine Behandlung wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie, gemeinsame Absprachen für Krisen und klare, verlässliche Grenzen. Angehörigengruppen helfen, das eigene Verhalten in Krisen zu stärken.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- DGPPN: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, AWMF 038-015 (2022)
- Linehan (1993): Cognitive-Behavioral Treatment of Borderline Personality Disorder, Guilford Press
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).