Angst, beim Autofahren ohnmächtig zu werden: Wie wahrscheinlich ist das?
Das Gefühl, am Steuer gleich wegzukippen, ist bei Panik sehr häufig, eine echte Ohnmacht durch Panik dagegen selten. Wer schon einmal wirklich bewusstlos war, sollte das ärztlich abklären lassen.
Die kurze Antwort
Die Angst, am Steuer ohnmächtig zu werden, ist bei Panik sehr häufig, eine echte Ohnmacht durch Panik dagegen selten. In einer Panikattacke steigen Puls und Blutdruck meist an, während eine Ohnmacht in der Regel durch einen Abfall des Blutdrucks entsteht. Wer aber schon einmal wirklich bewusstlos war, sollte das unbedingt ärztlich abklären lassen.
Warum es sich nach Ohnmacht anfühlt
Schwindel, weiche Knie, ein Tunnelblick und das Gefühl, gleich wegzukippen, gehören zu den häufigsten Beschwerden einer Panikattacke. Schnelles, flaches Atmen kann die Benommenheit verstärken. Hinter dem Steuer kommt die Sorge hinzu, nicht einfach anhalten zu können.
Körperlich läuft dabei meist das Gegenteil einer Ohnmacht ab. Taylor und Kollegen (1986) zeichneten bei Menschen mit Panikattacken im Alltag die Herzfrequenz auf und fanden während vieler Attacken einen deutlichen Anstieg. Ritz und Kollegen (2010) beschreiben die typische Angstreaktion als Kampf-oder-Flucht-Antwort mit steigendem Puls und Blutdruck. Bekannte Ausnahme ist die Angst vor Blut, Spritzen und Verletzungen: Dort kann nach dem ersten Anstieg der Blutdruck abfallen, und manche werden tatsächlich ohnmächtig.
Viele meiden dann Autobahn, Tunnel oder Strecken ohne Haltebucht. Kurzfristig beruhigt das, langfristig wächst die Angst oft, weil nie die Erfahrung entsteht, dass die befürchtete Ohnmacht ausbleibt.
Wichtig ist auch, dass Fahrangst nicht nur nach Unfällen entsteht. Eine Übersicht von Taylor, Deane und Podd (2002) zeigt, dass sie ebenso ohne Unfall stark sein kann.
Schritt für Schritt im Auto
- Benennen: Innerlich sagen „Das ist Schwindel durch Angst, mein Blutdruck ist eher hoch als niedrig.“
- Ausatmen: Länger aus- als einatmen, etwa vier Sekunden ein und sechs aus. Das bremst das schnelle Atmen.
- Festhalten: Hände bewusst ans Lenkrad drücken, Füße in den Boden. Muskelspannung gibt Halt.
- Sicher anhalten: Bei Bedarf Warnblinker an und den nächsten Parkplatz oder Seitenstreifen ansteuern, statt abrupt zu bremsen.
- Danach notieren: Was genau passiert ist, wie lange es dauerte, ob das Bewusstsein wirklich weg war. Das hilft bei der ärztlichen Einordnung.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Eine echte Ohnmacht, also ein kurzer Bewusstseinsverlust mit Erinnerungslücke, Sturz oder Zuckungen, sollte nach der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ärztlich untersucht werden, ebenso Herzstolpern, Brustschmerz oder Ohnmacht bei Anstrengung. Ob und wann danach wieder Auto gefahren werden darf, kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, nicht diese Seite. Geht es allgemein um Panik am Steuer, passt Panik beim Autofahren, um den Weg zurück auf die Straße Was hilft bei Angst beim Autofahren?
Wer vor jeder Fahrt Angst hat, die Kontrolle zu verlieren, kann das Audio-Programm bei Angst und innerer Unruhe zu Hause als ruhige Vorbereitung nutzen, niemals während der Fahrt: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon geschrieben und professionell eingesprochen, ohne KI. Am meisten Spielraum bietet das Jahresabo mit allen 115 Programmen, etwa zusammen mit Panikattacken und Stress. Begleitend gedacht, für Fahrangst wissenschaftlich nicht belegt und kein Ersatz für ärztliche Abklärung oder Psychotherapie.
Häufige Fragen
Kann man bei einer Panikattacke am Steuer wirklich ohnmächtig werden?
Das ist selten, weil Puls und Blutdruck bei Panik meist ansteigen und eine Ohnmacht eher bei abfallendem Blutdruck entsteht. Das Gefühl, gleich wegzukippen, ist dagegen sehr häufig. Wer tatsächlich schon bewusstlos war, sollte die Ursache ärztlich klären lassen.
Woran merke ich, ob ich ohnmächtig war oder nur Schwindel hatte?
Bei einer echten Ohnmacht fehlt meist ein Stück Erinnerung, viele stürzen oder sacken zusammen. Bei Angstschwindel bleibt das Erleben durchgehend erhalten, so beängstigend es ist. Bleibt Unsicherheit, hilft eine Schilderung von Beifahrern bei der ärztlichen Abklärung.
Darf ich nach einer Ohnmacht noch Auto fahren?
Das hängt von der Ursache ab und lässt sich nur ärztlich beurteilen. Bis zur Klärung ist es klüger, nicht selbst zu fahren. Auch bei reinen Angstbeschwerden ohne Bewusstseinsverlust gehört die Frage, ob sicheres Fahren möglich ist, in das ärztliche Gespräch.
Hilft es, das Fenster zu öffnen oder kalt zu trinken?
Frische Luft und ein Schluck Wasser lenken viele ab und geben ein Gefühl von Kontrolle. Wirksamer gegen Angstschwindel ist meist, langsam und lang auszuatmen und die Muskeln von Händen und Beinen anzuspannen. Wichtig ist, das Fahrzeug dabei sicher zu führen und bei Bedarf geordnet anzuhalten.
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Quellen (Auswahl)
- Ritz, Meuret & Ayala (2010): The psychophysiology of blood-injection-injury phobia: looking beyond the diphasic response paradigm, International Journal of Psychophysiology 78(1) Quelle lesen →
- Taylor et al. (1986): Ambulatory heart rate changes in patients with panic attacks, American Journal of Psychiatry 143(4) Quelle lesen →
- Taylor, Deane & Podd (2002): Driving-related fear: a review, Clinical Psychology Review 22(5) Quelle lesen →
- Brignole et al. (2018): 2018 ESC Guidelines for the diagnosis and management of syncope, European Heart Journal 39(21) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).