Warum träume ich so viel?
Geträumt wird jede Nacht, auch wenn man sich an nichts erinnert. Wer viel träumt, wacht meist häufiger kurz auf oder hat gerade mehr Traumschlaf, etwa nach Stress, Schlafmangel oder Alkohol.
Jeder träumt, aber nicht jeder erinnert sich
Geträumt wird jede Nacht, am lebhaftesten im REM-Schlaf, der mehrmals pro Nacht wiederkehrt und gegen Morgen länger wird. Ob man „viel“ träumt, ist deshalb vor allem eine Frage der Erinnerung. Wer morgens mehrere Träume vor Augen hat, ist in der Nacht meist öfter kurz aufgewacht. Das ist in den meisten Fällen harmlos.
Aufwachen macht Träume erinnerbar
Ein Traum bleibt vor allem dann im Gedächtnis, wenn man kurz nach ihm wach wird. Dieses Prinzip beschrieben Koulack und Goodenough schon 1976. Eine Studie im Schlaflabor stützt es: Menschen, die sich häufig an Träume erinnerten, waren nachts insgesamt länger wach und wachten öfter auf als Menschen mit seltener Traumerinnerung.
Diese Wachmomente bemerkt man meist gar nicht. Sie reichen aber, damit ein Traum hängen bleibt. Hinzu kommt der Zeitpunkt: Die längsten Traumphasen liegen in den Stunden vor dem Aufwachen. Wer morgens vom Wecker mitten aus einer solchen Phase geholt wird, hat den letzten Traum oft noch deutlich vor Augen.
Was die Träume verstärkt
Stress und Sorgen
In belastenden Phasen schlafen viele unruhiger und wachen häufiger auf. Zugleich greifen Träume oft auf, was tagsüber beschäftigt. Beides zusammen führt zu mehr erinnerten und häufig emotionaleren Träumen.
Schlafmangel
Nach kurzen Nächten holt der Körper fehlenden Traumschlaf nach. Fachleute sprechen vom REM-Rebound. Die Träume in solchen Nächten wirken oft besonders intensiv.
Alkohol
Alkohol am Abend verzögert die erste Traumschlafphase und verringert den REM-Schlaf vor allem in der ersten Nachthälfte, wie eine Übersichtsarbeit von Ebrahim und Kollegen zusammenfasst. Viele schlafen in der zweiten Nachthälfte dann unruhiger und erinnern sich an mehr Träume.
Medikamente
Manche Medikamente, etwa bestimmte Antidepressiva oder Blutdrucksenker, können lebhafte Träume begünstigen. Auch nach dem Absetzen von Mitteln, die den Traumschlaf dämpfen, kann dieser vorübergehend zunehmen. Medikamente nie eigenmächtig absetzen, sondern ärztlich besprechen.
Was ruhigeren Schlaf fördert
- feste Schlafzeiten und genug Schlaf, damit kein Nachholbedarf entsteht
- abends auf Alkohol verzichten
- Sorgen vor dem Zubettgehen aufschreiben, statt sie mit ins Bett zu nehmen
- ein ruhiges, dunkles und eher kühles Schlafzimmer
Sind die Träume wiederholt beängstigend, hilft eine gezielte Methode, die unter Was hilft gegen Albträume? beschrieben ist.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Abklären lassen sollte man es, wenn die Träume mit starker Tagesmüdigkeit, lautem Schnarchen oder Atemaussetzern einhergehen, wenn man Träume körperlich auslebt und dabei um sich schlägt oder wenn die Veränderung mit einem neuen Medikament begonnen hat.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, abends zur Ruhe zu kommen, begleitend und nicht als Ersatz für eine Abklärung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Schlafstörungen unterstützt dabei, den Tag hinter sich zu lassen und entspannter einzuschlafen, begleitend und nicht als Ersatz für eine ärztliche Abklärung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Schlafstörungen → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
Ist es schlecht, jede Nacht zu träumen?
Nein. Jeder Mensch träumt jede Nacht, meist in mehreren Phasen. Wer sich an viele Träume erinnert, wacht in der Regel nur häufiger kurz auf.
Bedeutet viel Träumen, dass ich schlecht schlafe?
Nicht unbedingt. Häufige Traumerinnerung geht mit mehr kurzen Wachphasen einher, die man oft nicht bemerkt. Erst wenn man sich tagsüber unausgeschlafen fühlt, lohnt ein genauerer Blick auf den Schlaf.
Warum sind die Träume nach dem Verzicht auf Alkohol so intensiv?
Alkohol unterdrückt den Traumschlaf. Fällt er weg, holt das Gehirn den fehlenden REM-Schlaf eine Zeit lang nach, und die Träume werden oft lebhafter. Das legt sich in der Regel wieder.
Kann man weniger träumen?
Das Träumen lässt sich nicht abstellen, wohl aber die Erinnerung daran beeinflussen. Regelmäßiger, ausreichender Schlaf, kein Alkohol am Abend und ein ruhiges Schlafzimmer verringern nächtliches Aufwachen und damit meist auch die erinnerten Träume.
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Quellen (Auswahl)
- Koulack & Goodenough (1976): Dream recall and dream recall failure: an arousal-retrieval model, Psychological Bulletin 83(5)
- van Wyk, Solms & Lipinska (2019): Increased awakenings from non-rapid eye movement sleep explain differences in dream recall frequency in healthy individuals, Frontiers in Human Neuroscience 13
- Ebrahim et al. (2013): Alcohol and sleep I: effects on normal sleep, Alcoholism: Clinical and Experimental Research 37(4)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).