Warum wache ich nachts um 3 Uhr auf?
Jede Nacht dieselbe Uhrzeit, hellwach, der Kopf springt an. Dass es so oft gegen 3 Uhr passiert, hat mit dem Aufbau des Schlafs zu tun und mit dem, was nach dem Aufwachen im Kopf passiert.
Die kurze Antwort
Kurze Wachphasen in der Nacht sind normal und werden meist sofort vergessen. Gegen 3 Uhr wacht man aber besonders leicht auf: Der Tiefschlaf ist dann weitgehend vorbei, der Schlaf wird leichter, und der Körper beginnt, das Stresshormon Cortisol für den Morgen auszuschütten. Zum Problem wird es erst, wenn man hellwach bleibt, meist weil Gedanken und Anspannung einsetzen.
Warum gerade um 3 Uhr
Der Schlaf wird leichter
Die Nacht besteht aus mehreren Schlafzyklen. Tiefschlaf findet vor allem in der ersten Nachthälfte statt, danach überwiegen leichter Schlaf und Traumschlaf. Auch der Schlafdruck vom Tag ist dann zu einem großen Teil abgebaut. Ein Geräusch, Harndrang oder ein Gedanke genügt nun eher zum Aufwachen.
Cortisol steigt an
In den Stunden um das Einschlafen ist die Cortisol-Ausschüttung am geringsten. Eine klassische Studie von 1971 zeigte, dass sie in der dritten bis fünften Schlafstunde erstmals ansteigt und bis zum Morgen zunimmt. Wer um 23 Uhr einschläft, erreicht diese Phase gegen 2 bis 4 Uhr. Das ist eine plausible Erklärung für den häufigen Wachmoment, aber kein fester Wecker um Punkt 3.
Der Wein vom Abend
Alkohol lässt schneller einschlafen und festigt die erste Nachthälfte. Eine Übersichtsarbeit über alle bekannten Studien an Gesunden zeigte aber: In der zweiten Nachthälfte wird der Schlaf häufiger gestört, und zwar bei allen untersuchten Mengen.
Das Alter
Laut einer Metaanalyse von 65 Studien nehmen mit den Jahren Tiefschlaf und Schlafeffizienz ab, die Wachzeit nach dem Einschlafen nimmt zu. Häufigeres Aufwachen ab der Lebensmitte ist deshalb zum Teil normal.
Die Deutung über die „Organuhr“ der Traditionellen Chinesischen Medizin, nach der nachts zu bestimmten Stunden die Leber arbeite, ist wissenschaftlich nicht belegt.
Was hilft, wenn man wach liegt
- nicht auf die Uhr schauen: Die S3-Leitlinie Insomnie rät ausdrücklich davon ab, nachts auf Wecker oder Armbanduhr zu sehen. Das gilt auch fürs Handy.
- nach etwa 15 Minuten aufstehen: in einem anderen Raum etwas Ruhiges tun und erst schläfrig zurück ins Bett gehen
- Alkohol meiden: Die Leitlinie rät, ihn keinesfalls als Schlafmittel einzusetzen.
- feste Aufstehzeit: auch nach einer schlechten Nacht
Wann es abgeklärt gehört
Bestehen Durchschlafprobleme mindestens einen Monat und beeinträchtigen den Tag, spricht die Leitlinie von einer Insomnie. Erste Wahl ist dann die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, zu der auch Entspannungsmethoden gehören. Ärztlich abgeklärt werden sollten lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, häufiger nächtlicher Harndrang, starker Nachtschweiß und frühes Erwachen mit gedrückter Stimmung, das auf eine Depression hindeuten kann.
Hypnose kann als Entspannungsverfahren helfen, nachts leichter loszulassen. Die Leitlinie sieht Hinweise auf positive Effekte der Hypnotherapie, bewertet die Qualität der Studien aber als sehr schlecht. Sie ist deshalb eine Ergänzung, kein Ersatz für die empfohlene Behandlung.
Entspannungsmethoden sind laut Insomnie-Leitlinie ein Baustein der kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie. Das Audio-Hypnose-Programm bei Schlafstörungen setzt an nächtlicher Anspannung an, begleitend zur ärztlichen Beratung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Schlafstörungen → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).