Wiederkehrende Träume: Warum träume ich immer dasselbe?
Derselbe Traum, immer wieder: verfolgt werden, fallen, nicht entkommen können. Manche begleitet er seit der Kindheit, andere nur in schweren Zeiten. Was wiederkehrende Träume bedeuten können und wie Sie sie verändern können.
Wiederkehrende Träume: Die kurze Antwort
Wiederkehrende Träume sind Träume, die sich über Wochen, Monate oder Jahre mit demselben Thema oder fast demselben Ablauf wiederholen. Sie sind meist eher unangenehm: verfolgt werden, fallen, angegriffen werden. Forschende sehen einen Zusammenhang mit Belastungen und ungelösten Sorgen. Menschen, die gerade wiederkehrende Träume haben, berichteten in einer Studie über ein geringeres Wohlbefinden als Menschen, bei denen solche Träume aufgehört hatten oder die sie nie hatten (Brown und Donderi, 1986). Belastende Träume lassen sich oft mit einer einfachen Übung abschwächen oder verändern.
Was in wiederkehrenden Träumen passiert
In einer Untersuchung von 212 wiederkehrenden Träumen enthielten zwei Drittel eine Bedrohung. Die träumende Person versuchte meist, sich zu wehren oder zu fliehen, schaffte es aber selten, der Gefahr zu entkommen (Zadra und Kollegen, 2006). Bei Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren ging es am häufigsten um Begegnungen mit Monstern oder Tieren, gefolgt von Angriffen, Fallen und Verfolgtwerden. Negative Inhalte waren häufiger als positive (Gauchat und Kollegen, 2015).
Das passt zu der Erfahrung vieler Erwachsener: Der Traum kehrt oft in Phasen zurück, in denen etwas belastet, und verschwindet, wenn sich die Lage entspannt.
Warum träume ich immer dasselbe?
Eine allgemeingültige Deutung einzelner Traumbilder gibt es nicht. Hilfreicher als ein Traumlexikon ist die Frage, welches Gefühl der Traum in Ihnen auslöst. Wiederkehrende Träume handeln oft von Hilflosigkeit, Druck oder Angst, etwas nicht zu schaffen. Fragen Sie sich:
- Wann kam der Traum zum ersten Mal? Was war damals in meinem Leben los?
- Wann kommt er heute? Vor wichtigen Terminen, in Konflikten, bei Erschöpfung?
- Welches Gefühl bleibt nach dem Aufwachen zurück?
Oft zeigt sich ein Muster, das mehr mit dem Alltag zu tun hat als mit dem Inhalt des Traums.
Wenn aus dem Traum ein Albtraum wird
Wiederkehrende Albträume, die den Schlaf stören und auch tagsüber nachwirken, sind behandelbar. Etwa vier Prozent der Erwachsenen haben eine Albtraumstörung. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin empfiehlt dafür vor allem die Imagery-Rehearsal-Therapie. Weitere Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie, Muskelentspannung und Hypnose können angewendet werden; hier ist die Studienlage laut Fachgesellschaft weniger eindeutig (Morgenthaler und Kollegen, 2018).
Bei der Imagery-Rehearsal-Therapie schreiben Sie den Traum im Wachzustand um und stellen sich die neue Version regelmäßig vor. In einer Studie mit 168 Frauen, die nach sexueller Gewalt an einer Posttraumatischen Belastungsstörung und chronischen Albträumen litten, verringerten drei Sitzungen dieser Übung die Albträume deutlich und verbesserten den Schlaf (Krakow und Kollegen, 2001).
Was Sie selbst tun können
- Den Traum aufschreiben: Halten Sie fest, was passiert und wie Sie sich fühlen.
- Eine neue Wendung erfinden: Ändern Sie den Traum so, wie Sie möchten: Die Tür geht auf, jemand hilft Ihnen, Sie fliegen statt zu fallen.
- Die neue Version üben: Stellen Sie sich diese Fassung tagsüber einige Minuten lang lebhaft vor, am besten täglich.
- Den Abend entlasten: Sorgen vor dem Schlafengehen aufschreiben, Bildschirme früher weglegen, eine feste Abendroutine finden.
- Belastungen angehen: Wenn der Traum mit einem Konflikt zusammenhängt, hilft oft ein Gespräch mehr als jede Schlafregel.
Weitere Tipps gegen nächtliche Angstträume lesen Sie unter Was hilft gegen Albträume? Wenn Sie insgesamt sehr viel träumen, hilft der Beitrag Warum träume ich in letzter Zeit so viel?
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Wenn wiederkehrende Albträume nach einem belastenden Ereignis begonnen haben, wenn Sie Angst vor dem Einschlafen bekommen oder wenn Sie tagsüber erschöpft und angespannt sind, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis oder einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten. Albträume nach schlimmen Erlebnissen können zu einer Traumafolgestörung gehören, die gut behandelt werden kann.
Wo ein Audio-Programm ergänzen kann
Wer abends angespannt ins Bett geht, schläft oft unruhiger und erinnert sich womöglich stärker an belastende Träume. Eine regelmäßige Entspannungsübung am Abend kann helfen, zur Ruhe zu kommen und leichter in den Schlaf zu finden. Das Audio-Hypnose-Programm bei Schlafstörungen läuft online im Browser, ist als Begleitung gedacht und ersetzt keine Therapie. Was Studien zur Hypnose beim Schlaf sagen, lesen Sie unter Hilft Hypnose bei Schlafstörungen?
Eine regelmäßige Entspannungsübung am Abend kann helfen, zur Ruhe zu kommen und leichter in den Schlaf zu finden. Das Audio-Hypnose-Programm bei Schlafstörungen kann Sie dabei begleiten. Es ersetzt keine Therapie. Einzeln oder im Jahresabo, online im Browser.
Häufige Fragen
Warum habe ich immer wieder denselben Traum?
Wiederkehrende Träume treten oft in belastenden Phasen auf und hängen vermutlich mit ungelösten Sorgen oder Konflikten zusammen. Meist geht es um Bedrohung, Hilflosigkeit oder Druck. Hilfreich ist die Frage, wann der Traum kommt und welches Gefühl er auslöst.
Haben wiederkehrende Träume eine Bedeutung?
Eine allgemeingültige Deutung einzelner Bilder gibt es nicht. Wiederkehrende Träume spiegeln aber oft Gefühle aus dem Alltag wider. Wenn ein Traum vor allem in stressigen Zeiten wiederkommt, lohnt es sich, an dieser Belastung anzusetzen.
Wie werde ich einen wiederkehrenden Albtraum los?
Gut untersucht ist die Imagery-Rehearsal-Therapie: Sie schreiben den Traum im Wachzustand um, geben ihm eine neue Wendung und stellen sich diese Version regelmäßig vor. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin empfiehlt diese Methode bei Albtraumstörungen.
Wann sollte ich wegen wiederkehrender Träume Hilfe suchen?
Wenn die Albträume nach einem belastenden Ereignis begonnen haben, wenn Sie Angst vor dem Einschlafen bekommen oder tagsüber erschöpft sind. Dann können Hausarztpraxis oder Psychotherapie weiterhelfen.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Brown & Donderi (1986): Dream content and self-reported well-being among recurrent dreamers, past-recurrent dreamers, and nonrecurrent dreamers, Journal of Personality and Social Psychology 50(3), 612-623 Quelle lesen →
- Zadra, Desjardins & Marcotte (2006): Evolutionary function of dreams: a test of the threat simulation theory in recurrent dreams, Consciousness and Cognition 15(2), 450-463 Quelle lesen →
- Gauchat, Séguin, McSween-Cadieux & Zadra (2015): The content of recurrent dreams in young adolescents, Consciousness and Cognition 37, 103-111 Quelle lesen →
- Morgenthaler, Auerbach, Casey, Kristo, Maganti et al. (2018): Position paper for the treatment of nightmare disorder in adults: an American Academy of Sleep Medicine position paper, Journal of Clinical Sleep Medicine 14(6), 1041-1055 Quelle lesen →
- Krakow, Hollifield, Johnston, Koss, Schrader et al. (2001): Imagery rehearsal therapy for chronic nightmares in sexual assault survivors with posttraumatic stress disorder: a randomized controlled trial, JAMA 286(5), 537-545 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wenden Sie sich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).