Was ist eine Schlafparalyse?
Wach, aber bewegungsunfähig: Eine Schlafparalyse fühlt sich bedrohlich an, ist aber meist harmlos. Dahinter steckt ein Schutzmechanismus des Traumschlafs, der einen Moment zu lange anhält.
Wach, aber für einen Moment gelähmt
Eine Schlafparalyse ist ein kurzer Zustand beim Einschlafen oder Aufwachen, in dem man bei Bewusstsein ist, sich aber nicht bewegen und nicht sprechen kann. Er dauert meist Sekunden bis wenige Minuten und endet von selbst. So beängstigend er sich anfühlt: Eine gelegentliche Schlafparalyse ist in aller Regel harmlos.
Was dabei im Gehirn passiert
Im Traumschlaf, dem REM-Schlaf, schaltet das Gehirn die Muskulatur weitgehend ab. Diese sogenannte REM-Atonie ist ein Schutz: Sie verhindert, dass wir Träume körperlich ausleben. Bei einer Schlafparalyse ist das Bewusstsein schon wach, während die Muskelsperre noch anhält. Augenbewegungen und Atmung funktionieren weiter. Die internationale Klassifikation der Schlafstörungen ordnet die wiederkehrende Schlafparalyse deshalb den Parasomnien des REM-Schlafs zu.
Weil sich Wachen und Träumen überlappen, erleben viele zusätzlich traumartige Wahrnehmungen: eine Gestalt im Raum, Geräusche, ein Druckgefühl auf der Brust. Sie wirken sehr echt, stammen aber aus dem träumenden Gehirn.
Wie häufig ist das?
Häufiger als viele denken. Eine Übersichtsarbeit von Sharpless und Barber wertete Studien mit über 36.000 Menschen aus. Rund 7,6 Prozent der Allgemeinbevölkerung hatten mindestens einmal eine Schlafparalyse erlebt, unter Studierenden etwa 28 Prozent, unter psychiatrischen Patientinnen und Patienten etwa 32 Prozent.
Was sie begünstigt
Eine systematische Übersicht von Denis, French und Gregory fand unter anderem Zusammenhänge mit:
- schlechtem oder gestörtem Schlaf
- Stress und belastenden Erlebnissen
- Angstsymptomen, besonders bei posttraumatischer Belastungsstörung und in geringerem Maß bei Panikstörung
- Substanzkonsum und körperlichen Erkrankungen
Auch eine erbliche Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen. Wer also dazu neigt, hat nichts falsch gemacht.
Was während einer Episode hilft
Viele Betroffene berichten, dass diese Schritte die Episode erträglicher machen:
- sich innerlich sagen: „Das ist eine Schlafparalyse, sie geht gleich vorbei.“
- ruhig atmen, statt gegen die Lähmung anzukämpfen
- sich auf eine kleine Bewegung konzentrieren, etwa eines Fingers oder der Zehen
Vorbeugend helfen ausreichend Schlaf, feste Schlafzeiten und ein ruhiger Übergang in die Nacht.
Wann ärztliche Abklärung sinnvoll ist
Treten Schlafparalysen häufig auf oder lösen sie Angst vor dem Einschlafen aus, lohnt sich ein Gespräch in der Hausarztpraxis oder einer Schlafambulanz. Wichtig ist die Abklärung vor allem, wenn zusätzlich starke Tagesmüdigkeit mit ungewolltem Einschlafen besteht oder bei Lachen und anderen starken Gefühlen plötzlich die Muskelkraft nachlässt. Diese Kombination kann auf eine Narkolepsie hindeuten, eine neurologische Erkrankung, deren Beschwerden sich behandeln lassen.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, abends zur Ruhe zu kommen und die Sorge vor der nächsten Nacht zu verringern, begleitend und nicht als Ersatz für eine Abklärung.
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Ist eine Schlafparalyse gefährlich?
In aller Regel nicht. Die Atmung läuft weiter, und der Zustand endet nach Sekunden bis wenigen Minuten von selbst. Belastend ist vor allem die Angst, die er auslöst.
Warum sieht man bei einer Schlafparalyse Gestalten?
Weil sich Wachsein und Traumschlaf überlappen. Das träumende Gehirn erzeugt Bilder, Geräusche oder ein Druckgefühl, die im halbwachen Zustand sehr real wirken, aber keine äußere Ursache haben.
Wie lässt sich eine Schlafparalyse beenden?
Viele Betroffene berichten, dass es hilft, ruhig zu atmen, nicht gegen die Lähmung anzukämpfen und sich bewusst zu sagen, was gerade passiert. Manche konzentrieren sich darauf, einen Finger oder die Zehen zu bewegen.
Kann eine Schlafparalyse auf Narkolepsie hindeuten?
Selten, aber es ist möglich. Kommen starke Tagesmüdigkeit, ungewolltes Einschlafen am Tag oder plötzliche Muskelschwäche bei starken Gefühlen hinzu, sollte eine Abklärung in einer Schlafambulanz erfolgen.
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Quellen (Auswahl)
- Sharpless & Barber (2011): Lifetime prevalence rates of sleep paralysis: a systematic review, Sleep Medicine Reviews 15(5)
- Denis, French & Gregory (2018): A systematic review of variables associated with sleep paralysis, Sleep Medicine Reviews 38
- American Academy of Sleep Medicine (2014): International Classification of Sleep Disorders, 3. Auflage (ICSD-3)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).