Tinnitus nur auf einem Ohr: Woran liegt das?
Ein einseitiges Ohrgeräusch hat meist eine Ursache in genau diesem Ohr. Deshalb gehört es untersucht, auch wenn Ernstes selten dahintersteckt.
Die kurze Antwort
Ein Tinnitus nur auf einem Ohr hängt häufig mit genau diesem Ohr zusammen, etwa mit einer einseitigen Hörminderung, einem Lärmereignis oder einer Störung im Gehörgang oder Mittelohr. Weil hinter einem einseitigen Ohrgeräusch eine behandelbare Ursache stecken kann, gehört es HNO-ärztlich untersucht. Eine ernste Erkrankung findet sich dabei nur selten.
Warum nur eine Seite?
Tinnitus entsteht meist nicht im Ohr allein, sondern im Zusammenspiel von Ohr und Gehirn. Häufig liegt eine Hörminderung zugrunde, auch wenn sie im Alltag kaum auffällt. Betrifft sie ein Ohr stärker, wird das Geräusch oft auf dieser Seite wahrgenommen.
Weitere Gründe für eine einseitige Wahrnehmung sind ein Knall, der vor allem ein Ohr getroffen hat, ein verlegter Gehörgang, eine Belüftungsstörung des Mittelohrs oder ein Hörsturz, der meist nur eine Seite betrifft. Auch Spannung in Kiefer oder Nacken kann ein Geräusch auf derselben Seite beeinflussen. Die einzelnen Ursachen beschreibt der Beitrag über einseitiges Pfeifen im Ohr ausführlicher.
Links oder rechts: Spielt die Seite eine Rolle?
Viele fragen sich, ob ein Tinnitus im linken Ohr etwas anderes bedeutet als einer im rechten. Für die Abklärung macht die Seite keinen Unterschied. Entscheidend ist, dass nur ein Ohr betroffen ist und ob das Hören auf dieser Seite schlechter ist als auf der anderen.
Was die HNO-Praxis untersucht
Die amerikanische Tinnitus-Leitlinie empfiehlt bei einseitigem Tinnitus zeitnah eine Hörprüfung. Sie zählt einseitigen Tinnitus außerdem zu den Situationen, in denen eine Bildgebung angezeigt sein kann. Üblich sind:
- ein Blick in den Gehörgang und auf das Trommelfell
- ein Hörtest beider Ohren, oft mit Prüfung des Mittelohrs
- je nach Befund eine Kernspintomografie (MRT) des inneren Gehörgangs
Wie wahrscheinlich ist ein Akustikusneurinom?
Die MRT soll vor allem ein Vestibularisschwannom ausschließen, früher Akustikusneurinom genannt. Das ist ein gutartiger Tumor am Hör- und Gleichgewichtsnerv. Eine Metaanalyse von 2023 wertete Daten von 1.394 Menschen aus, die wegen eines einseitigen Tinnitus ohne seitenungleiche Hörminderung eine MRT erhielten. Gefunden wurden sieben solcher Tumoren, meist nur wenige Millimeter groß. Ob eine MRT nötig ist, entscheidet die HNO-Praxis anhand von Hörtest und Beschwerden. Ein deutlicher Hörunterschied zwischen den Ohren macht sie wahrscheinlicher.
Wann es eilt
Kommt der einseitige Tinnitus plötzlich zusammen mit schlechterem Hören, sollte die HNO-Praxis zeitnah aufgesucht werden, ohne abzuwarten. Das gilt auch bei Drehschwindel, Druck im Ohr, Schmerzen oder einem Pochen im Takt des Herzschlags. Bei Lähmungen im Gesicht, Seh- oder Sprachstörungen sofort 112 (Deutschland) oder 144 (Schweiz) wählen.
Wenn die Ursache geklärt ist
Findet sich nichts Bedrohliches, kann dieses Wissen bereits entlasten. Bleibt das Geräusch belastend, setzt die deutsche S3-Leitlinie auf Aufklärung, Hörhilfen bei Hörminderung und tinnitusspezifische kognitive Verhaltenstherapie. Hypnose kann begleitend helfen, gelassener mit dem Geräusch umzugehen.
Das Audio-Programm bei Tinnitus kann helfen, nach der ärztlichen Abklärung zur Ruhe zu kommen und gelassener auf das Ohrgeräusch zu reagieren: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, mit kostenloser Stimmprobe. Begleitend gedacht, kein Ersatz für ärztliche Abklärung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Ist Tinnitus auf einem Ohr gefährlicher als auf beiden?
Nicht unbedingt. Fachleute untersuchen ihn aber gezielter, weil eine Ursache in genau diesem Ohr oder am Hörnerv dahinterstecken kann. Ein Tumor ist dabei nur sehr selten der Grund.
Bedeutet Tinnitus im linken Ohr etwas Besonderes?
Für die Abklärung spielt es keine Rolle, ob das linke oder das rechte Ohr betroffen ist. Wichtig ist, dass das Geräusch nur auf einer Seite auftritt und ob das Hören dort schlechter ist.
Braucht jeder mit einseitigem Tinnitus eine MRT?
Nicht automatisch. Die HNO-Praxis entscheidet nach Untersuchung und Hörtest, ob eine Kernspintomografie sinnvoll ist. Bei einem deutlichen Hörunterschied zwischen beiden Ohren wird sie eher veranlasst.
Kann ein einseitiger Tinnitus vom Nacken kommen?
Das ist möglich. Verspannungen oder Probleme in Nacken oder Kiefer können ein Ohrgeräusch auf derselben Seite beeinflussen. Zuerst sollte aber eine HNO-Untersuchung andere Ursachen ausschließen.
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Quellen (Auswahl)
- Tunkel et al. (2014): Clinical practice guideline: tinnitus, Otolaryngology Head and Neck Surgery 151(2 Suppl) Quelle lesen →
- Javed et al. (2023): Incidence of vestibular schwannoma in patients with unilateral tinnitus: a systematic review and meta-analysis, Otology and Neurotology 44(9) Quelle lesen →
- Hesse, Kastellis & Mazurek (2022): S3-Leitlinie zu chronischem Tinnitus überarbeitet, HNO Nachrichten 52(5), AWMF 017-064 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).