Pfeifen im Ohr einseitig: Was steckt dahinter?
Oft ist die Ursache harmlos, etwa Ohrenschmalz oder eine Erkältung. Weil ein einseitiges Pfeifen aber auch auf einen Hörsturz hinweisen kann, gehört es in HNO-ärztliche Hände.
Die kurze Antwort
Ein Pfeifen nur auf einer Seite hat oft harmlose Gründe, etwa einen Ohrenschmalzpfropf, eine Erkältung mit verlegter Ohrtrompete oder eine einseitige Lärmbelastung. Weil sich hinter einem einseitigen Ohrgeräusch aber auch ein Hörsturz oder seltener eine Erkrankung am Hörnerv verbergen kann, sollte es HNO-ärztlich untersucht werden. Kommt es plötzlich und mit schlechterem Hören, gilt das zeitnah.
Warum die Seite eine Rolle spielt
Viele chronische Ohrgeräusche werden auf beiden Ohren oder im Kopf wahrgenommen. Die amerikanische Tinnitus-Leitlinie zählt einseitigen Tinnitus, neben pulssynchronem Tinnitus, Tinnitus mit Ausfällen der Nerven und Tinnitus mit ungleichem Hörverlust, zu den Situationen, in denen eine Bildgebung angezeigt ist.
Am Anfang stehen deshalb ein Blick in Gehörgang und auf das Trommelfell sowie ein Hörtest. Ob danach eine Kernspintomografie sinnvoll ist, entscheidet die HNO-Praxis anhand dieser Befunde.
Mögliche Ursachen
Im Gehörgang
Ein Pfropf aus Ohrenschmalz kann ein Ohr verschließen und ein Rauschen oder Pfeifen auslösen. Hier hilft die Entfernung in der Praxis, nicht das Wattestäbchen.
Im Mittelohr
Erkältung, Allergie oder ein Druckwechsel beim Fliegen können die Ohrtrompete auf einer Seite verlegen. Auch eine Mittelohrentzündung kann von Ohrgeräuschen begleitet sein.
Lärm von einer Seite
Ein Knall nahe am Ohr, ein laut gestellter Kopfhörer auf einer Seite oder Schüsse treffen oft ein Ohr stärker als das andere.
Im Innenohr
Ein Hörsturz tritt meist einseitig auf und beginnt oft mit einem Ohrgeräusch. Bei Morbus Menière kommt es zu Anfällen mit Drehschwindel, Druckgefühl, schwankendem Hören und Tinnitus auf einer Seite.
Am Hörnerv
Selten steckt ein gutartiger Tumor am Hör- und Gleichgewichtsnerv dahinter, das Vestibularisschwannom, früher Akustikusneurinom genannt. Typisch ist ein langsam zunehmender, einseitiger Hörverlust, oft mit Tinnitus. Eine Kernspintomografie kann ihn nachweisen.
Kiefer und Nacken
Verspannungen oder Probleme im Kiefergelenk auf einer Seite können ein Ohrgeräusch auf derselben Seite beeinflussen. Typisch ist dann, dass sich das Geräusch beim Kauen, Zähnepressen oder Vorschieben des Unterkiefers hörbar verändert.
Wann es eilt
- plötzlicher Hörverlust auf der Seite des Pfeifens: zeitnah in die HNO-Praxis, nicht abwarten
- Drehschwindel, Übelkeit oder Gangunsicherheit
- pulssynchrones Rauschen oder Pochen
- Schmerzen, Fieber oder Ausfluss aus dem Ohr
Bei Lähmungen im Gesicht oder an Armen und Beinen, Seh- oder Sprachstörungen sofort 112 (Deutschland) oder 144 (Schweiz) wählen.
Wenn alles abgeklärt ist
Findet sich keine behandelbare Ursache, setzt die S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“ auf Aufklärung, Hörgeräte bei Hörverlust und tinnitusspezifische kognitive Verhaltenstherapie. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, gelassener mit dem Geräusch umzugehen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Tinnitus setzt auf Entspannung und einen gelasseneren Umgang mit dem Ohrgeräusch, begleitend zur HNO-ärztlichen Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Ist ein Pfeifen nur im linken oder rechten Ohr gefährlich?
Meist nicht, häufige Ursachen sind Ohrenschmalz, Erkältung oder Lärm. Da ein einseitiges Ohrgeräusch aber auch auf einen Hörsturz oder eine Erkrankung am Hörnerv hinweisen kann, sollte es HNO-ärztlich untersucht werden. Die Seite selbst, links oder rechts, sagt dabei nichts über die Ursache aus.
Wann braucht man bei einseitigem Tinnitus ein MRT?
Die Entscheidung trifft die HNO-Praxis nach Hörtest und Untersuchung. Ein einseitiges Ohrgeräusch, besonders mit ungleichem Hörverlust, ist einer der Gründe, die Leitlinien für eine Bildgebung nennen.
Kann Ohrenschmalz ein Pfeifen auf einer Seite auslösen?
Ja. Ein Pfropf kann den Gehörgang verschließen und ein Rauschen oder Pfeifen verursachen. Nach der Entfernung in der Praxis verschwindet das Geräusch dann häufig.
Was tun bei plötzlichem Pfeifen mit dumpfem Ohr?
Hört das Ohr zusätzlich schlechter, kann ein Hörsturz dahinterstecken. Dann zeitnah eine HNO-Praxis aufsuchen und nicht wochenlang abwarten, weil eine Behandlung früh am meisten Sinn ergibt.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Tunkel et al. (2014): Clinical practice guideline: tinnitus, Otolaryngology Head and Neck Surgery 151(2 Suppl)
- Chandrasekhar et al. (2019): Clinical practice guideline: sudden hearing loss (update), Otolaryngology Head and Neck Surgery 161(1 Suppl)
- DGHNO-KHC: S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus, AWMF 017-064
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).