Tinnitus lauter bei Bluthochdruck: Was steckt dahinter?
Bluthochdruck und Tinnitus treffen oft zusammen. Entscheidend ist, ob das Geräusch im Takt des Herzschlags pocht, denn dann sollte es immer abgeklärt werden.
Die kurze Antwort
Bluthochdruck und Tinnitus treten auffällig oft gemeinsam auf, ein Beweis, dass hoher Blutdruck das Ohrgeräusch lauter macht, fehlt aber. Wichtig ist die Art des Geräuschs: Ein Pfeifen oder Rauschen ohne Takt ist meist der übliche Tinnitus. Ein Geräusch im Takt des Herzschlags sollte dagegen immer ärztlich abgeklärt werden.
Was über den Zusammenhang bekannt ist
In einer brasilianischen Studie hatten 44 Prozent der Menschen mit Tinnitus einen Bluthochdruck, in der Vergleichsgruppe ohne Tinnitus 31 Prozent. Tinnitus kam zudem bei Menschen, die bestimmte Blutdruckmittel einnahmen, häufiger vor. Die Autoren vermuten, dass einige dieser Mittel das Gehör beeinflussen könnten, betonen aber, dass das erst untersucht werden muss. Ein solcher Vergleich zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache.
Pulssynchroner Tinnitus: ein eigenes Thema
Hört man ein Rauschen, Pochen oder Wummern im Herzschlag, spricht man von pulssynchronem Tinnitus. Anders als der gewöhnliche Tinnitus hat er häufig eine fassbare Ursache. Eine Übersicht im Deutschen Ärzteblatt beschreibt, dass sich bei etwa drei Vierteln der Betroffenen ein Auslöser findet, etwa Gefäßverengungen, Varianten der Venen, Gefäßfehlbildungen, gefäßreiche Geschwulste oder ein erhöhter Hirndruck. Bei einseitigem pulssynchronem Tinnitus fand sich in der Patientenserie der Autoren deutlich häufiger eine Ursache als bei beidseitigem.
Zur Abklärung gehören Blutdruckmessung, Blutwerte, Hörtest, das Abhören von Hals und Kopf, ein Ultraschall der Halsgefäße und meist eine Bildgebung. Einige dieser Ursachen lassen sich gezielt behandeln, deshalb lohnt sich die Untersuchung.
Blutdruckmedikamente: nicht eigenmächtig ändern
Laut der Übersicht können einzelne Wirkstoffgruppen wie ACE-Hemmer oder Calciumantagonisten einen pulssynchronen Tinnitus begünstigen. Wer einen solchen Zusammenhang vermutet, sollte das Mittel trotzdem nicht selbst absetzen oder die Dosis ändern. Ein unbehandelter Bluthochdruck schadet Herz, Gefäßen und Gehirn. Besser: das Ohrgeräusch in der hausärztlichen Praxis ansprechen, dort lassen sich Alternativen prüfen.
Was im Alltag hilft
- Werte kennen: regelmäßig messen und notieren, auch an Tagen, an denen der Tinnitus lauter ist. Das hilft bei der ärztlichen Einschätzung.
- Anspannung senken: Stress kann den Blutdruck kurzfristig erhöhen und zugleich die Aufmerksamkeit auf das Ohrgeräusch lenken.
- Bewegung, Schlaf und wenig Salz: das tut dem Kreislauf gut und unterstützt die ärztliche Blutdruckbehandlung.
Wann sofort handeln
Ein pulssynchroner, plötzlich neuer oder einseitiger Tinnitus, ein Hörverlust oder Drehschwindel gehören zeitnah in ärztliche Hände. Sehr hohe Blutdruckwerte zusammen mit Brustschmerz, Atemnot, Sehstörungen, starken Kopfschmerzen, Lähmungen oder Sprachstörungen sind ein Notfall: dann sofort den Notruf 112 wählen.
Für den belastenden chronischen Tinnitus empfiehlt die S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“ Aufklärung und tinnitusspezifische kognitive Verhaltenstherapie. Entspannungsverfahren können begleitend helfen, ersetzen aber weder die Abklärung noch die Blutdruckbehandlung.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Tinnitus setzt auf Entspannung und einen gelasseneren Umgang mit dem Ohrgeräusch, begleitend zur ärztlichen Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Kann man seinen Blutdruck im Ohr hören?
In sehr ruhiger Umgebung oder nach Anstrengung hören manche Menschen kurz ihren Puls, etwa beim Liegen auf dem Kissen. Ist das Geräusch dauerhaft da, neu oder einseitig, sollte es ärztlich untersucht werden.
Wird der Tinnitus leiser, wenn der Blutdruck gut eingestellt ist?
Dafür gibt es keine sicheren Belege. Eine gute Einstellung des Blutdrucks bleibt trotzdem wichtig für Herz, Gefäße und Gehirn.
Welche Blutdruckmittel stehen mit Tinnitus in Verbindung?
In Studien fiel Tinnitus bei verschiedenen Wirkstoffgruppen häufiger auf, darunter ACE-Hemmer, Entwässerungsmittel und Calciumantagonisten. Ein ursächlicher Beweis fehlt, und Medikamente sollten nur nach ärztlicher Rücksprache geändert werden.
Welcher Arzt ist bei pulsierendem Tinnitus zuständig?
Erste Anlaufstelle ist die HNO-Praxis, oft in Zusammenarbeit mit der hausärztlichen Praxis. Je nach Befund folgen ein Ultraschall der Halsgefäße und eine Bildgebung wie MRT oder CT.
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Quellen (Auswahl)
- Figueiredo, Azevedo & Penido (2016): Positive association between tinnitus and arterial hypertension, Frontiers in Neurology 7
- Hofmann, Behr, Neumann-Haefelin & Schwager (2013): Pulsatile tinnitus: imaging and differential diagnosis, Deutsches Ärzteblatt International 110(26)
- DGHNO-KHC: S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus, AWMF 017-064
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).