Platzangst im Flugzeug: Was hilft vor und während des Flugs?
Nicht der Absturz macht Angst, sondern das Gefangensein. Was an Bord hilft und warum Tabletten nicht immer die beste Lösung sind.
Die kurze Antwort
Platzangst im Flugzeug entsteht, weil gleich mehrere Auslöser zusammenkommen: ein enger Raum, viele Menschen, keine Möglichkeit, jederzeit auszusteigen. Viele Betroffene haben keine Angst vor einem Absturz, sondern davor, in Panik zu geraten und nicht wegzukönnen. Die gute Nachricht: Die Panik erreicht ihren Höhepunkt meist nach wenigen Minuten und flacht dann ab. Mit Vorbereitung und einfachen Techniken lässt sich ein Flug in vielen Fällen deutlich leichter überstehen.
Warum gerade das Flugzeug
Kein Ausweg
Bei Platzangst, fachlich Agoraphobie, fürchten Betroffene Situationen, aus denen eine Flucht schwierig wäre. Im Flugzeug ist das besonders deutlich: Türen zu, Gurt an, Stunden ohne Ausstieg.
Enge und Menschen
Schmale Sitze, volle Reihen und wenig Bewegungsfreiheit verstärken das Gefühl, gefangen zu sein.
Körpersignale
Druck auf den Ohren, trockene Luft, Turbulenzen: Normale Empfindungen an Bord werden schnell als Zeichen nahender Panik gedeutet.
Erwartungsangst
Oft beginnt die Angst schon Tage vor dem Flug. Die Sorge vor der Panik wird selbst zum stärksten Auslöser.
Was vor und während des Flugs hilft
- Gangplatz buchen: Das Gefühl, jederzeit aufstehen zu können, entlastet viele deutlich.
- Früh einsteigen oder bewusst spät: Probieren Sie aus, ob Ihnen ein ruhiges Ankommen oder möglichst wenig Wartezeit an Bord besser tut.
- Langsam ausatmen: Einatmen auf vier, ausatmen auf sechs bis acht. Ein verlängertes Ausatmen beruhigt den Körper.
- Die Welle abwarten: Panik steigt an, erreicht einen Höhepunkt und fällt wieder ab. Wer das weiß, kämpft weniger dagegen.
- Crew informieren: Flugbegleiter erleben das häufig und können unterstützen.
- Ablenkung vorbereiten: Musik, Hörbuch oder Entspannungsaudio helfen, die Aufmerksamkeit zu lenken.
Und Medikamente wie Tavor?
Viele fragen nach Beruhigungsmitteln für den Flug. Das ist eine ärztliche Entscheidung. Wichtig zu wissen: In einer Studie von Frank Wilhelm und Walton Roth erlebten Flugängstliche unter dem Beruhigungsmittel Alprazolam beim ersten Flug zwar weniger Angst, beim zweiten Flug ohne Medikament aber mehr Panik als die Vergleichsgruppe. Medikamente können also das Lernen verhindern, dass man die Situation auch ohne sie schafft.
Langfristig am besten belegt ist laut S3-Leitlinie Angststörungen die kognitive Verhaltenstherapie mit Konfrontation. Einige Fluggesellschaften und Flughäfen bieten zudem Seminare gegen Flugangst an. Weitere Hilfe bei Platzangst lesen Sie im Ratgeber Was hilft bei Agoraphobie?
Das Audio-Hypnose-Programm bei Platzangst hilft, die Angst vor engen Räumen und fehlendem Ausweg Schritt für Schritt zu verringern, ideal schon in den Wochen vor dem Flug. Es ersetzt keine Therapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Was tun bei Platzangst im Flugzeug?
Einen Gangplatz buchen, langsam und verlängert ausatmen, die Panikwelle abwarten statt dagegen zu kämpfen, die Crew informieren und Ablenkung vorbereiten. Langfristig hilft am besten eine Verhaltenstherapie.
Hilft Tavor gegen Platzangst im Flugzeug?
Das ist eine ärztliche Entscheidung. Eine Studie zeigte, dass ein Beruhigungsmittel beim ersten Flug half, beim späteren Flug ohne Medikament aber mehr Panik auftrat. Medikamente können das Lernen behindern, die Situation selbst zu bewältigen.
Warum habe ich plötzlich Platzangst im Flugzeug?
Oft kommt sie nach einer belastenden Phase, einer ersten Panikattacke an Bord oder durch Erwartungsangst. Enge, viele Menschen und fehlender Ausweg verstärken das Gefühl.
Welcher Sitzplatz ist bei Platzangst am besten?
Vielen hilft ein Gangplatz, weil man jederzeit aufstehen kann. Manche fühlen sich auch in den vorderen Reihen wohler, wo weniger Menschen vor ihnen sitzen.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Wilhelm & Roth (1997): Acute and delayed effects of alprazolam on flight phobics during exposure, Behaviour Research and Therapy 35(9)
- Bandelow et al.: S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, AWMF 051-028
- Oakes & Bor (2010): The psychology of fear of flying (part I): a critical evaluation of current perspectives on the nature, prevalence and etiology of fear of flying, Travel Medicine and Infectious Disease 8(6)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).