Was tun bei Alkoholsucht des Partners?
Kontrollieren, drohen, entschuldigen: Viele Angehörige kennen diesen Kreislauf. Er kostet Kraft und ändert am Trinken wenig. Es gibt einen Weg, der die eigene Gesundheit schützt und dem Partner trotzdem die Tür zur Hilfe offen hält.
Das Wichtigste vorweg
Die Sucht des Partners lässt sich nicht durch Kontrolle, Vorwürfe oder Versprechen beenden. Was Angehörige tun können: aufhören, die Folgen des Trinkens abzufedern, klare Grenzen setzen, im nüchternen Moment Hilfe anbieten und sich selbst Unterstützung holen. Studien zeigen, dass genau dieser Weg die Chance erhöht, dass der Partner eine Behandlung beginnt.
Wenn sich alles um den Alkohol dreht
Viele Angehörige rutschen über Jahre in ein Muster, das oft als Co-Abhängigkeit bezeichnet wird. Der Begriff ist keine Diagnose, beschreibt aber einen häufigen Kreislauf: den Partner beim Arbeitgeber entschuldigen, Flaschen suchen, seine Aufgaben übernehmen, drohen und die Drohung wieder zurücknehmen.
Das geschieht aus Liebe und Sorge. Es führt aber dazu, dass die Folgen des Trinkens beim Partner kaum ankommen. Gleichzeitig wird die eigene Kraft nach und nach aufgebraucht.
Was konkret hilft
Nicht mehr abfedern
Keine Ausreden mehr erfinden, keinen Alkohol besorgen, Schäden nicht stillschweigend beseitigen. Das ist keine Strafe, sondern das Ende eines Schutzes, der das Weitertrinken erleichtert.
Im nüchternen Moment sprechen
Gespräche im Rausch führen selten weiter. Besser ist eine ruhige Phase: beschreiben, was man beobachtet und wie es einem damit geht, statt Vorwürfe zu machen. Dazu gehört ein konkretes Hilfsangebot, etwa die Nummer einer Beratungsstelle.
Grenzen setzen, die man halten kann
Zum Beispiel: „Wenn du getrunken hast, steige ich nicht zu dir ins Auto.“ Eine Grenze wirkt nur, wenn sie auch eingehalten wird. Deshalb lieber wenige, die tatsächlich gelten.
Was Studien zeigen
In einer randomisierten Studie von William Miller und Kollegen lernten Angehörige im Programm CRAFT (Community Reinforcement and Family Training), nüchternes Verhalten zu bestärken, Streit zu entschärfen und günstige Momente für ein Hilfsangebot zu nutzen. 64 Prozent der zuvor unwilligen Trinkenden begannen daraufhin eine Behandlung. Nach einer vorbereiteten Konfrontation waren es 30, nach Vermittlung zu Al-Anon 13 Prozent. Al-Anon will allerdings vor allem die Angehörigen selbst stärken. Eine spätere Übersichtsarbeit bestätigte den Vorteil von CRAFT.
Die deutsche S3-Leitlinie zu alkoholbezogenen Störungen empfiehlt, im Rahmen der Behandlung Angehörigenarbeit und Paartherapie anzubieten.
Hilfe für Angehörige
Die Sucht & Drogen Hotline berät auch Angehörige: 01806 313031, täglich von 8 bis 24 Uhr, 0,20 Euro pro Anruf. Auch örtliche Suchtberatungsstellen sind für Angehörige da. In der Schweiz vermittelt die Al-Anon-Hotline 0848 848 843 Kontakte zu Selbsthilfegruppen.
Bei Gewalt oder Drohungen geht die eigene Sicherheit vor: im Notfall 110, in der Schweiz 117. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar, das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ unter 0800 1239900. In seelischen Krisen hilft die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Ist der Partner zu einer Behandlung bereit, kann ein Entspannungsverfahren wie Hypnose die Suchttherapie begleiten. Ersetzen kann es sie nicht.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Alkoholsucht richtet sich an Betroffene selbst und unterstützt begleitend bei der Stressregulation, nicht als Ersatz für Entzug und Suchttherapie. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Alkoholsucht → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).