Alkoholentzug zu Hause: Wie gefährlich ist das?
Bei körperlicher Abhängigkeit kann ein Entzug ohne ärztliche Begleitung lebensgefährlich werden. Ambulant ist er nur unter klaren Voraussetzungen möglich, allein und ohne Kontrolle nicht.
Ohne ärztliche Begleitung riskant
Für Menschen mit körperlicher Alkoholabhängigkeit kann ein Entzug ohne ärztliche Begleitung gefährlich werden. Mögliche Komplikationen sind Krampfanfälle und ein Alkoholentzugsdelir, ein medizinischer Notfall. Ein Entzug zu Hause ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich, und nur mit einer Ärztin oder einem Arzt, die engmaschig kontrollieren und rund um die Uhr einen Notdienst sicherstellen.
Warum der Entzug gefährlich sein kann
Bei regelmäßigem, starkem Trinken passt sich das Gehirn an den Alkohol an. Fällt er plötzlich weg, gerät das Nervensystem in Übererregung. Laut der deutschen S3-Leitlinie beginnen Entzugszeichen meist sechs bis acht Stunden nach dem Trinkstopp oder einer deutlichen Reduktion:
- Zittern, Schwitzen, Unruhe und Angst
- Übelkeit und Erbrechen
- Herzrasen, erhöhter Blutdruck, leicht erhöhte Temperatur
Der Höhepunkt liegt meist nach 10 bis 30 Stunden. Krampfanfälle treten typischerweise in den ersten 12 bis 48 Stunden auf. Schwere Verläufe mit Krampfanfall oder Delir entwickeln vermutlich weniger als fünf Prozent der Betroffenen, im Voraus lässt sich das aber nicht sicher sagen. Selbst unter heutiger Behandlung verläuft etwa ein Prozent der Entzugsdelire tödlich.
Wann der Entzug in die Klinik gehört
Die Leitlinie empfiehlt eine stationäre Behandlung, wenn ein Risiko für Krampfanfälle oder ein Delir besteht. Sie sollte zudem angeboten werden bei zu erwartenden schweren Entzugssymptomen, schweren körperlichen oder psychischen Begleiterkrankungen, Suizidalität, fehlender sozialer Unterstützung, einem gescheiterten ambulanten Versuch und in der Schwangerschaft. Diese Einschätzung trifft die Ärztin oder der Arzt, nicht die betroffene Person allein.
Wann ein ambulanter Entzug möglich ist
Sind keine schweren Entzugssymptome zu erwarten, besteht ein unterstützendes Umfeld und wird die Behandlung zuverlässig eingehalten, kann ein Entzug ambulant erfolgen, etwa über die Hausarztpraxis oder eine Suchtambulanz. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen, bei Bedarf Medikamente gegen die Entzugssymptome und Vitamin B1 (Thiamin), das einer schweren Schädigung des Gehirns vorbeugen soll. Ein „kalter Entzug“ allein zu Hause ist damit nicht gemeint.
Warnzeichen: sofort Notruf
Bei einem Krampfanfall, Verwirrtheit, Halluzinationen, starkem Zittern mit Herzrasen und Fieber oder Bewusstseinsstörungen sofort den Notruf 112 wählen, in der Schweiz 144. Bis Hilfe eintrifft, die Person nicht allein lassen.
Der Entzug ist erst der Anfang
Die körperliche Entgiftung allein behandelt die Abhängigkeit nicht. Laut Leitlinie sollen im Anschluss möglichst nahtlos weitere Hilfen folgen, etwa Suchtberatung, Entwöhnungsbehandlung oder Selbsthilfe. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder eine Suchtberatungsstelle. Wo die Grenze zwischen Genuss und Risiko liegt, erklärt der Beitrag Wie viel Alkohol ist zu viel?
Hypnose kann in der Zeit danach als Entspannungsverfahren begleiten. Einen ärztlich begleiteten Entzug ersetzt sie nicht.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Alkoholproblemen setzt auf Entspannung und die Stärkung des Entschlusses, ergänzend zu Suchtberatung und ärztlicher Behandlung. Einen medizinisch begleiteten Entzug ersetzt es nicht. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Alkoholsucht → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
Kann man einen Alkoholentzug zu Hause machen?
Ja, aber nur mit ärztlicher Begleitung und wenn keine schweren Entzugssymptome zu erwarten sind. Die S3-Leitlinie verlangt dafür engmaschige Kontrollen, ein unterstützendes Umfeld und einen rund um die Uhr erreichbaren Notdienst.
Wie lange dauern Entzugserscheinungen bei Alkohol?
Die körperlichen Entzugszeichen beginnen meist sechs bis acht Stunden nach dem letzten Konsum, erreichen nach 10 bis 30 Stunden ihren Höhepunkt und lassen nach 40 bis 50 Stunden meist allmählich nach. Schlafprobleme und innere Unruhe können länger anhalten.
Was ist ein Alkoholentzugsdelir?
Ein schwerer Verwirrtheitszustand mit Desorientierung, Halluzinationen, Zittern, Schwitzen und Herzrasen. Es ist ein medizinischer Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.
Ist es gefährlich, die Trinkmenge plötzlich stark zu senken?
Bei körperlicher Abhängigkeit ja, denn auch eine deutliche Reduktion kann Entzugssymptome auslösen. Die Leitlinie empfiehlt, über die Risiken eines unüberwachten Trinkstopps aufzuklären. Wer regelmäßig viel trinkt und aufhören möchte, sollte das vorher mit der Hausarztpraxis besprechen.
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Quellen (Auswahl)
- DGPPN/DG-Sucht: S3-Leitlinie Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen, AWMF 076-001
- Schuckit (2014): Recognition and management of withdrawal delirium (delirium tremens), New England Journal of Medicine 371(22)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).