Alkoholkranker Partner wird aggressiv: Was tun?
Ihre Sicherheit geht vor. Warum Alkohol die Hemmschwelle senkt, wie Sie sich in der Situation schützen und welche Hilfe es für Sie gibt.
Die kurze Antwort
Wird ein alkoholkranker Partner aggressiv, hat Ihre Sicherheit Vorrang vor allem anderen. Alkohol senkt die Hemmschwelle und gilt als bekannter Risikofaktor für Gewalt in Partnerschaften, wie eine Metaanalyse von Foran und O’Leary zeigt. Diskutieren Sie nicht mit einem betrunkenen Partner, verlassen Sie bei Bedrohung die Situation und holen Sie sich Unterstützung. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar, im Notfall die 112.
Warum Alkohol aggressiv machen kann
Weniger Kontrolle
Alkohol dämpft die Hirnregionen, die Impulse bremsen. Ärger, der nüchtern zurückgehalten wird, bricht im Rausch leichter durch.
Verzerrte Wahrnehmung
Betrunkene deuten Blicke, Worte oder Gesten eher als Provokation. Harmlose Situationen kippen schnell.
Entzug und Scham
Auch in der Phase vor dem nächsten Trinken, bei Entzugserscheinungen, sind viele Betroffene gereizt. Dazu kommt Scham über die eigene Sucht, die sich als Wut gegen den Partner richtet.
Wichtig: Alkohol erklärt Aggression, er entschuldigt sie nicht. Gewalt ist nie Ihre Schuld.
Was Sie in der Situation tun können
- Nicht diskutieren: Mit einem Betrunkenen lassen sich Konflikte nicht lösen. Gespräche auf nüchterne Momente verschieben.
- Abstand schaffen: Den Raum oder die Wohnung verlassen, wenn die Stimmung kippt. Ein Fluchtweg und ein geladenes Handy helfen.
- Kinder schützen: Kinder aus der Situation bringen und ihnen erklären, dass sie keine Schuld haben.
- Notruf wählen: Bei Bedrohung oder Gewalt sofort die 110 oder 112. Die Polizei kann den Partner der Wohnung verweisen.
Wie es weitergehen kann
Viele Angehörige hoffen, dass die Aggression aufhört, wenn der Partner weniger trinkt. Das kann passieren, ist aber nicht sicher. Hilfreich ist ein Sicherheitsplan: Wohin können Sie gehen, wer kann Sie aufnehmen, wo liegen wichtige Dokumente? Beratungsstellen helfen, diesen Plan zu erstellen. Ob Sie bleiben oder gehen, entscheiden Sie. Beides verdient Unterstützung.
Halten Sie Vorfälle schriftlich fest, mit Datum, Uhrzeit und dem, was passiert ist. Fotos von Verletzungen und ein ärztlicher Befund können später wichtig sein, etwa für eine Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz.
Auch für Sie selbst gibt es Hilfe: Suchtberatungsstellen beraten Angehörige, Gruppen wie Al-Anon bieten Austausch mit Menschen in ähnlicher Lage. Männer, die Gewalt erleben, erreichen das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 99 00. Wie Sie grundsätzlich mit der Sucht des Partners umgehen, lesen Sie im Ratgeber Was tun bei Alkoholsucht des Partners?
Das Audio-Hypnose-Programm bei häuslicher Gewalt unterstützt dabei, Anspannung und Angst zu lindern und innere Stärke zurückzugewinnen. Es ersetzt keine Beratung und keinen Schutz in akuter Gefahr. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Was tun, wenn der alkoholkranke Partner aggressiv wird?
Nicht diskutieren, Abstand schaffen und bei Bedrohung die Situation verlassen. Bei Gewalt sofort 110 oder 112 wählen. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar.
Warum werden manche Menschen unter Alkohol aggressiv?
Alkohol dämpft die Impulskontrolle und verzerrt die Wahrnehmung, sodass Situationen eher als Provokation gedeutet werden. Das erklärt Aggression, entschuldigt sie aber nicht.
Hört die Aggression auf, wenn mein Partner aufhört zu trinken?
Manchmal, aber nicht sicher. Aggression kann auch andere Ursachen haben. Deshalb ist ein eigener Sicherheitsplan wichtig, unabhängig davon, ob der Partner eine Therapie beginnt.
Wo finden Angehörige von aggressiven Alkoholikern Hilfe?
Beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (116 016), beim Hilfetelefon Gewalt an Männern (0800 123 99 00), bei Suchtberatungsstellen, Frauenhäusern und in Gruppen wie Al-Anon.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Foran & O’Leary (2008): Alcohol and intimate partner violence: a meta-analytic review, Clinical Psychology Review 28(7)
- BMFSFJ: Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, 116 016
- DHS: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Hilfe für Angehörige
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).