Was tun bei Online-Kaufsucht?
Ein Klick, und aus dem Impuls wird eine Bestellung. Die deutsche Leitlinie zu Internetnutzungsstörungen beschreibt, was die Online-Form der Kaufsucht besonders macht und welche Schritte helfen.
Die kurze Antwort
Wer beim Online-Shopping die Kontrolle verliert, sollte an drei Stellen ansetzen: an den Auslösern im Alltag, an der Leichtigkeit des Zugriffs und, bei deutlichem Leidensdruck, mit einer kognitiven Verhaltenstherapie. Genau diese empfiehlt die deutsche Leitlinie zu Internetnutzungsstörungen. Bestehen bereits Schulden, hat die Schuldnerberatung Vorrang.
Was am Online-Kaufen anders ist
Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von Internetnutzungsstörungen“ widmet der vorwiegend online ausgeführten Shoppingstörung einen eigenen Abschnitt. Sie beschreibt das Einkaufen im Netz als anonymer, bequemer und schneller als im Laden, unabhängig von Zeit, Ort und körperlichen Ressourcen. Dazu kommen personalisierte Werbung, Influencer-Marketing und die Option „jetzt kaufen, später zahlen“.
Typisch ist nicht nur das Bestellen, sondern auch stundenlanges Stöbern und Recherchieren. Das Shopping rückt vor Pflichten und Freizeit, etwa während der Arbeit oder im Beisein anderer Menschen.
Eine Studie von Patrick Trotzke und Kollegen fand, dass bestimmte Erwartungen an das Online-Shopping den Zusammenhang zwischen Kauferregung und Online-Kaufsucht teilweise erklärten. Das deutet auf Parallelen zu einer spezifischen Internetnutzungsstörung hin.
Wie häufig ist das?
In einer Auswertung von Astrid Müller und Kollegen gaben 33,6 Prozent von 122 Menschen, die wegen Kaufsucht eine Therapie suchten, exzessives Online-Shopping an. Wer online stark betroffen war, hatte insgesamt eine schwerere Symptomatik. Zahlen für die Gesamtbevölkerung gibt es bislang nicht.
Was konkret hilft
Ehrlich hinschauen
Bestellungen und offene Rechnungen vollständig auflisten. Zur Einschätzung nennt die Leitlinie unter anderem den Pathological Buying Screener, einen Fragebogen mit 13 Fragen, der in einer Beratung eingesetzt werden kann.
Auslöser erkennen
Wann öffnet sich die Shopping-App? Abends allein, nach Streit, aus Langeweile? Oft ist schon das Stöbern Teil des Musters, nicht erst der Klick auf „Kaufen“.
Zugriff erschweren, aber nicht nur das
Apps löschen und gespeicherte Zahlungsdaten entfernen schafft Zeit zwischen Impuls und Kauf. Die Leitlinie berichtet aber, dass manche Betroffene nach einer Sperre in den Laden ausweichen. Sperren lösen nicht das Bedürfnis dahinter.
Professionelle Hilfe
Empfohlen ist eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie, eine rein medikamentöse Behandlung dagegen nicht. Speziell zur Online-Form gibt es noch keine Behandlungsstudien. Die Empfehlung stützt sich auf Studien zur Kaufsucht allgemein und auf Expertenkonsens. Erste Anlaufstellen sind Hausarztpraxis, psychotherapeutische Sprechstunde oder Suchtberatung. Bei Schulden zuerst zur Schuldnerberatung, etwa bei der Verbraucherzentrale.
Hypnose ist bei Online-Kaufsucht nicht untersucht. Als Entspannungsverfahren kann sie begleitend helfen, die Anspannung vor dem Kaufimpuls zu senken. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Kaufsucht setzt an der Anspannung an, die dem Kaufimpuls vorausgeht. Es wirkt begleitend und ersetzt weder Verhaltenstherapie noch Schuldnerberatung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Kaufsucht → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).