Wie viel Alkohol ist zu viel?
Die ehrliche Antwort hat sich in den letzten Jahren verändert: Eine sichere Menge gibt es nach heutigem Wissen nicht. Es gibt aber klare Abstufungen und Warnzeichen, die unabhängig von der Menge ernst zu nehmen sind.
Die kurze Antwort: Eine sichere Menge gibt es nicht
Lange galt ein Glas Wein am Tag als unbedenklich, manchmal sogar als gesund. Diese Sicht ist überholt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt seit 2024, auf alkoholische Getränke zu verzichten, weil sich keine Menge als risikofrei erwiesen hat. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sieht es ebenso: Am besten für die Gesundheit ist kein Alkohol, und wer trinkt, sollte so wenig wie möglich trinken.
Warum sich die Empfehlungen geändert haben
Ältere Studien schienen zu zeigen, dass Menschen mit mäßigem Konsum länger leben als Abstinente. Später wurde klar: Unter den „Nichttrinkern“ waren viele ehemalige Trinker und Menschen mit Vorerkrankungen. Neuere Auswertungen zeigen für Erkrankungen wie Bluthochdruck und Brustkrebs, dass das Risiko schon bei kleinen Mengen steigt und mit jedem weiteren Glas wächst.
Die Abstufungen der DGE
Für gesunde Erwachsene, die dennoch trinken, nennt die DGE Orientierungswerte pro Woche:
- risikoarm: weniger als 27 Gramm reiner Alkohol, das sind ein bis zwei kleine Flaschen Bier oder ein bis zwei kleine Gläser Wein
- moderates Risiko: 27 bis 81 Gramm, also bis zu etwa vier Halbliterflaschen Bier oder fünf kleinen Gläsern Wein
- hohes Risiko: mehr als 81 Gramm
Zur Einordnung: Ein Glas Wein mit 0,2 Litern enthält rund 19 Gramm Alkohol. Wer an drei Abenden pro Woche je zwei solche Gläser trinkt, liegt mit über 110 Gramm bereits im hohen Bereich. Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollen ganz auf Alkohol verzichten. Rauschtrinken, laut DHS ab fünf Getränken bei Männern und vier bei Frauen zu einer Gelegenheit, sollte grundsätzlich vermieden werden.
Wann aus Gewohnheit Abhängigkeit wird
Die Menge allein sagt nicht, ob eine Abhängigkeit besteht. Die WHO-Klassifikation ICD-11 beschreibt sie als starken inneren Drang zu trinken, der sich in drei Bereichen zeigt:
- Kontrollverlust: Es wird öfter oder mehr getrunken als geplant, Vorsätze scheitern, häufig begleitet von starkem Verlangen.
- Vorrang: Alkohol wird wichtiger als Hobbys, Pflichten oder Beziehungen, und es wird trotz spürbarer Schäden weitergetrunken.
- körperliche Zeichen: Man verträgt immer mehr, oder es treten Entzugssymptome auf, die mit Alkohol gelindert werden.
Sind mindestens zwei Bereiche betroffen, meist über zwölf Monate, bei täglichem Trinken schon über drei Monate, spricht man von Abhängigkeit.
Wann Hilfe sinnvoll ist
Ein Gespräch in einer Suchtberatungsstelle oder in der Hausarztpraxis lohnt sich schon vor einer Abhängigkeit. Die Beratung ist vertraulich. Wer über längere Zeit täglich trinkt, sollte nicht abrupt aufhören, sondern den Entzug ärztlich begleiten lassen. Telefonisch hilft die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031, in der Schweiz berät SafeZone.ch anonym online.
Entspannungsverfahren wie Hypnose können helfen, abends ohne Glas zur Ruhe zu kommen. Eine Abhängigkeit behandeln sie nicht, sie begleiten die Behandlung höchstens.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Alkoholproblemen setzt an Anspannung und Gewohnheit an, begleitend zu Beratung oder Behandlung und nicht als Ersatz. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Alkoholsucht → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
Ist ein Glas Wein am Tag gesund?
Nach heutigem Wissen nicht. Frühere Studien, die das nahelegten, hatten methodische Schwächen, und für viele Erkrankungen steigt das Risiko schon bei kleinen Mengen. DGE und DHS raten deshalb, möglichst wenig oder gar nicht zu trinken.
Wie viel Alkohol gilt pro Woche als risikoarm?
Die DGE nennt für gesunde Erwachsene weniger als 27 Gramm reinen Alkohol pro Woche, das sind ein bis zwei kleine Gläser Wein oder kleine Flaschen Bier. Risikofrei ist nur der Verzicht.
Ab wann spricht man von Rauschtrinken?
Die DHS spricht von Rauschkonsum ab fünf Getränken bei Männern und vier bei Frauen zu einer Gelegenheit. Solche Mengen sollten grundsätzlich vermieden werden, weil Vergiftungs-, Sturz- und Unfallgefahr steigen.
Kann man nach langem täglichem Trinken einfach aufhören?
Davon ist abzuraten. Nach längerem täglichem Konsum kann ein abrupter Entzug gefährlich werden, bis hin zu Krampfanfällen. Der Ausstieg sollte dann ärztlich begleitet werden.
Verwandte Themen
Quellen (Auswahl)
- Richter et al. für die DGE (2024): Alkohol: Zufuhr in Deutschland, gesundheitliche sowie soziale Folgen und Ableitung von Handlungsempfehlungen, Ernährungs Umschau 71(10)
- DHS (2023, 2025): Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol, Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen
- WHO: ICD-11, 6C40.2 Alcohol dependence
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).