Warum ist Tinnitus mal laut, mal leise?
Schwankungen gehören bei Tinnitus zum typischen Bild. Sie zeigen vor allem, dass die Lautstärke nicht nur vom Ohr abhängt, und genau darin liegt eine Chance.
Schwankungen sind die Regel, nicht die Ausnahme
Morgens kaum hörbar, abends schrill. Am Wochenende leiser, nach einem langen Arbeitstag lauter. Viele Menschen mit Tinnitus beobachten, dass ihr Ohrgeräusch nicht gleich bleibt, und fragen sich, ob das ein schlechtes Zeichen ist. In den meisten Fällen ist es das nicht. Schwankungen gehören zum typischen Bild und zeigen vor allem eines: Die Lautstärke hängt nicht nur vom Ohr ab.
Warum der Tinnitus mal lauter, mal leiser ist
Die Umgebung
Tagsüber überdecken Geräusche das Ohrgeräusch zum Teil. In der Stille des Abends oder der Nacht fällt diese Maskierung weg. Der Tinnitus selbst wird dadurch nicht lauter, er wird nur deutlicher wahrgenommen.
Aufmerksamkeit und Anspannung
Das Gehirn entscheidet mit, wie wichtig ein Signal ist. Wer angespannt ist, sich Sorgen macht oder gezielt hineinhört, gibt dem Geräusch mehr Gewicht. Bei Ablenkung, Entspannung und guter Stimmung tritt es in den Hintergrund. Das erklärt, warum viele Betroffene an entspannten Tagen weniger bemerken.
Kiefer und Nacken
Bei einem Teil der Betroffenen lässt sich der Tinnitus durch Bewegungen verändern: Kiefer vorschieben, Zähne zusammenbeißen, Kopf drehen. Nerven aus diesen Bereichen sind im Hirnstamm mit der Hörbahn verbunden. Verspannungen nach einem Tag am Schreibtisch oder nächtliches Zähnepressen können den Tinnitus deshalb vorübergehend verstärken.
Schlaf und Erschöpfung
Nach schlechten Nächten fällt es dem Gehirn schwerer, Reize herauszufiltern. Viele erleben ihr Ohrgeräusch dann als aufdringlicher.
Lärm
Nach einem Konzert, lauter Arbeit oder einem vollen Restaurant ist der Tinnitus bei vielen für Stunden bis Tage lauter. Das ist ein Signal, das Gehör in Zukunft besser zu schützen.
Und Kaffee?
Oft wird geraten, auf Koffein zu verzichten. Eine große Langzeitstudie mit über 65.000 Frauen fand jedoch keinen Hinweis, dass Koffein Tinnitus auslöst, im Gegenteil: Frauen mit höherem Koffeinkonsum entwickelten seltener einen Tinnitus. Wer keinen persönlichen Zusammenhang bemerkt, muss seinen Kaffee also nicht streichen.
Wann die Schwankung abgeklärt werden sollte
Treten zusammen mit dem lauteren Tinnitus Drehschwindel, ein Druckgefühl im Ohr oder eine Hörminderung auf, gehört das zeitnah in HNO-ärztliche Hände. Solche Anfälle können auf eine Erkrankung des Innenohrs hindeuten. Das gilt auch für einen plötzlich neu auftretenden oder einseitigen Tinnitus.
Was hilft, die Ausschläge zu glätten
Die S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“ setzt auf Aufklärung und tinnitusspezifische kognitive Verhaltenstherapie, die den Umgang mit dem Geräusch verändert. Im Alltag helfen ein leises Hintergrundgeräusch am Abend, Gehörschutz bei Lärm, Pausen für Kiefer und Nacken sowie Entspannungsverfahren wie Hypnose, die an der Anspannung ansetzen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Tinnitus setzt auf Entspannung und einen gelasseneren Umgang mit dem Ohrgeräusch, begleitend zur HNO-ärztlichen Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Programm bei Tinnitus → Alle Programme im Jahresabo →Häufige Fragen
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).