Warum schmerzt Arthrose bei Wetterwechsel?
Fast jeder mit Arthrose kennt es: Vor Regen und bei Kälte wird es schlimmer. Die Forschung ist uneinheitlich – die wirksamen Maßnahmen sind es nicht.
Die Beobachtung ist verbreitet – die Erklärung umstritten
Sehr viele Menschen mit Arthrose berichten, dass sie Wetterwechsel in den Gelenken spüren. Vor allem vor Regen und Kälteeinbrüchen nehmen die Schmerzen zu.
Die Forschung dazu ist uneinheitlich. Einige Studien finden Zusammenhänge mit Luftdruck oder Luftfeuchtigkeit, andere mit großen Datenmengen finden keine. Das heißt nicht, dass die Wahrnehmung falsch ist – aber die Ursache liegt vermutlich woanders als beim Luftdruck allein.
Was plausibel dahintersteckt
Kälte verändert das Gewebe
Bei niedrigen Temperaturen ziehen sich Blutgefäße zusammen, die Durchblutung von Muskeln und Gelenkkapsel nimmt ab. Die Gelenkflüssigkeit wird zähflüssiger, was die Beweglichkeit einschränkt – ein Grund für die Steifigkeit, die viele bei Kälte beschreiben.
Zusätzlich erhöht Kälte die Muskelspannung. Verspannte Muskulatur um ein arthrotisches Gelenk verstärkt die Belastung auf den Knorpel.
Weniger Bewegung bei schlechtem Wetter
Das ist vermutlich der wichtigste Faktor. Bei Regen und Kälte bleiben die meisten Menschen drinnen und bewegen sich weniger.
Für Arthrose ist das ungünstig: Knorpel hat keine eigene Blutversorgung und wird durch Bewegung ernährt – Belastung und Entlastung pumpen Nährstoffe hinein. Weniger Bewegung bedeutet schlechtere Knorpelernährung und mehr Steifigkeit. Bewegung gehört deshalb zu den am besten belegten Maßnahmen bei Arthrose.
Stimmung und Schmerzwahrnehmung
Graues Wetter drückt bei vielen die Stimmung, und die Stimmung beeinflusst das Schmerzempfinden messbar. Dieselbe Gelenkveränderung kann an einem trüben Novembertag stärker schmerzen als im Sommerurlaub.
Erwartung prägt Wahrnehmung
Wer gelernt hat, dass Wetterwechsel Schmerzen bringen, achtet bei aufziehendem Regen stärker auf die Gelenke. Das ist kein Vorwurf – Aufmerksamkeitslenkung verändert Schmerzwahrnehmung nachweislich.
Was daraus folgt
Unabhängig davon, wie stark der Wettereinfluss tatsächlich ist: Die praktischen Schlussfolgerungen sind dieselben.
Bewegung auch bei schlechtem Wetter
Der wichtigste Punkt. Wenn draußen nicht geht: Schwimmen, Radergometer, Gymnastik, Warmwasserbewegung. Regelmäßigkeit ist entscheidender als Intensität.
Wärme nutzen
Wärme entspannt die Muskulatur und verbessert die Durchblutung. Warme Bäder, Wärmepflaster, warme Kleidung an den betroffenen Gelenken. Bei aktivierter, entzündeter Arthrose mit Rötung und Überwärmung ist dagegen Kühlung angezeigt.
Muskulatur aufbauen
Kräftige Muskulatur entlastet das Gelenk. Krafttraining ist bei Arthrose ausdrücklich empfohlen – entgegen der verbreiteten Sorge, Belastung schade dem Gelenk.
Gewicht beachten
Bei Knie- und Hüftarthrose wirkt Gewichtsreduktion unmittelbar entlastend – und wirkt zusätzlich über entzündliche Botenstoffe aus dem Fettgewebe.
Was bei Arthrose wirklich gesichert ist
Die Leitlinien nennen übereinstimmend als Basis: Bewegung, Kräftigung, Gewichtsmanagement und Aufklärung. Medikamente und operative Verfahren kommen ergänzend hinzu. Arthrose ist nicht heilbar, ihr Verlauf aber beeinflussbar.
Wo Entspannungsverfahren ansetzen
Arthrose ist eine Gelenkerkrankung und wird orthopädisch behandelt. Entspannungsverfahren verändern den Knorpel nicht. Sie setzen an muskulärer Anspannung und an der Schmerzwahrnehmung an – beides beeinflusst, wie stark die Beschwerden erlebt werden.
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).