Warum bekommt man Morbus Crohn?
Eine Fehlsteuerung des Immunsystems gegen die eigene Darmschleimhaut. Die Ursachen sind vielschichtig – und einer der stärksten Faktoren ist beeinflussbar.
Eine Fehlsteuerung des Immunsystems
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Das Immunsystem richtet sich gegen die eigene Darmschleimhaut und verursacht Entzündungen, die den gesamten Verdauungstrakt betreffen können – am häufigsten den letzten Dünndarmabschnitt und den Dickdarm.
Anders als bei Colitis ulcerosa kann die Entzündung alle Wandschichten durchdringen und tritt in Abschnitten auf, mit gesunden Bereichen dazwischen.
Warum das Immunsystem fehlreagiert
Genetische Veranlagung
Über 200 Genvarianten wurden mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in Verbindung gebracht. Die bekannteste betrifft das NOD2-Gen, das an der bakteriellen Erkennung im Darm beteiligt ist. Angehörige ersten Grades haben ein erhöhtes Risiko.
Die Veranlagung allein löst die Erkrankung nicht aus – sonst würden eineiige Zwillinge immer beide erkranken, was nicht der Fall ist.
Die Darmbarriere
Bei Betroffenen ist die Schleimhautbarriere durchlässiger. Bakterielle Bestandteile gelangen dadurch leichter in die Darmwand und lösen dort eine Immunantwort aus. Ob die gestörte Barriere Ursache oder Folge ist, ist noch nicht abschließend geklärt.
Das Mikrobiom
Die Zusammensetzung der Darmbakterien unterscheidet sich von der Gesunder: weniger Vielfalt, weniger entzündungshemmende Arten. Auch hier ist die Richtung des Zusammenhangs nicht vollständig geklärt.
Umweltfaktoren
Rauchen ist der bestbelegte beeinflussbare Risikofaktor. Es erhöht das Erkrankungsrisiko und verschlechtert den Verlauf deutlich: mehr Schübe, mehr Operationen. Rauchstopp ist bei Morbus Crohn eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen überhaupt.
Weitere diskutierte Faktoren sind stark verarbeitete Lebensmittel, bestimmte Zusatzstoffe und häufige Antibiotikagaben in der Kindheit.
Welche Rolle Stress spielt – und welche nicht
Stress verursacht Morbus Crohn nicht. Diese Klarstellung ist wichtig, weil Betroffene oft hören, sie seien selbst schuld oder müssten nur entspannter werden.
Belegt ist etwas anderes: Anhaltende Belastung kann mit einem erhöhten Risiko für Schübe einhergehen. Die Achse zwischen Darm und Nervensystem ist real, und Stresshormone beeinflussen Entzündungsprozesse und Darmbewegung.
Umgekehrt gilt genauso: Die Erkrankung selbst belastet erheblich – Schmerzen, Durchfälle, Unplanbarkeit, häufige Toilettengänge. Depressive Symptome und Angst sind bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen deutlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Beides bedingt sich gegenseitig.
Was die Behandlung ausmacht
- Medikamentöse Therapie: Je nach Verlauf Kortison im Schub, dazu Immunsuppressiva oder Biologika zur Remissionserhaltung. Die Behandlung gehört in gastroenterologische Hände.
- Rauchstopp: Die wirksamste Einzelmaßnahme, die Betroffene selbst beeinflussen können.
- Ernährung: Es gibt keine allgemeingültige Crohn-Diät. Individuelle Unverträglichkeiten werden dokumentiert, der Ernährungszustand überwacht – Mangelernährung ist ein häufiges Problem.
- Psychosoziale Begleitung: Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, psychische Belastung mitzubehandeln – nicht weil die Erkrankung psychisch bedingt wäre, sondern weil sie psychisch belastet.
Wo Entspannungsverfahren ansetzen
Sie behandeln die Entzündung nicht und ersetzen keine Medikation. Untersuchungen zu darmbezogener Hypnose bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zeigen Effekte auf Lebensqualität und Beschwerdelast. Als Ergänzung zur gastroenterologischen Behandlung – nie als Ersatz und nie als Grund, Medikamente abzusetzen.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Morbus Crohn setzt an Anspannung und Krankheitsbelastung an – ergänzend zur gastroenterologischen Behandlung. Es ersetzt keine Medikation und ist kein Grund, sie abzusetzen. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
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Quellen (Auswahl)
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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).