Schnuller als Erwachsener: Warum manche nuckeln und was dahintersteht
Abends mit Schnuller einschlafen und niemandem davon erzählen: Das kennen mehr Erwachsene, als man denkt. Was hinter dem Nuckeln stecken kann, wann es unbedenklich ist und wann ein genauerer Blick lohnt.
Die kurze Antwort
Einen Schnuller als Erwachsener zu benutzen, ist seltener als Daumenlutschen, aber kein Grund zur Scham. Für manche ist das Nuckeln eine vertraute Art, sich zu beruhigen, etwa beim Einschlafen oder nach einem anstrengenden Tag. Ein Problem wird es erst, wenn Zähne, Kiefer oder Schlaf leiden, wenn Scham den Alltag belastet oder wenn der Wunsch besteht aufzuhören und es nicht gelingt.
Warum Saugen beruhigen kann
Saugen gehört zu den frühesten Wegen, mit denen sich Menschen selbst beruhigen. Eine Übersichtsarbeit von Uvnäs-Moberg und Kolleginnen (2014) beschreibt, dass sanfte Reize wie Berührung, Wärme und auch Saugen mit der Ausschüttung des Hormons Oxytocin verbunden sind, das mit Wohlbefinden und weniger Stress in Zusammenhang gebracht wird. Für das Nuckeln Erwachsener ist das eine plausible Erklärung, gezielt untersucht ist es kaum.
In einer kleinen Studie von Ko und Kollegen (2024) mit 45 Studierenden zeigten Teilnehmende, die ihren vertrauten Gegenstand nach einer Stresssituation berühren durften, körperliche Zeichen besserer Erholung als jene, die ihn nur bei sich trugen. Ein Schnuller kann für manche eine ähnliche Rolle spielen.
Ganz unterschiedliche Hintergründe
Manche haben als Kind nie ganz aufgehört, andere greifen in belastenden Zeiten neu zum Schnuller. Für einige ist er ein Einschlafritual, für andere Teil eines bewusst gewählten, privaten Lebensstils. Das ist zunächst eine persönliche Angelegenheit. Aussagekräftiger als das Nuckeln selbst ist, ob es guttut oder eher Druck, Scham oder das Gefühl erzeugt, nicht ohne zu können.
Worauf bei Zähnen und Kiefer zu achten ist
Nach der Gleichgewichtstheorie des Kieferorthopäden Proffit (1978) prägen vor allem dauerhaft wirkende Kräfte, etwa von Zunge und Lippen, die Lage der Zähne. Ein Schnuller, der jede Nacht stundenlang im Mund liegt, ist deshalb anders zu bewerten als ein kurzer Moment am Abend. Bei Kieferschmerzen, Knacken, Druckstellen oder einem veränderten Biss lohnt ein Termin in der Zahnarztpraxis.
Wenn der Wunsch besteht aufzuhören
Für verwandte Gewohnheiten wie Daumenlutschen oder Nägelkauen ist das Habit-Reversal-Training gut untersucht. Eine Metaanalyse von Bate und Kollegen (2011) mit 18 Studien fand dafür insgesamt deutliche Effekte. Man lernt dabei, den Moment des Griffs zum Schnuller zu bemerken und eine andere Handlung an seine Stelle zu setzen. Ein erster Schritt kann sein, den Schnuller nur noch zum Einschlafen zu nutzen.
Abgrenzung
Um das Lutschen am Daumen und seine Hintergründe geht es im Beitrag psychologische Ursachen von Daumenlutschen bei Erwachsenen. Wer nur mit dem Daumen einschlafen kann, findet Hinweise unter Als Erwachsener nur mit Daumen einschlafen. Stehen hinter dem Nuckeln starke Angst, Einsamkeit oder belastende Erinnerungen, kann ein Gespräch in einer psychotherapeutischen Praxis entlasten.
Das Audio-Programm bei Daumenlutschen richtet sich an Erwachsene, die eine Saug-Gewohnheit lösen möchten, und kann auch beim Schnuller helfen, abends auf andere Weise zur Ruhe zu kommen: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Es ist auch im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten, etwa zusammen mit Stress und Schlafstörungen. Begleitend gedacht, kein Ersatz für zahnärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Häufige Fragen
Ist es peinlich, als Erwachsener mit Schnuller einzuschlafen?
Viele sprechen aus Scham nicht darüber, ein Grund zur Peinlichkeit ist es aber nicht. Wer damit gut schläft und keine Beschwerden an Zähnen oder Kiefer hat, muss nichts ändern. Entscheidend ist, ob es einem selbst damit gut geht.
Schadet ein Schnuller den Zähnen von Erwachsenen?
Bei Erwachsenen sind die Zähne fertig entwickelt, trotzdem können langer, regelmäßiger Druck und eine veränderte Zungenlage auf Biss und Kiefer wirken. Gut untersucht ist das bei Erwachsenen kaum. Bei Schmerzen, Knacken im Kiefer oder einem veränderten Biss ist die Zahnarztpraxis die richtige Adresse.
Wie spreche ich mit meinem Partner über meinen Schnuller?
Hilfreich sind ein ruhiger Moment und eine einfache Erklärung, etwa dass das Nuckeln beim Einschlafen beruhigt. Es ist eine Gewohnheit und kein Geständnis, Rechtfertigungsdruck braucht es nicht. Wer es lieber für sich behalten möchte, darf auch das entscheiden.
Warum habe ich als Erwachsener wieder angefangen zu nuckeln?
Häufig fällt der Neubeginn in Zeiten mit viel Stress, Trennung, Schlafproblemen oder Einsamkeit. Das Nuckeln kann dann eine früh gelernte Art der Beruhigung wiederbeleben. Hält die Belastung an, kann es helfen, auch deren Ursache anzugehen, statt nur das Nuckeln zu bekämpfen.
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Quellen (Auswahl)
- Uvnäs-Moberg, Handlin & Petersson (2014): Self-soothing behaviors with particular reference to oxytocin release induced by non-noxious sensory stimulation, Frontiers in Psychology 5 Quelle lesen →
- Ko et al. (2024): Exploring the relationship between transitional object attachment and emotion regulation in college students, Healthcare 13(1) Quelle lesen →
- Proffit (1978): Equilibrium theory revisited: factors influencing position of the teeth, The Angle Orthodontist 48(3) Quelle lesen →
- Bate et al. (2011): The efficacy of habit reversal therapy for tics, habit disorders, and stuttering: a meta-analytic review, Clinical Psychology Review 31(5) Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).