Panik, wenn das Kind krank ist: Ruhig bleiben und Warnzeichen kennen
Fieber in der Nacht, ein seltsamer Husten, und plötzlich rast das eigene Herz. Wie sich echte Warnzeichen von Sorgen unterscheiden lassen und was im Moment hilft.
Die kurze Antwort
Panik, wenn das Kind krank ist, ist eine sehr menschliche Reaktion: Das Kind leidet, und man will alles richtig machen. Die meisten Infekte bei Kindern verlaufen harmlos, auch mit Fieber. Am meisten beruhigt es, die Warnzeichen zu kennen, bei denen ärztliche Hilfe nötig ist. Dann lässt sich klarer entscheiden, ob Abwarten, die Kinderarztpraxis, der Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder der Notruf 112 richtig ist.
Wann sofort Hilfe nötig ist
Bei Atemnot, blau verfärbten Lippen, Bewusstlosigkeit oder einem Krampfanfall ist der Notruf 112 richtig. Auch beim ersten Fieberkrampf raten Apothekerinnen und Ärzte, den Notarzt zu rufen, selbst wenn der Krampf meist endet, bevor Hilfe eintrifft.
Laut dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums ist ein Arztbesuch nötig, wenn das Fieber über 39 Grad steigt, bei Säuglingen über 38 Grad, wenn es länger als drei Tage anhält oder nach einem Fieberkrampf. Weitere Warnzeichen sind unter anderem ein steifer Nacken, Teilnahmslosigkeit oder Verwirrtheit, ein Hautausschlag und anhaltende Trinkverweigerung. Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt schon 38 Grad als Fieber.
Außerhalb der Praxiszeiten ist in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 rund um die Uhr erreichbar. In Österreich helfen die Rettung unter 144 und die Gesundheitsberatung unter 1450, in der Schweiz der Sanitätsnotruf 144.
Warum die Angst so groß wird
Bei einem kranken Kind trifft Liebe auf Ungewissheit. Nachts, müde und allein mit dem Fieberthermometer, wirkt jedes Symptom bedrohlicher. Manche Eltern sorgen sich auch ohne konkreten Anlass ständig um die Gesundheit ihres Kindes. Fachleute sprechen dann von stellvertretender Gesundheitsangst. In einer Studie von Thorgaard und Kollegen (2017) mit 150 Müttern zeigten Mütter mit ausgeprägter eigener Gesundheitsangst deutlich mehr solcher Sorgen um ihr Kind.
Was im Moment hilft
Zuerst die eigene Atmung
Einige ruhige Atemzüge, bei denen das Ausatmen länger dauert als das Einatmen, senken die Anspannung. Viele Kinder spüren die Ruhe der Eltern und werden selbst ruhiger.
Fakten notieren
Temperatur, Uhrzeit, Trinkmenge und Verhalten aufzuschreiben, ordnet die Gedanken. So lässt sich eine Veränderung besser erkennen und am Telefon klar beschreiben.
Einen Plan bereithalten
Die Nummer der Kinderarztpraxis, die 116 117 und die Adresse der nächsten Kinderklinik griffbereit zu haben, nimmt in der Nacht viel Druck heraus.
Wenn die Panik bleibt
Kommen Herzrasen, Zittern oder Todesangst auch dann, wenn das Kind längst wieder gesund ist, oder kreisen die Gedanken ständig um mögliche Krankheiten, ist ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe sinnvoll. Die deutsche S3-Leitlinie zu Angststörungen nennt kognitive Verhaltenstherapie als Verfahren mit der besten Evidenz (Bandelow und Kollegen, 2022). Was bei einer akuten Attacke hilft, beschreibt der Ratgeber Was hilft bei Panikattacken sofort?, wann Krankheitsängste abgeklärt werden sollten, der Beitrag Angst vor Krankheiten: Wann zum Arzt?
Das Audio-Programm bei Panikattacken kann helfen, Anspannung früher zu bemerken und nach belastenden Nächten leichter zur Ruhe zu kommen: aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon erarbeitet und professionell eingesprochen, ohne KI. Es ist auch im Jahresabo mit allen 115 Programmen enthalten, etwa zusammen mit Stress und Schlafstörungen. Begleitend gedacht, kein Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung und nie ein Grund, bei Warnzeichen des Kindes auf ärztliche Hilfe zu verzichten.
Häufige Fragen
Wann muss ich mit meinem kranken Kind nachts die 112 rufen?
Bei Atemnot, blauen Lippen, Bewusstlosigkeit, einem Krampfanfall oder wenn das Kind kaum noch ansprechbar ist, ist der Notruf 112 richtig. Ist die Lage nicht lebensbedrohlich, aber unklar, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 bei der Einschätzung. Im Zweifel ist es besser, einmal zu viel anzurufen als einmal zu wenig.
Ab wann ist Fieber bei einem Baby ein Grund für den Arzt?
Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt schon eine Temperatur ab 38 Grad als Fieber, und das sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Auch ohne Fieber sind Trinkschwäche, Teilnahmslosigkeit oder eine veränderte Hautfarbe bei jungen Babys ein Grund, ärztlichen Rat zu suchen. Bei älteren Kindern ist ein Arztbesuch unter anderem nötig, wenn das Fieber über 39 Grad steigt oder länger als drei Tage anhält.
Wie bleibe ich ruhig, wenn mein Kind hohes Fieber hat und ich allein bin?
Hilfreich ist, zuerst langsam durchzuatmen und dann die Fakten zu prüfen: Temperatur, Trinken, Verhalten und mögliche Warnzeichen. Ein Anruf beim Bereitschaftsdienst unter 116 117 kann Sicherheit geben, wenn die Lage unklar ist. Viele Eltern beruhigt es, die wichtigen Nummern schon vorher an einem festen Platz notiert zu haben.
Ist es normal, dass ich bei jedem Infekt meines Kindes große Angst bekomme?
Sorgen um ein krankes Kind sind normal und Ausdruck von Fürsorge. Bestimmen sie aber auch in gesunden Zeiten den Alltag, führen sie zu häufigen Arztbesuchen ohne Befund oder lösen sie Panikattacken aus, kann eine Gesundheitsangst dahinterstecken. Dann ist ein Gespräch in der Hausarztpraxis oder bei einer Psychotherapeutin sinnvoll.
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Quellen (Auswahl)
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (mit IQWiG): Fieber bei Kindern, Stand 15.12.2023 Quelle lesen →
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: 116117, ärztlicher Bereitschaftsdienst, rund um die Uhr Quelle lesen →
- Thorgaard, Frostholm, Walker, Jensen, Morina, Lindegaard, Salomonsen & Rask (2017): Health anxiety by proxy in women with severe health anxiety: a case control study, Journal of Anxiety Disorders 52 Quelle lesen →
- Bandelow, Werner, Kopp, Rudolf, Wiltink & Beutel (2022): The German Guidelines for the treatment of anxiety disorders: first revision (S3-Leitlinie, AWMF 051-028), European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience 272 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).