Angst vor Krankheiten: Wann ist ein Arztbesuch sinnvoll?
Eine klare Faustregel nimmt viel Druck heraus: neue Beschwerden abklären, abgeklärte nicht immer wieder. Und die Angst selbst behandeln.
Die kurze Antwort
Wer ständig Angst hat, krank zu sein, steckt oft in einem Dilemma: Geht man zu oft zum Arzt, beruhigt das nur kurz, geht man gar nicht, wächst die Sorge. Eine gute Faustregel lautet, neue, anhaltende oder sich verschlimmernde Beschwerden ärztlich abklären zu lassen, auf wiederholte Untersuchungen derselben Beschwerden ohne neue Hinweise aber zu verzichten. Gleichzeitig lohnt es sich, die Angst selbst zu behandeln, denn genau dafür gibt es wirksame Hilfe.
Wann ein Arztbesuch sinnvoll ist
- Beschwerden sind neu und halten länger als ein bis zwei Wochen an.
- Beschwerden werden deutlich stärker oder verändern sich.
- Es gibt Warnzeichen wie Fieber ohne Grund, ungewollten Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder Urin, starke Schmerzen, Atemnot oder Lähmungen.
- Der Termin zur empfohlenen Vorsorge steht an.
Bei akuten Notfällen wie starkem Brustschmerz, Lähmungen oder Atemnot gilt immer der Notruf 112.
Wann ein weiterer Arztbesuch eher nicht hilft
Wurde eine Beschwerde gründlich untersucht und unauffällig befundet, bringt die dritte oder vierte Untersuchung meist keine neue Sicherheit. Die Erleichterung hält oft nur Stunden oder Tage, dann kommen neue Zweifel. Dieses Muster hält die Krankheitsangst aufrecht. Hilfreich ist, mit einer festen Hausärztin oder einem festen Hausarzt regelmäßige, geplante Termine zu vereinbaren, statt bei jeder Sorge spontan zu gehen.
Warum das Googeln die Angst verstärkt
Viele Menschen mit Krankheitsangst suchen ihre Symptome im Internet. Fachleute sprechen von Cyberchondrie. Eine Übersichtsarbeit beschreibt, wie dieses Suchen die Angst häufig steigert statt senkt, weil seltene, schwere Erkrankungen in Suchergebnissen besonders auffallen. Eine feste Regel, etwa keine Symptomsuche nach 20 Uhr oder gar nicht mehr, kann sehr entlasten.
Ein hilfreicher Plan für Angstmomente
Wenn die Sorge kommt, hilft eine feste Reihenfolge: Beschwerde aufschreiben, 48 Stunden abwarten, sofern es keine Warnzeichen gibt, und erst dann entscheiden, ob ein Termin nötig ist. Viele Beschwerden sind bis dahin verschwunden oder deutlich schwächer. Dieser Abstand schwächt den Kreislauf aus Angst, Kontrolle und kurzer Beruhigung.
Was gegen die Krankheitsangst hilft
Eine große Studie in der Fachzeitschrift The Lancet zeigte, dass kognitive Verhaltenstherapie für Krankheitsangst mit nur fünf bis zehn Sitzungen besser half als die übliche Versorgung mit Beruhigung und Untersuchungen. Die Therapie verändert, wie Körpersignale gedeutet werden, und baut Kontrollverhalten schrittweise ab. Ergänzend helfen:
- Körpersignale bewusst wahrnehmen, ohne sie sofort zu bewerten
- Kontrollen wie Abtasten oder Pulsmessen schrittweise reduzieren
- Entspannungsverfahren wie Atemübungen oder Hypnose, um die Grundanspannung zu senken
Wenn die Angst den Alltag stark bestimmt, ist eine psychotherapeutische Behandlung der wirksamste Schritt.
Das Audio-Hypnose-Programm bei Angst vor Krankheiten setzt auf Tiefenentspannung und einen gelasseneren Umgang mit Körpersignalen, begleitend zur ärztlichen Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit Angst vor Krankheiten zum Arzt gehen?
Bei neuen, anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden und bei Warnzeichen wie unerklärtem Fieber, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl. Wiederholte Untersuchungen derselben, bereits abgeklärten Beschwerden bringen meist keine neue Sicherheit.
Warum beruhigt mich ein guter Befund nur kurz?
Bei Krankheitsangst lässt die Erleichterung oft nach Stunden oder Tagen nach, und neue Zweifel kommen. Dieses Muster hält die Angst aufrecht. Geplante, regelmäßige Termine helfen mehr als spontane Besuche.
Ist es schlimm, Symptome zu googeln?
Für Menschen mit Krankheitsangst oft ja. Fachleute sprechen von Cyberchondrie: Das Suchen steigert die Angst häufig, weil seltene schwere Erkrankungen besonders auffallen.
Kann man Angst vor Krankheiten behandeln?
Ja. Kognitive Verhaltenstherapie für Krankheitsangst half in einer großen Studie mit fünf bis zehn Sitzungen besser als die übliche Versorgung.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Tyrer et al. (2014): Clinical and cost-effectiveness of cognitive behaviour therapy for health anxiety in medical patients: a multicentre randomised controlled trial, The Lancet 383(9913)
- Starcevic & Berle (2013): Cyberchondria: towards a better understanding of excessive health-related Internet use, Expert Review of Neurotherapeutics 13(2)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).