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Narzissmus · Entschuldigung
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Können Narzissten sich entschuldigen?

Viele warten jahrelang auf ein ehrliches „Es tut mir leid“. Die Forschung erklärt, warum es so selten kommt, und warum die eigene Sicht auch ohne Entschuldigung gilt.

Stand: Redaktioneller Beitrag · quellenbasiert Redaktionell geprüft
4 Studienzu Narzissmus und Entschuldigung
Empathieund Schuldgefühl als Bindeglied
6 Studienzu Anspruchsdenken und Vergeben
DARVOUmkehr von Täter und Opfer

Selten echt, und das hat Gründe

Können ja, wollen oft nicht. Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Zügen entschuldigen sich nachweislich seltener als andere. Wenn doch, klingt die Entschuldigung häufig halbherzig, ist an Bedingungen geknüpft oder kommt vor allem dann, wenn etwas auf dem Spiel steht. Für Betroffene ist das eine wichtige Entlastung: Es liegt nicht daran, dass das eigene Anliegen zu unklar war.

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Was dahintersteckt

Wenig Mitgefühl, wenig Schuldgefühl

Eine Reihe von vier Studien ging der Frage nach, warum narzisstische Menschen sich weniger entschuldigen. Die Erklärung lief über zwei Schritte: Sie fühlten weniger mit der verletzten Person mit und empfanden deshalb weniger Schuld. Ohne Schuldgefühl fehlt der innere Antrieb, um Verzeihung zu bitten.

Die rivalisierende Seite

Besonders deutlich war der Zusammenhang bei der rivalisierenden, abwertenden Form von Narzissmus. Wer andere vor allem als Konkurrenz erlebt, empfindet eine Entschuldigung leicht als Niederlage.

Anspruchsdenken

Verwandte Forschung zeigt, dass ein starkes Anspruchsdenken mit geringer Bereitschaft zu vergeben einhergeht. Wer sich grundsätzlich im Recht fühlt, sieht wenig Anlass, sich zu entschuldigen, erwartet es aber umgekehrt von anderen.

Schutz des Selbstbilds

Eine Entschuldigung setzt voraus, einen Fehler einzugestehen. Für ein Selbstbild, das auf Überlegenheit angewiesen ist, fühlt sich das bedrohlich an. Fachleute gehen davon aus, dass Abwehr, Ausreden oder Gegenangriffe dann vor allem das eigene Ansehen schützen.

Person sitzt auf einem Berg und blickt in die Weite

Typische Ersatz-Entschuldigungen

  • „Es tut mir leid, dass du dich so fühlst.“ Das Bedauern gilt dem Gefühl, nicht dem eigenen Verhalten.
  • „Tut mir leid, aber du hast angefangen.“ Die Schuld wird im selben Satz zurückgegeben.
  • Geschenke oder plötzliche Zuwendung statt eines Wortes zum eigentlichen Vorfall.
  • Eine Entschuldigung, auf die sofort die Erwartung folgt, dass nun alles vergessen ist.

Manchmal fühlt sich am Ende sogar die verletzte Person schuldig. Forschung zu dieser Umkehr der Rollen zeigt, dass sie bei Betroffenen Selbstvorwürfe verstärken kann.

Was Betroffenen hilft

Die eigene Wahrnehmung braucht keine Bestätigung durch eine Entschuldigung. Hilfreich ist, kurz und ruhig zu benennen, was verletzt hat, ohne lange Rechtfertigungen. Endlose Diskussionen, um ein Eingeständnis zu erreichen, kosten meist mehr Kraft, als sie bringen. Ein Tagebuch oder Gespräche mit Vertrauten helfen, bei der eigenen Sicht zu bleiben.

Wenn sich Selbstzweifel, Grübeln oder Schlafprobleme festsetzen, ist Beratung oder Psychotherapie ein guter Schritt. Bei Gewalt oder Bedrohung geht die eigene Sicherheit vor. In seelischen Krisen ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (DE) erreichbar, in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143. Entspannungsverfahren wie Hypnose können begleitend helfen, das Selbstwertgefühl zu stärken, nicht als Ersatz für professionelle Hilfe.

Zur eigenen Wahrnehmung stehen

Das Audio-Hypnose-Programm Selbstwertgefühl unterstützt dabei, ein stabileres Bild von sich selbst aufzubauen, damit die eigene Sicht auch ohne Bestätigung von außen tragen kann. Es ersetzt keine psychotherapeutische Behandlung. Konzipiert von Ingo Michael Simon.

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Häufige Fragen

Warum entschuldigt sich ein Narzisst so selten?

Studien zeigen, dass narzisstische Menschen weniger Mitgefühl mit der verletzten Person empfinden und dadurch weniger Schuld. Damit fehlt der innere Antrieb für eine Entschuldigung, besonders bei einer rivalisierenden Haltung gegenüber anderen.

Woran erkenne ich eine echte Entschuldigung?

Eine echte Entschuldigung benennt das eigene Verhalten konkret, ohne ein „aber“ anzuhängen. Sie erkennt die Folgen für den anderen an und zeigt sich danach in verändertem Verhalten.

Sollte ich auf einer Entschuldigung bestehen?

Der Wunsch danach ist verständlich. Wer aber immer wieder um ein Eingeständnis ringt, verliert oft viel Kraft. Die eigene Sicht bleibt gültig, auch wenn der andere sie nicht bestätigt.

Kann ein narzisstischer Mensch lernen, sich zu entschuldigen?

Möglich ist es, vor allem wenn eigene Motivation und therapeutische Arbeit dazukommen. In Experimenten stieg das Mitgefühl narzisstischer Menschen, wenn sie sich bewusst in andere hineinversetzten.

Unibee-Redaktion

Redaktioneller Beitrag auf Basis veröffentlichter Fachliteratur (siehe Quellen). Die genannten Audio-Hypnose-Programme sind methodisch konzipiert von Ingo Michael Simon, Diplom-Pädagoge (univ.), Heilpraktiker für Psychotherapie, Hypnosetherapeut, über 30 Jahre Praxiserfahrung.

Quellen (Auswahl)

  • Leunissen, Sedikides & Wildschut (2017): Why narcissists are unwilling to apologize: the role of empathy and guilt, European Journal of Personality 31(4)
  • Exline, Baumeister, Bushman, Campbell & Finkel (2004): Too proud to let go: narcissistic entitlement as a barrier to forgiveness, Journal of Personality and Social Psychology 87(6)
  • Harsey, Zurbriggen & Freyd (2017): Perpetrator responses to victim confrontation: DARVO and victim self-blame, Journal of Aggression, Maltreatment & Trauma 26(6)
  • Hepper, Hart & Sedikides (2014): Moving Narcissus: can narcissists be empathic?, Personality and Social Psychology Bulletin 40(9)

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).