Was sind Yips beim Golf?
Ein Meter vor dem Loch versagt die Bewegung, die tausendfach geklappt hat. Die Yips liegen zwischen Nervensystem und Druck, und an beidem lässt sich ansetzen.
Die kurze Antwort
Als Yips bezeichnet man ein plötzliches Zucken, Zittern oder Verkrampfen der Hände bei feinen, oft geübten Bewegungen, beim Golf vor allem beim kurzen Putt. Der Ball liegt einen Meter vor dem Loch, und genau dann versagt die Bewegung, die tausendfach funktioniert hat. Betroffen sind nicht Anfänger, sondern häufig erfahrene Spielerinnen und Spieler mit vielen Jahren auf dem Platz.
Kopfsache oder Nervensache?
Eine viel zitierte Übersichtsarbeit der Mayo Clinic beschreibt die Yips als Spektrum mit zwei Enden. Am einen Ende steht eine aufgabenspezifische fokale Dystonie, also eine neurologische Bewegungsstörung, die nur bei einer bestimmten Tätigkeit auftritt, ähnlich dem Schreibkrampf. Am anderen Ende steht das „Choking“, also das Einbrechen der Leistung unter Druck. Bei den meisten Betroffenen spielt beides zusammen: Ein erster Fehlputt unter Anspannung macht den nächsten Putt bedeutsamer, die Muskeln spannen sich vorsorglich an, und das Muster festigt sich.
Warum Nachdenken den Putt verschlechtert
Gut gelernte Bewegungen laufen automatisch ab, ohne dass das Bewusstsein jeden Schritt steuert. Untersuchungen mit Golferinnen und Golfern zeigen: Wer unter Druck anfängt, die eigene Bewegung bewusst zu überwachen („Handgelenk ruhig, Schläger gerade“), stört genau diesen automatischen Ablauf. Erfahrene Spieler putteten in Experimenten schlechter, wenn sie auf die Einzelheiten ihrer Bewegung achten sollten. Das erklärt, warum die Yips gerade bei denen auftreten, die besonders ehrgeizig an ihrer Technik feilen.
Wie sehr sie das Spiel kosten
Die Yips sind keine Kleinigkeit. Laut der Übersichtsarbeit der Mayo Clinic brauchten betroffene Golfer im Schnitt fast fünf Schläge mehr pro Runde über 18 Löcher. Viele berichten zudem, dass sie das Spiel nicht mehr genießen, kurze Putts fürchten und sich in Turnieren zurückziehen. Je länger das Problem besteht, desto stärker wird oft die Angst vor dem nächsten Putt.
Was Betroffenen hilft
Den Fokus nach außen verlegen
Statt auf Hände und Schläger richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Linie oder einen Punkt hinter dem Loch. Ein fester, kurzer Ablauf vor jedem Putt nimmt dem Kopf die Gelegenheit zum Grübeln.
Technik verändern
Ein anderer Griff, etwa der Klauengriff, oder ein anderer Putter verändert die Bewegung so weit, dass das eingeschliffene Fehlmuster nicht mehr greift.
Druck senken
Atemübungen, Entspannungsverfahren und mentales Training setzen an der Anspannung vor dem Schlag an. Hypnose und Visualisierung werden im Sport ergänzend genutzt, um ruhige Abläufe innerlich zu üben. Belastbare Studien speziell zu Yips gibt es dazu allerdings kaum.
Wann zum Neurologen?
Treten Zuckungen oder Verkrampfungen auch außerhalb des Golfs auf, etwa beim Schreiben, oder werden sie stärker, sollte eine neurologische Abklärung erfolgen. Bei einer echten Dystonie stehen medizinische Behandlungen zur Verfügung.
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Gehen die Yips von allein wieder weg?
Bei manchen verschwinden sie nach einer Pause oder einer Technikänderung. Häufig bleiben sie aber hartnäckig, weil jeder misslungene Putt die Erwartung des nächsten Fehlers verstärkt. Ein gezielter Umgang mit Fokus und Anspannung ist deshalb meist sinnvoller als Abwarten.
Gibt es Yips auch in anderen Sportarten?
Ja. Ähnliche Bewegungsblockaden kennt man beim Dart, im Cricket, beim Bogenschießen, im Tennis beim Aufschlag und im Baseball beim Werfen. Gemeinsam ist allen, dass eine feine, gut geübte Bewegung unter Druck plötzlich nicht mehr gelingt.
Hilft ein anderer Putter wirklich?
Oft für eine gewisse Zeit, weil sich Griff und Bewegungsablauf verändern und das alte Fehlmuster nicht mehr abgerufen wird. Bleibt die Anspannung vor dem Putt bestehen, können sich die Yips aber auch mit neuem Material wieder einschleichen.
Woran erkenne ich, ob es eine Dystonie ist?
Hinweise sind unwillkürliche Zuckungen, die auch ohne Wettkampfdruck und beim lockeren Üben auftreten, oder Verkrampfungen bei anderen feinen Tätigkeiten. Eine sichere Unterscheidung kann nur eine neurologische Untersuchung treffen.
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Quellen (Auswahl)
- Smith et al. (2003): The yips in golf: a continuum between a focal dystonia and choking, Sports Medicine 33(1)
- Beilock & Carr (2001): On the fragility of skilled performance: what governs choking under pressure?, Journal of Experimental Psychology: General 130(4)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).