Narzisst, wenn der Partner krank ist: Warum das Mitgefühl fehlt und was jetzt hilft
Kälte, Ungeduld oder Vorwürfe vom Partner mit narzisstischen Zügen bildet man sich bei Krankheit meist nicht ein. Mitgefühl ist bei Narzissmus oft geringer, aber nicht unmöglich. Wichtig ist, die eigene Versorgung breit aufzustellen.
Die kurze Antwort
Wer krank ist und vom Partner mit narzisstischen Zügen Kälte, Ungeduld oder Vorwürfe erlebt, bildet sich das meist nicht ein. Die Krankheit des anderen kann für ihn bedeuten, weniger Aufmerksamkeit zu bekommen und selbst zurückzustecken. Studien zeigen, dass Narzissmus mit weniger Mitgefühl verbunden ist, aber nicht mit völliger Unfähigkeit dazu. Wichtig ist, die eigene Versorgung nicht von ihm abhängig zu machen.
Typische Reaktionen
Herunterspielen: „Stell dich nicht so an“ oder „Das ist doch nur eine Erkältung.“
Sich selbst in den Mittelpunkt stellen: Eigene Beschwerden werden betont, sobald es um die Krankheit des anderen geht.
Gekränktsein und Rückzug: Ausfälle im Alltag werden als Zumutung erlebt, abgesagte Pläne persönlich genommen.
Vorwürfe: Die Krankheit wird zum Beispiel als Bequemlichkeit oder Übertreibung dargestellt.
Was Studien zum Mitgefühl zeigen
Hepper und Kollegen (2014) fanden in drei Studien, dass vor allem Anspruchsdenken, Ausnutzen und Geltungsdrang mit geringem Mitgefühl einhergingen. Wurden die Teilnehmenden aber ausdrücklich gebeten, sich in die leidende Person hineinzuversetzen, fiel dieser Unterschied geringer aus. Geringes Mitgefühl ist demnach keine grundsätzliche Unfähigkeit. Wurst und Kollegen (2017) zeigten in sieben Studien mit 3.560 Teilnehmenden, dass vor allem die abwertende, rivalisierende Seite des Narzissmus mit Problemen in langen Beziehungen verbunden war.
Was in der Krankheitszeit hilft
- Versorgung breit aufstellen: Freunde, Familie, Nachbarn oder einen Pflegedienst einbeziehen, statt alles vom Partner zu erwarten.
- Konkret bitten: Eine klare Aufgabe wie „Kannst du heute das Rezept abholen?“ gelingt oft eher als die Bitte um Verständnis.
- Nicht um Mitgefühl kämpfen: Lange Diskussionen kosten Kraft, die gerade für die Genesung gebraucht wird.
- Die eigene Wahrnehmung festhalten: Kurze Notizen über Beschwerden und Reaktionen helfen, nicht an sich selbst zu zweifeln.
- Behandlung nicht verschieben: Arzttermine und Therapie wahrnehmen, auch wenn sie dem Partner ungelegen kommen.
- Danach Bilanz ziehen: In ruhiger Zeit ansprechen, was gefehlt hat, und klären, was beim nächsten Mal anders laufen soll. Bleibt die Kälte trotz Gespräch, darf das in die Überlegung über die Beziehung einfließen.
Wann es mehr als Kälte ist
Wird nötige Hilfe verweigert, werden Arztbesuche oder Medikamente behindert oder kommen Drohungen hinzu, ist das ein Grund für Beratung. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist unter 116 016 rund um die Uhr erreichbar, in Krisen die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111. Nicht jede kühle Reaktion bedeutet Narzissmus, auch Überforderung und Angst um den anderen können dahinterstehen. Woran sich ein wiederkehrendes Muster erkennen lässt, beschreibt Narzisst in der Beziehung erkennen.
Das Audio-Programm Selbstwertgefühl richtet sich an die eigene Belastung, nicht an das Verhalten des Partners: Es kann begleiten, wenn Kälte und Vorwürfe am eigenen Wert zweifeln lassen. Aufeinander aufbauende Hypnosen à 75 Minuten für zu Hause, sofort nach dem Kauf verfügbar, von Ingo Michael Simon geschrieben und professionell eingesprochen, ohne KI. Am meisten Spielraum bietet das Jahresabo mit allen 115 Programmen, etwa zusammen mit Stress und Schlafstörungen. Begleitend gedacht, wissenschaftlich nicht belegt und kein Ersatz für ärztliche Behandlung, Beratung oder Psychotherapie.
Häufige Fragen
Warum wird er wütend, wenn ich krank bin?
Die Krankheit verschiebt die Aufmerksamkeit weg von ihm und bringt Pläne durcheinander. Bei ausgeprägt narzisstischen Zügen wird das schnell als Kränkung oder Zumutung erlebt. Mit dem eigenen Verhalten der kranken Person hat diese Wut meist wenig zu tun.
Bilde ich mir die fehlende Empathie nur ein, weil ich gerade empfindlich bin?
Krankheit kann empfindlicher machen, deshalb lohnt der Blick auf das Muster: Kommt die Kälte immer wieder, auch bei ernsten Beschwerden? Kurze Notizen und die Einschätzung vertrauter Menschen helfen, die eigene Wahrnehmung zu prüfen.
Kann ich ihn dazu bringen, mehr Verständnis zu zeigen?
Erzwingen lässt sich Mitgefühl nicht. Eine Studie zeigte aber, dass Menschen mit narzisstischen Zügen mitfühlender reagierten, wenn sie gezielt gebeten wurden, sich in die andere Person hineinzuversetzen. Konkrete Bitten und klare Worte wie „Ich habe Schmerzen und brauche heute Ruhe“ sind deshalb oft hilfreicher als Vorwürfe.
Wer kümmert sich um mich, wenn der Partner ausfällt?
Hausarztpraxis, Freunde, Familie und Nachbarn sind oft die ersten Ansprechpartner. Bei längerer Krankheit können Pflegeberatung, Sozialdienst der Klinik oder Selbsthilfegruppen weitere Hilfe vermitteln. Je breiter die Unterstützung ist, desto weniger hängt am Verhalten des Partners.
Verwandte Themen
Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Hepper, Hart & Sedikides (2014): Moving Narcissus: can narcissists be empathic?, Personality and Social Psychology Bulletin 40(9) Quelle lesen →
- Wurst et al. (2017): Narcissism and romantic relationships: the differential impact of narcissistic admiration and rivalry, Journal of Personality and Social Psychology 112(2) Quelle lesen →
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: Bundesweites Beratungsangebot, 116 016 Quelle lesen →
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).