Warum versagt man beim Elfmeter?
Technisch ist der Elfmeter leicht. Was ihn schwer macht, ist der Druck, und die Forschung zeigt ziemlich genau, wie er wirkt.
Die kurze Antwort
Ein Elfmeter ist technisch eine der leichtesten Aufgaben im Fußball. Elf Meter, kein Gegenspieler, nur der Torhüter. Dass trotzdem so viele Schüsse danebengehen, liegt kaum an der Technik, sondern am Druck. Die Forschung zu Elfmeterschießen zeigt deutlich: Wer Angst vor dem Fehlschuss hat, verhält sich anders und trifft schlechter.
Was die Forschung zeigt
Der norwegische Sportpsychologe Geir Jordet hat alle Elfmeterschießen bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und in der Champions League ausgewertet. Ein zentrales Ergebnis: Schützen, bei denen ein Fehlschuss sofort die Niederlage bedeutet hätte, trafen deutlich seltener als Schützen, die mit einem Treffer den Sieg sichern konnten. Die Situation war technisch dieselbe, nur die Bedeutung war eine andere.
Dazu kam ein auffälliges Verhalten. Unter hohem Druck schauten Spieler häufiger vom Torhüter weg und liefen schneller an, nachdem der Schiedsrichter gepfiffen hatte. Jordet deutet das als Vermeidung: Man will die unangenehme Situation möglichst schnell hinter sich bringen. Genau diese Eile ging mit schlechteren Ergebnissen einher.
In einer weiteren Studie verglich Jordet die Nationalteams. Englische Spieler, die als Stars mit hohem öffentlichem Erwartungsdruck galten, nahmen sich nach dem Pfiff besonders wenig Zeit und schnitten im Elfmeterschießen schlecht ab. Druck von außen wirkt also mit, nicht nur die Lage im Spiel.
Warum Eile schadet
Wer nach dem Pfiff sofort anläuft, hat seinen Plan oft nicht zu Ende gedacht und sein Ziel nicht mehr fixiert. Gleichzeitig ist die Anspannung auf dem Höhepunkt. Die Muskulatur ist fest, der Blick unruhig, und kleine Ungenauigkeiten reichen, damit der Ball am Pfosten landet oder vom Torwart gehalten wird.
Was Schützen helfen kann
Die Entscheidung vorher treffen
Eine Ecke und eine Schussart werden festgelegt, bevor man zum Punkt geht, und dann nicht mehr geändert. Zweifel auf dem Weg zum Ball kosten Sicherheit.
Bewusst Zeit nehmen
Nach dem Pfiff einmal ruhig ausatmen, das Ziel ansehen, dann anlaufen. Ein fester Ablauf, der im Training genauso geübt wird, gibt dem Körper Halt.
Den Blick nicht abwenden
Sich der Situation zu stellen, statt ihr auszuweichen, gehört zum Ablauf: Blick auf das Ziel, nicht auf den Boden.
Druck trainieren
Elfmeter nach intensiver Belastung, vor Zuschauern oder mit Konsequenzen zu üben, bereitet besser vor als lockeres Schießen am Ende des Trainings.
Mentale Vorbereitung
Visualisierung, Atemtechniken und Hypnose werden im Fußball ergänzend genutzt, um die Situation innerlich ruhig durchzuspielen und die Anspannung zu senken. Sie ersetzen kein Training am Punkt, können aber helfen, im entscheidenden Moment bei sich zu bleiben.
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Warum verschießen auch Profis so oft?
Weil Elfmeter vor allem eine Druckaufgabe sind. Auswertungen großer Turniere zeigen, dass die Trefferquote sinkt, wenn ein Fehlschuss sofort die Niederlage bedeutet. Die Technik ist dieselbe, die Bedeutung des Schusses verändert die Ausführung.
Soll ich mich vor dem Schuss für eine Ecke entscheiden?
Ja, die meisten Fachleute empfehlen eine feste Entscheidung vor dem Anlauf. Wer bis zuletzt schwankt oder auf den Torwart reagieren will, braucht dafür mehr Ruhe, als in diesem Moment meist vorhanden ist.
Ist schnelles Anlaufen schlecht?
In der Forschung von Geir Jordet hing ein sehr schneller Anlauf direkt nach dem Pfiff mit schlechteren Ergebnissen zusammen. Er wird als Zeichen von Vermeidung gedeutet. Ein kurzer, bewusster Moment vor dem Anlauf ist deshalb sinnvoll.
Wie trainiere ich Elfmeter unter Druck?
Indem das Training der Wettkampfsituation ähnlicher wird: nach Sprints mit hohem Puls, vor Mitspielern, mit einer kleinen Konsequenz bei Fehlschüssen und immer mit demselben Ablauf vor dem Schuss.
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Quellen (Auswahl)
- Jordet & Hartman (2008): Avoidance motivation and choking under pressure in soccer penalty shootouts, Journal of Sport and Exercise Psychology 30(4)
- Jordet (2009): Why do English players fail in soccer penalty shootouts?, Journal of Sports Sciences 27(2)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wende dich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).