Fressattacke nach Diät: Warum, und was jetzt hilft
Fressattacken nach einer Diät sind eine häufige Folge strenger Verbote und von Hunger. Der Ausweg ist meist regelmäßiges Essen, nicht die nächste Diät.
Die kurze Antwort
Fressattacken nach einer Diät sind kein Zeichen von Charakterschwäche, sondern eine häufige Folge strenger Diäten. Die Forscher Janet Polivy und Peter Herman beschrieben schon 1985, dass Diäthalten selbst Essanfälle begünstigt: Wer sich viel verbietet und hungert, isst nach einem kleinen Regelbruch oft gleich alles. Der Ausweg ist meist nicht die nächste, noch strengere Diät, sondern regelmäßiges, ausreichendes Essen ohne starre Verbote.
Warum Diäten Fressattacken auslösen
- Hunger: Wer deutlich zu wenig isst, hat irgendwann so starken Hunger, dass der Körper die Kontrolle übernimmt. Im Minnesota-Hungerexperiment der 1940er-Jahre aßen Teilnehmer nach der Hungerphase teils große Mengen und kamen kaum zur Ruhe.
- Der „Jetzt ist es eh egal“-Effekt: Ein Stück Kuchen gilt als Diätbruch, und dann wird gleich weitergegessen. Polivy und Herman sprachen hier vom Zusammenbruch der Selbstbeschränkung.
- Verbote: Was verboten ist, wird wichtiger. Siehe Ich denke ständig an Essen.
- Erschöpfte Willenskraft am Abend: Wer tagsüber eisern war, ist abends müde und gestresst. Mehr dazu unter Fressattacken am Abend vermeiden.
Was jetzt hilft
- Nicht kompensieren: Nach einer Fressattacke am nächsten Tag hungern startet den Kreislauf neu. Essen Sie normal weiter.
- Regelmäßig essen: Drei Mahlzeiten und eventuell ein geplanter Snack, mit Eiweiß und Ballaststoffen.
- Verbote in Regeln für Mengen verwandeln: Statt „nie Schokolade“ lieber „Schokolade nach dem Essen, zwei Stücke“.
- Langsam abnehmen: Ein moderates Defizit über längere Zeit ist leichter durchzuhalten als eine Crash-Diät. Siehe Ich kann meine Diät nicht durchhalten und Wie vermeide ich den Jojo-Effekt?
- Anspannung senken: Regelmäßige Entspannung, etwa mit einer Audio-Hypnose, kann helfen, dem Essimpuls ruhiger zu begegnen. Das Unibee-Programm Hypnose zum Abnehmen enthält eine eigene Sitzung zum Heißhunger, online im Browser.
Wann Sie sich Hilfe holen sollten
Wenn Fressattacken mit Kontrollverlust über Monate mindestens einmal pro Woche vorkommen, wenn Sie danach erbrechen, Abführmittel nehmen oder exzessiv Sport treiben, kann eine Essstörung vorliegen. Das ist behandelbar. Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis und, anonym, das Infotelefon Essstörungen unter 0221 89 20 31. Mehr dazu unter Hilft Hypnose bei Essstörungen?
Das Audio-Hypnose-Programm Abnehmen richtet sich an Erwachsene, die ihr Essverhalten mit regelmäßiger Entspannung begleiten möchten, mit einer eigenen Sitzung zum Heißhunger. Es ersetzt keine Behandlung einer Essstörung. Online im Browser.
Häufige Fragen
Warum bekomme ich nach einer Diät Fressattacken?
Strenge Diäten erzeugen Hunger und machen verbotene Lebensmittel wichtiger. Nach einem kleinen Regelbruch wird dann oft gleich alles gegessen. Forscher beschrieben diesen Zusammenhang schon 1985.
Was tun nach einer Fressattacke?
Nicht am nächsten Tag hungern, sondern normal weiteressen. Regelmäßige Mahlzeiten und gelockerte Verbote verhindern, dass der Kreislauf von vorn beginnt.
Wann sind Fressattacken eine Essstörung?
Wenn Essanfälle mit Kontrollverlust über Monate mindestens einmal pro Woche vorkommen oder mit Erbrechen, Abführmitteln oder exzessivem Sport einhergehen. Dann ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.
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Weitere Ratgeber
Quellen (Auswahl)
- Polivy & Herman (1985): Dieting and bingeing: a causal analysis, American Psychologist 40(2), 193-201
- Keys u. a. (1950): The Biology of Human Starvation, University of Minnesota Press
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltendem Leidensdruck oder in einer Krise wenden Sie sich an eine Fachperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).